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Als sich M?cke und Fliege bekriegten

M?cke und Fliege bekriegten sich. Die M?cke bi? die Fliege und die Fliege die Bremse. Die Bremse aber stach die Hornisse und die Hornisse den Sperling. Und es bekriegten sich alle Insekten, V?gel und Tiere. Das war der Vogel- und Tierkrieg.
In einem kleinen Dorf lebte einmal ein armer, armer J?ger. Einmal nun kam es ihm in den Sinn, weit weg, in einem gro?en tiefen Wald auf Jagd zu gehen. Als er in den tiefen Wald kam, sieht er: Auf drei riesigen Eichen sitzt ein Vogel mit aufge¬sperrtem Rachen, so gro? wie ein riesiges Haus. Der J?ger erschrak sehr ?ber diesen Riesenvogel und denkt: „Er wird mich mitsamt meinem Gewehr verschlingen.» Dann aber besann er sich: „Ich bin doch ein J?ger! Wovor habe ich denn Angst! Ich werde ihn einfach ins Maul schie?en, und vielleicht t?te ich ihn sogar.»
Er nahm sein Gewehr und zielte dem Vogel ins Maul. Und gerade, als er den Hahn abdr?cken wollte, begann der Vogel auf einmal mit Men¬schenstimme zu sprechen und sagte: „J?ger, schie? nicht auf mich!» — „Und warum nicht?» — „Ich will dir viel erlegtes Wild geben.» — „Nun, her damit!» Und der Vogel zeigte ihm das Wild. Als er dieses Wild zusammengetragen und die Felle abgezogen hatte, wurde er mit einem Male ein reicher Mann. Aber weil die Leute vom Gelde nie ge¬nug kriegen k?nnen, ging er wieder an jene Stelle, ob nicht vielleicht der Vogel noch dort sitzt.
Als er an die Stelle kam, sa? der Vogel wirklich dort. Und wieder zielte er, und der Vogel sagt zu ihm: „J?ger, schie? nicht auf mich!» Er antwortet ihm: „Warum nicht?» — „Schie? nicht auf mich, ich will dir viel erlegtes Wild geben.» — „Nun, her damit!» Und der Vogel zeigte ihm doppelt so viel wie beim erstenmal. Mit Hilfe der Nachbarn und anderer Leute trug er all diese kostbaren Tiere zusammen, zog die Felle ab und verkaufte sie. Da wurde er schon ein sehr reicher Mann. Aber weil die Leute vom Gelde nie genug kriegen k?nnen, beschlo? er, ein drittes Mal hinzugehen: „Viel¬leicht gibt mir der Vogel noch einmal?» Als er das dritte Mal hinkam, sa? der Vogel wirklich noch immer auf den drei riesigen Eichen. Und wieder zielte er. Und gerade, als er den Hahn abdr?cken will, sagt der Vogel zu ihm: „J?ger, schie? nicht auf mich!» — „Und warum nicht?» — „Schie? nicht auf mich, ich will dir viel erlegtes Wild geben.» Und der Vogel zeigte ihm so viel, da? es einigemal mehr war als beim ersten Mal. Und dann sagte er zu ihm: „J?ger, du sollst mich f?r drei Jahre zur Erholung als Gast aufnehmen. Du siehst, wieviel von allem m?glichen Getier hier liegt, und alles habe ich erlegt. Ich bin der Vogel-Zar. Ich brau¬che nicht viel: jeden Tag vierzig Eimer Wasser und sechzig Pud Fleisch. Und wenn du mich nicht aufnimmst, dann fresse ich dich.» Dem J?ger war der Gast nicht so ganz nach dem Herzen, aber es gab keinen Ausweg, und er lud ihn zu sich zu Gast. Und Leute dingte er nicht nur aus seinem eigenen Dorf, sondern auch aus allen umliegen-den D?rfern, und er lie? einen riesigen K?bel machen, in dem er das Fleisch einsalzte, das er auf dem Schlachtfeld gesammelt hatte, das von dem Vogel erlegte, und er lagerte es in tiefen Gruben mit Quellwasser, wo es sich gut hielt, und so f?tterte er den Vogel drei Jahre hindurch. Und der Vogel sagt zu ihm: „Nun, J?ger, bitte ich dich, drei Jahre mein Gast zu sein.» Der J?ger versp?rte zwar nicht allzuviel Lust, aber er konnte nichts machen. Er entschlo? sich, Gast des Vogels zu sein. Der setzte ihn auf seinen riesigen R?cken wie auf ein weiches Federbett, und los ging’s, h?¬her als die Wolken am Himmel. Der Vogel flog mit ihm davon. Und als sie in eine steinige Steppe hineinflogen, warf er den J?ger ab und lie? ihn fallen. Der fliegt und denkt: „Ich werde mich wohl auf diesen schrecklichen Steinen zu Tode st?rzen, und niemand wird meine Knochen begraben.» Und gerade als er auf die Erde fallen wollte, hielt ihm der Vogel seinen R?cken hin, und er fiel weich wie auf ein Federbett und hatte nicht den geringsten Schaden genommen. Dann flog der Vogel ?ber dunkle, undurchdringliche W?lder, und wieder warf er den J?ger ab und lie? ihn ?ber diesem dunklen tiefen Wald fallen. Der J?ger erschrak nat?rlich t?chtig und denkt: „Ich werde in diesen tiefen Wald fallen, und niemand wird mich finden, und die wilden Tiere werden nicht nur mein
Fleisch, sondern auch meine Knochen fressen und keine Spur von mir zur?cklassen.» Und gerade als er in den Wald fallen will, setzt sich der Vogel auf die Baumwipfel, die sich unter seiner Last bogen, und h?lt ihm seinen R?cken hin, und er f?llt weich wie auf ein Federbett. Dann stieg der Vogel wie¬der empor, h?her als vorher, und flog ?ber einen gro?en Ozean, und er stieg so hoch, da? dem J?¬ger das Meer wie eine Tasse Wasser erschien. Und wieder lie? er ihn fallen, genau ?ber dem tiefen Meer; das Meer hatte einen Wirbel, wenn ein Schiff dorthinein geraten w?re, es w?re in tausend St?cke gegangen. Der J?ger fliegt und denkt: „Nun, jetzt falle ich in dieses Meer, und niemand wird je etwas von mir h?ren oder eine Spur von mir finden. Die anderen Male h?tte vielleicht noch zuf?llig einer vorbeikommen und wenigstens mei¬ne Knochen finden k?nnen, jetzt aber falle ich ins Wasser, und die Raubfische werden mich verschlingen, und es wird auch nicht die geringste Spur von mir ?brigbleiben.» Und gerade, als er ins Wasser fallen wollte, hielt ihm der Vogel pl?tzlich seinen R?cken hin, und er fiel weich wie auf ein Federbett, heil und gesund. Da fragt ihn der Vogel-Zar: „Nun, J?ger, bist du erschrocken?» — „Ja, sehr erschrocken, wie h?tte ich nicht erschrecken sollen, war ich doch schon beinahe ins Meer gefal¬len.» — „Genauso war ich erschrocken, denn ich war ja auch nur um Haaresbreite vom Tode entfernt. Denn wenn du nur den Abzughahn ber?hrt h?ttest, w?re der Schu? losgegangen, und ich w?¬re nicht mehr am Leben. Jetzt sind wir quitt, du hast mich dreimal erschreckt und ich dich auch. Mehr werde ich dich nicht erschrecken.» Als sie den gro?en Ozean ?berflogen hatten, fragt der Vogel den J?ger: „J?ger, sieh dich um, ist nichts zu sehen?» Er sah sich um und sagte: „Ich kann nirgends etwas sehen, nur dort rechter Hand sehe ich etwas wie einen Feuerschein.» — „Genau dorthin m?ssen wir fliegen, das ist mein Schlo?.» Als sie zum Schlo? des Vogels kamen, da war es ein Kristallschlo?, und das Dach war aus Gold, es gl?nzte wie ein Spiegel, und von weitem sah es aus wie Feuerschein. Und rings um das Schlo? war ein herrlicher Garten mit verschiedenen Obstb?umen; manche B?ume bl?hten, und an manchen hingen nicht einfache Fr?chte und ?pfel, sondern goldene, und ?berall sangen und jubilierten paradiesische V?gel und spielte eine sehr lu-stige Musik, ohne Musikanten. Und woran der J?ger auch nur denken mochte, alles erschien vor ihm. Und er bekam solche Wunderdinge zu Gesicht, wie er sie noch nie gesehen hatte, ja, es war ihm nicht einmal eingefallen, so etwas zu denken (wie es mir in Moskau gegangen ist). Und der J?ger verga? sogar seine liebe Heimat und seine liebe Frau. Und er merkte nicht, wie die drei Jahre vergingen. Und der Vogel sagt zu ihm: „Nun, J?ger, es ist f?r dich an der Zeit, nach Hause zu gehen, du bist drei Jahre bei mir zu Gast gewesen.» — „Wozu erz?hlst du solche M?rchen? Ich bin insgesamt nur drei Wochen bei dir zu Gast gewesen.» — „Nein, J?ger, du k?nntest das ganze Leben bei mir verbringen und w?rdest es nicht merken, weil das Leben bei mir zu kurzweilig und lustig f?r dich ist.» Als der Vogel ihn an die Heimat erinnerte, besann er sich: „Ich kann ja jetzt auch zu Hause ein sehr sch?nes Leben f?hren, weil ich ein reicher Kaufmann geworden bin.» Und erst da entsann er sich seiner lieben Frau, und der Vogel sagt zu ihm: „Ich gebe dir dieses alte verrostete K?stchen zum Geschenk, an dem ein verrostetes Schl?sselchen h?ngt, aber merke dir, ehe du zu Hause bist, darfst du’s nicht aufschlie?en und nicht ?ffnen, wenn du es aber aufschlie?t und nicht alles wieder hineintust, wirst du eines schrecklichen Todes sterben.» Und er setzte den J?ger auf seinen R?cken, brachte ihn fast bis zu seinem Hause und setzte ihn im Walde ab. Das war an die f?nfzig Werst vom Hause entfernt. Als sich der J?ger seinem Dorfe n?herte — es fehlten noch an die f?nf Werst — sah er eine sehr sch?ne Waldwiese, wo er ausruhen wollte, weil er sehr m?de war. Er liegt da und denkt: „Was schleppe ich da f?r ein K?stchen, was ist darin? Der Vogel hat mir verboten, es aufzuschlie?en. Ich will doch einmal nachsehen.» Und kurzerhand schlo? er das K?stchen auf und ?ffnete es. Aus dem K?stchen kamen alle m?glichen Insekten geflogen, und darauf kam Gro?vieh: Ochsen und K?he, und es wurde eine so riesige Herde, da? man sie nicht z?hlen konnte; danach breitete sich ein Markt aus, und aller m?glicher Handel wurde getrieben, und die Kaufleute mit den verschiedensten Waren schrien: „Kaufmann, hol dir dein Geld!» Aber ihm stand der Sinn nicht nach Geld, er sa? da und dachte: „Wie soll ich eine so unerme?liche Menge in das K?stchen bringen?» Und er begann bitter-lich zu weinen. „Ich mu? auf der Stelle eines schrecklichen Todes sterben.» Da kommt auf ein¬mal irgendwoher ein alter Mann mit einem gro?en grauen Bart, und seine Nase war aus Gu?eisen. Der fragt: „Warum bist du so betr?bt, guter Mann, und weinst so bitterlich?» — „Wie sollte ich nicht weinen, Gro?vater? Ich habe dieses K?stchen hier vor der Zeit aufgeschlossen, es ist ein Geschenk vom Vogel-Zar, und er hat mir aufgetragen, es erst zu Hause zu ?ffnen. Ich habe es aber nicht ausgehalten, es aufgeschlossen und ge?ffnet. Er hat mir gesagt, wenn du’s aufschlie?t und nicht alles wieder hineintust, wirst du eines schreckli-chen Todes sterben.» — „Was gibst du mir? Ich werde alles einsammeln und in das K?stchen legen.» — „Was du haben willst, das nimm, mir ist nichts zu schade f?r dich.» — „Je nun, ich brauche im ?brigen nicht viel. Gib mir nur das, was du zu Hause nicht kennst.» Der J?ger dachte nach und nochmals nach: „Was ich zu Hause nicht kenne? Alles kenne ich, obwohl ich drei Jahre nicht zu Hause war. Und wenn ich schon etwas nicht ken¬ne, dann ist es nichts Wichtiges.» Und er schrieb ihm ein Papier und sagte: „Mach am kleinen Fin¬ger der rechten Hand einen Schnitt und unterschreibe mit deinem Blut: Ich gebe dir, was ich zu Hause nicht kenne, in f?nfzehn Jahren.» Und der Alte fl?sterte irgend etwas, und alles wurde klein wie ein P?nktchen: Insekten, K?he, Ochsen und Markt — alles ging in das K?stchen hinein. Und der
Zar-Wassermann, das Gro?v?terchen, machte es zu, verschlo? es und gab den Schl?ssel dem J?ger zur?ck. Als der nach Hause kam, war die Freude seiner Frau unbeschreiblich; sie lief ihm mit ihrem drei Jahre alten blonden Jungen entgegen. Da erst entsann sich der J?ger, da? er vergessen hatte, da? er seine Frau schwanger zur?cklie?.
Ein M?rchen ist bald erz?hlt, eine Tat aber in Wirklichkeit nicht bald getan. Ihr Sohn wuchs heran und wurde ein t?chtiger, h?bscher und kluger Bursche. Er lernte lesen und schreiben und ver¬schiedene Sprachen. Und nun waren genau f?nf¬zehn Jahre vergangen, seit der J?ger bei dem Vogel zu Gast gewesen und zur?ckgekehrt war, und es war an der Zeit, Kolja dem Gro?vater Wasser¬mann zu ?bergeben; und die Eltern jammerten um ihn, h?rmten sich und weinten bitterlich. Kolja aber bemerkte ihren Kummer und fragte: „Warum weint ihr, V?terchen und M?tterchen? Was fehlt euch? Es scheint, wir haben alles in F?lle, ihr aber seid, wie ich sehe, traurig und weint immer. Seid ihr vielleicht krank?» Doch sie antworteten ihm: „Das hat nichts auf sich, wir haben nichts Besonderes.» Aber er glaubte ihnen nicht: „Ihr verbergt irgendein Geheimnis vor mir. Wir leiden keine Not. Geld haben wir viel. Nicht nur wir haben ein sch?nes Leben, sondern auch all unsere Nachbarn, sogar die Nachbard?rfer, weil wir niemandem eine Bitte abschlagen, keinem Armen, ihr aber weint und jammert immer!» Und einmal nun, als der Vater nicht da war, fragte Kolja die Mutter. Die Mutter aber konnte nicht mehr widerstehen und sagte ihm das Geheimnis, da? „der Vater dich einem Gro?vater Zar-Wassermann gegeben hat, als er nicht wu?te, da? ich dich habe.» — „Aber warum weint und jammert ihr dann um mich? Das ist eben mein Schicksal. Trockne mir Zwieback, und ich will mich auf den Weg machen. Wo soll ich ihn aber suchen?» Der Vater sagte zu ihm: „Geh nur nach Westen. Er hat mir gesagt, wohin du auch gehst, du gelangst zum Ziel, wohin du auch f?hrst, du gelangst zum Ziel. Und wenn du ihn suchst, wirst du ihn finden.»
Kolja nahm also Abschied von seinen Eltern und machte sich auf, den Gro?vater Zar-Wassermann zu suchen. Ein M?rchen ist bald erz?hlt, aber Kol¬jas Reise ging nicht so bald vonstatten. Schlie?lich aber gelangte er in einen dunklen, undurchdringlichen Wald. Lange ging er durch diesen dunklen tiefen Wald. Als ihm schon alle E?vorr?te ausge¬gangen waren und er solchen Hunger hatte, da? er fast am Umfallen war, sieht er pl?tzlich nicht weit ein Licht. Er ging auf dieses Licht zu, da stand eine H?tte auf H?hnerbeinen und drehte sich mit Blitzesschnelle im Kreise. Er sagt zu ihr: „H?tte, H?tte auf den H?hnerbeinen, stell dich zum Wald mit der Hinterseit und zu mir mit der Vorderseit!» Und die H?tte blieb sogleich stehen. Er geht in die H?tte hinein, darin sa? eine alte, steinalte Baba-Jaga. Sobald die ihn gesehen hat¬te, sagte sie: „Von Menschenfleisch bekommt man nichts zu riechen und nichts zu sehen, jetzt aber ist Menschenfleisch von selbst zu mir ins Haus gekommen. Ich werde dich gleich fressen!» — „Halt ein, alte Kr?te! Ich bin vom Wege staubig, schmutzig und verschwitzt, du kannst an mir er¬sticken. Du solltest aber nicht so mit mir umgehen: solltest mir zuerst zu trinken und zu essen geben und fragen, wohin gehst du, wackerer Held, wohin f?hrt dich dein Weg, gehst du aus ei¬genem Willen oder gezwungen?» Die Hexe wunderte sich ?ber diese furchtlose Antwort und verschonte ihn. Sie gab ihm zu trinken und zu essen und ?ffnete die T?r zum anderen Zimmer, wo es hei? und voller Dampf war. Er wusch sich. Sie gab ihm saubere W?sche, er zog sich um, und darauf sagt sie zu ihm: „Nun, Kolja, du hast es verpa?t, zu deinem Gro?vater Zar-Wassermann zu gelan¬gen. Er war vorgestern bei mir und hat zu Mittag gegessen und nach dir gefragt, ob du vielleicht vorbeigekommen bist.» — „Dann sag bitte, wo wohnt er denn? Ich bin rechtzeitig von zu Hause weggegangen und kann ?berhaupt nicht herausbekommen, wo er wohnt.» — „Ich wei? ja nicht, wo er wohnt, vielleicht wei? es meine ?ltere Schwester.» — „Und wo wohnt deine ?ltere Schwester?» — „Ich gebe dir ein Kn?uel Roll-von-selbst. Wohin es rollt, folge ihm. Wenn du haltmachen mu?t, bleib stehen, und das Kn?uel bleibt auch stehen. Und es wird dich zu meiner ?lteren Schwester f?hren. Weil die aber noch b?ser ist als ich, gebe ich dir ein Taschentuch. Wenn sie ?ber dich herfallen will, dann schwenke dieses Tuch und sage, ich bringe von der Schwester einen Gru? f?r dich und dazu dieses Taschentuch hier.»
Als er zur zweiten Hexenh?tte kam, drehte sich die H?tte genauso wie die erste. Er sagte: „H?tte, H?tte auf den H?hnerbeinen, stell dich zum Wald mit der Hinterseit und zu mir mit der Vorderseit!» Und die H?tte blieb sogleich stehen. Als er in die H?tte hineinkam, sa? da eine alte, steinalte Baba- Jaga und sagte: „Von Menschenfleisch bekommt man nichts zu riechen und nichts zu sehen, jetzt aber ist Menschenfleisch von selbst zu mir ins Haus gekommen. Ich werde dich gleich fressen.» Sie ri? ihren widerlichen schrecklichen Rachen auf und st?rzte sich auf ihn. Aber Kolja schwenkte das Tuch und sagte: „Was tust du, alte Hexe? Ich bringe dir doch von deiner Schwester dieses Tuch hier und einen Gru?, und du willst mich fressen.» Da verschonte ihn die Hexe und sagte: „Du hast den Gro?vater Zar-Wassermann verpa?t. Er hat gestern bei mir Abendbrot gegessen und von dir gesprochen, ob ich dich nicht gesehen h?tte.» — „Sag doch bitte, wo kann ich ihn finden?» — „Ja, das wei? ich nicht, wo er wohnt. Vielleicht wei? es meine ?ltere Schwester.» Kolja dachte: „Gibt es wirklich noch eine ?ltere als dich? Schon du siehst aus wie ?ber neunhundert Jahre.» — „Ich gebe dir ein Kn?uel Roll-von-selbst, folge ihm, es wird dir zeigen, wo meine ?ltere Schwester wohnt. Da sie aber noch b?ser ist als wir, gebe ich dir ein Handtuch. Will’s das Ungl?ck, und sie f?llt ?ber dich her, dann halte in der einen Hand das Taschen¬tuch und in der anderen dieses gestickte Hand-tuch, schwenke die Arme und sage, ich bin gekommen, dir dieses Tuch und dieses Handtuch von deinen Schwestern zu bringen und einen Gru? dazu. Dann wird sie dich verschonen.»
Schlie?lich also kommt er zur dritten Baba- Jaga; deren H?tte drehte sich ebenfalls schneller als der Blitz auf H?hnerbeinen, und er sagte: „H?tte, H?tte auf den H?hnerbeinen, stell dich zum Wald mit der Hinterseit und zu mir mit der Vorderseit!» Und die H?tte blieb sogleich stehen. Als er die H?tte betrat, war niemand in der H?tte. Aber kaum war er drin, da h?rt er pl?tzlich einen unglaublichen Sturm und starken Wind, die B?ume neigten sich bis zur Erde, manche ri? es mit den Wurzeln heraus, manche knickte es um. Und wie ein Sturm kam es in die H?tte geflogen, warf sich auf den Fu?boden und verwandelte sich in eine abscheuliche f?rchterliche Baba-Jaga; die ri? ihren Rachen auf, spreizte ihre Finger mit langen N?geln und wollte Kolja verschlingen; der aber schwenkte beide Arme, in der einen Hand das Tuch und in der anderen das Handtuch, und schrie mit lauter Stimme: „Warum willst du mich fres¬sen? Ich habe dir von der einen Schwester ein Ta¬schentuch gebracht, von der anderen ein Hand¬tuch, und soll von beiden Schwestern gr??en.» Da beruhigte sie sich und sagte: „Kolja, du hast den Gro?vater Zar-Wassermann verpa?t. Er war heute bei mir zum Fr?hst?ck und hat nach dir gefragt.» — „Sag mir bitte, wo wohnt er?» — „Er wohnt von hier noch ein ganz h?bsches St?ck entfernt, aber ich pers?nlich wei? nicht wo. Du mu?t noch durch dreimal neun L?nder ziehen, ins dreimal zehnte Zarenreich, dann siebzehn dunkle tiefe W?lder durchqueren und siebzehn unbesteigbare Berge ?bersteigen und sechzehn schnelle Fl?sse durchwaten, und schlie?lich wirst du zum siebzehnten schnellen Flu? gelangen, an dessen Ufer steht ein Weidenbusch. Um welche Tageszeit du auch dorthinkommst, du mu?t warten, bis es elf Uhr vormittag ist. Um elf werden elf Tauben geflogen kommen, die verwandeln sich in elf sch?ne M?dchen. Du aber bleib hinter jenem Weidenbusch sitzen und r?hr dich nicht, damit sie dich nicht bemerken. Wenn sie gebadet und sich angezogen haben, klopfen sie auf die Erde, verwandeln sich wieder in wundersch?ne Tauben, schwingen sich in die L?fte und fliegen davon; dann kommt die zw?lfte Taube geflogen, wirft sich auf die Erde und verwandelt sich in ein wundersch?nes M?d-chen. Sie wird zweimal am Flu?ufer entlanggehen, sich danach ausziehen, sich ins Wasser werfen und baden. Sie wird sich nicht so sehr waschen als vielmehr untertauchen und unter Wasser schwimmen. Dann sei nicht faul, nimm leise und unbemerkt ihre Kleider und versteck dich schnell¬stens wieder hinter dem Busch. Wenn sie genug gebadet hat, wird sie ans Ufer kommen, ihre Kleider nicht sehen und sagen: ,Wer hat seinen Spa? mit mir getrieben? Bist du ein alter Mann, so sei mein Gro?vater, bist du eine alte Frau, so sei meine Gro?mutter, bist du aber in mittleren Jahren, so sei mein zweiter Vater oder meine zweite Mutter. Wenn du aber in meinem Alter bist, dann sei mein erw?hlter Bruder oder meine erw?hlte Schwester.’ Aber gib die Kleider nicht heraus, ehe sie nicht schw?rt, da? sie dein treues Weib sein wird. Erst dann gib sie ihr, und sie wird sagen, wo Gro?vater Zar-Wassermann wohnt.»
Ein M?rchen ist bald erz?hlt, aber Koljas Reise ging nicht so bald vonstatten, und schlie?lich kam er doch noch an diesen schnellen Flu? und fand den Weidenbusch. Als er sich hinter den Weiden¬busch gesetzt hatte, brauchte er nicht lange zu warten, als er pl?tzlich den Fl?gelschlag der Tauben h?rt; sie kamen herangeflogen, warfen sich auf die Erde und verwandelten sich in elf wundersch?ne M?dchen von unbeschreiblicher Sch?nheit. Sie zogen sich aus, warfen sich ins Wasser und begannen zu baden. Als sie fertig waren mit Baden, zogen sie ihre Kleider wieder an, klopften auf die Erde, verwandelten sich wieder in elf Tauben, schwangen sich in die L?fte und flogen davon. Genau nach einer halben Stunde kam die zw?lfte Taube geflogen, warf sich auf die Erde und verwandelte sich in ein wundersch?nes M?dchen, in ein so sch?nes M?dchen, da? es sich mit Worten nicht sagen und mit der Feder nicht beschreiben l??t, sie war unbeschreiblich sch?n. Kolja hatte viele vornehme Fr?uleins und Photographien gesehen, doch eine derartige Sch?nheit hatte er nirgends angetroffen und noch nicht gesehen, und er dachte: „Sollte ich wirklich ein solcher Gl?ckspilz sein und eine solche Sch?nheit zur Frau haben?» Sie ging zweimal am Flu?ufer auf und ab, ohne Eile, zog sich aus und warf sich ins Wasser. Und sie badete nicht so sehr als da? sie untertauchte und unter Wasser schwamm. Kolja aber sprang in diesem Augenblick hinter dem Busch hervor, ergriff ihre Kleider und versteckte sich hinter dem Weidenbusch. Als sie genug gebadet hatte, kam sie ans Ufer. Da sie ihre Kleider nicht sah, konnte sie nicht aus dem Wasser herauskommen, und sie sagte: „Wer seinen Spa? mit mir getrieben hat, gebt mir bitte meine Kleider!» Aber die Kleider wurden ihr nicht gegeben. Da wiederholte sie noch einmal: „Wer seinen Spa? mit mir getrieben hat, gebt mir bitte meine Kleider! Bist du ein alter Mann, so sei mein Gro?vater, bist du eine alte Frau, so sei meine Gro?mutter, bist du in mittleren Jahren, so sei mein zweiter Vater oder meine zweite Mutter, bist du in meinem Alter, so sei mein erw?hlter Bruder oder meine erw?hlte Schwester.» Doch Kolja gab ihr die Kleider nicht. Da sagte sie: „Gib mir meine Kleider, Nikolaj Iwa-nowitsch, ich schw?re dir, da? ich auf ewig deine treue und verl??liche Frau sein werde, und du sollst auf ewig mein treuer und verl??licher Mann sein.»
Da brachte Kolja die Kleider und legte sie an die Stelle, woher er sie genommen hatte. Als sie angezogen war, rief sie Kolja: „Komm her!» Als er hervorkam, gab sie ihm ihre Hand und dr?ckte die seine kr?ftig, mit dem anderen Arm aber dr?ckte sie ihn an ihre wei?e Brust und gab ihm einen kr?ftigen Ku?. Und er antwortete auf ihren hei¬?en, brennenden Ku? unz?hlige Male. Und bei ihrem Anblick verga? er alles auf der Welt, all seine Leiden, und er sagte: „Hier ist meine Heimat, hier ist mein Gl?ck und mein Vaterland!» Sie aber sagte zu ihm: „Jetzt habe ich keine Zeit, mit dir zu sprechen, sonst k?nnten mein Vater oder meine Schwestern etwas ahnen.» Er hatte sogar vergessen, wohin er wollte, erst beim Abschied fiel es ihm ein, und er fragte: „Wei?t du vielleicht, wo Gro?vater Zar-Wassermann wohnt? Ich mu? zu ihm.» — „Wie sollte ich es nicht wissen, er ist mein leiblicher Vater. Er wohnt an die f?nf Werst von hier, nicht nur er, sondern wir alle zusammen, nur in verschiedenen Schl?ssern. Er wohnt rechter Hand, die elf Schl?sser meiner Schwestern stehen beieinander, mein Schlo? aber, das allersch?nste, steht abseits von den anderen, du wirst es sofort erkennen. Du mu?t aber bis f?nf Uhr abends hierbleiben und p?nktlich um sechs zuerst zu mir kommen, wo ich dich auf der vorderen Schlo?treppe erwarten werde.» Und Kolja erschien diese Zeit l?nger als die ganze Reise, seit er von zu Hause ausgezogen war. So sehr hatte er sich in einem einzigen Augenblick in sie verliebt. Sie sagte ihm aber: „Ich hei?e die sch?ne Nastasja.» Eilig verabschiedete sie sich von ihm, warf sich auf die Erde, verwandelte sich in eine Taube, schwang sich in die L?fte und flog davon. Als er bis f?nf Uhr abends gewartet hatte, rannte er was die Beine hergaben dorthin, wo die sch?ne Nastasja wohnte. Und er erkannte sofort ihr sch?nes, gl?nzendes Schlo?, und sie stand schon auf der vorde¬ren Schlo?treppe, empfing ihn mit einem L?cheln, nahm seinen Arm und f?hrte ihn ins Schlo?. Als sie eingetreten war, ging sie zu einem Tisch, klopfte mit der Hand auf den Tisch, und es erschienen zw?lf Prinzessinnen und fragten sie: „Was befehlt ihr, sch?ne Nastasja?» Sie sagt zu ihnen: „Tragt uns die besten Leckerbissen auf und teure Weine aus dem Ausland, denn ich heirate, damit ich mich nicht sch?men mu?, wenn ich meinen auserw?hlten Br?utigam bewirte.»
Und es erschienen so viele verschiedene Getr?nke und Leckerbissen, da? Kolja zwar schon viel auf der Welt hier und da gesehen hatte, aber so etwas, was hier aufgetragen wurde, hatte er noch nicht gesehen. Und sie begannen zu trinken und zu essen. Danach legten sie sich als Neuverm?hlte unbesorgt zur Ruhe. Am Morgen weckt die sch?ne Nastasja ihren Kolja, der bis zum Morgen nicht geschlafen, sondern sich die ganze Nacht an ihrer Sch?nheit geweidet und erg?tzt hat. Sie sag¬te zu ihm: „Es ist Zeit, zu meinem Vater zu ge¬hen, aber merke dir, f?hr alles aus, was er zu tun verlangt. Verlangt er, da? du Mittag essen sollst, dann i? zu Mittag, verlangt er, da? du ausruhen sollst, dann ruh aus, verlangt er, da? du spazieren gehen sollst, dann geh spazieren, und verlangt er, da? du arbeiten sollst, dann arbeite. Wenn er dir aber zum Ungl?ck eine zu schwere Arbeit gibt, dann komm zu mir!» Er kommt also zum Gro?vater Zar-Wassermann und sagt: „Guten Tag, Gro?vater Zar-Wassermann, ich habe die Ehre, mich bei dir zu melden.» — „Du kommst zu sp?t!» — „Ich habe keine Schuld, Gro?vater Zar-Wassermann, ich bin rechtzeitig von zu Hause weggegangen, aber weil es allzuweit war und ich den Weg nicht wu?te, habe ich dich lange nicht finden k?nnen.» — „Na sch?n, wenn auch mit Versp?tung, so bist du doch gekommen, daher verzeihe ich dir! Setz dich, i? zu Mittag, du bist sicher von der Reise hungrig.» Er gehorchte, aber essen wollte er nicht. Und als der Gro?vater Zar-Wassermann sagte: „Leg dich hin, ruh dich aus!», da war er sehr froh, weil er die ganze Nacht nicht geschlafen, sich an der Sch?nheit der sch?nen Nastasja geweidet und erg?tzt hatte. Als er am Abend aufwachte, sagte Gro?vater Zar-Wassermann zu ihm: „Jetzt wollen wir in meinen Lieblingsgarten spazieren gehen.» Als sie den Garten betraten, da erschien ihm der Garten widerw?rtig und tot. Die B?ume waren vertrocknet. An jedem vertrockneten Baum hing ein menschliches Skelett. Und die Knochen klap¬perten im Wind. Der Garten war ringsum mit ei¬nem Pfahlzaun umgeben, und nur auf zwei Pf?h¬len waren keine Menschenk?pfe. Als sie den Garten verlassen hatten, zeigt Gro?vater Zar Wassermann mit der Hand: „Siehst du dort den Wald?» Kolja sagte: „Ja.» — „Er ist siebzehn De?ja- tinen gro?. Du sollst ihn bis zum Morgen ganz f?llen, das Holz sortieren, die ?ste zusammentra¬gen und verbrennen, die Baumst?mpfe herauszie¬hen, pfl?gen, s?en, Weizen zur Reife bringen, m?hen, dreschen, das Stroh zusammentragen, das Korn mahlen und morgen fr?h zum Fr?hst?ck eine Pirogge backen und mit der hei?en Pirogge zu mir kommen. Und wenn du das nicht tust, so sieh hin, — auf dem Zaun fehlen zwei K?pfe, dann wird dein Kopf hier an diesem Pfahl h?ngen.» — „Wie soll denn ein einziger Mensch das in einer Nacht fertigbringen! Wie soll man denn Getreide in einer Nacht zur Reife bringen!» Ihm schwindelte vor Kummer, er begann bitterlich zu weinen und fiel ohne Besinnung zu Boden. Und er wei? nicht, wie lange er dort gelegen hat, und als er zu sich kam, dachte er: „Ich habe am l?ngsten auf dieser Welt gelebt.» Pl?tzlich aber erinnerte er sich seiner sch?nen Nastasja und dachte: „Ich will gehen und wenigstens ein letztes Mal vor dem Tode von ihr Abschied nehmen.» Er ging und konnte kaum ein Bein vor das andere setzen. Die sch?ne Nastasja aber empfing ihn mit einem L?cheln auf der vorderen Schlo?treppe und sagte zu ihm: „Warum gehst du so sehr traurig und betr?bt, hat dir etwa mein Vater eine zu schwere Arbeit aufgegeben?» — „Er ist nicht wert, da? du ihn Vater nennst, m?ge es ihn in St?cke zerrei?en!» — „Hat er dir vielleicht eine zu schwere Arbeit gegeben?» — „Ja, er hat mir gesagt, ich soll siebzehn De?jatinen Holz f?llen, das Holz sortieren, die ?ste verbrennen, die St?mpfe herausziehen, pfl?gen und Weizen s?en, ihn zur Reife bringen, m?hen, dreschen, das Stroh zusammentragen, das Korn mahlen, eine Pirogge backen und am Morgen mit der hei?en Pirogge zum Tee kommen. Und wenn ich’s nicht tue, dann soll mein Kopf am Zaun h?ngen.» — „Nun, mach dir nichts draus. Der Morgen ist kl?ger als der Abend, und wir beide werden gescheiter sein.» Und sie nahm seinen Arm und f?hrte ihn ins
Schlo?. W?hrend sie zu Mittag a?en und Tee tranken, war es schon zehn Uhr abends geworden. Sie nahm seinen Arm und sagte: „Wir wollen auf die Schlo?treppe hinausgehen.» Als sie auf der Schlo?treppe waren, holte sie ein Pfeifchen aus der Tasche und pfiff, da kam pl?tzlich eine unz?hlbare Menge herbeigeflogen und stellte sich regimenterweise vor ihr auf. Als sie sich aufge¬stellt hatten, fragten sie: „Was befehlt Ihr uns zu tun, sch?ne Nastasja?» — „Seht dort die siebzehn De?jatinen Wald! Einige von euch m?ssen ihn f?l¬len, andere die ?ste verbrennen, andere das Holz sortieren, andere pfl?gen, andere die St?mpfe herausziehen, andere s?en, andere den Weizen zum Wachsen bringen, andere gie?en, andere m?hen, das Stroh zusammentragen, den Weizen dreschen und mir das Mehl bis zw?lf Uhr bringen, damit ich den Teig anr?hren kann, damit meine Pirogge zum Morgen gut gelingt. Marsch, an die Arbeit! Und wenn ihr das nicht tut, dann bade ich euch alle in Weihwasser.» Und sie flogen davon, stie?en einander in die Seiten, flogen davon, da? die Fun¬ken von ihnen nur so spr?hten, gr?ne, blaue und rote, fliegen und sagen: „Weswegen uns diese Strenge? Da haben wir doch ganz andere Dinge vollbracht. Das ist ja keine Arbeit, das ist Spielerei! Und niemals sonst hat sie dieses Wasser erw?hnt.» Das war f?r sie das allerh?chste Strafma?. Und es war noch keine Stunde vergangen, als sie ihr schon das Mehl brachten. Am Morgen weckt sie ihren Kolja und sagt: „Es ist Zeit, zu gehen und meinem Vater die hei?e Pirogge zu brin¬gen. Wenn er dir aber etwas sagt, dann wirf ihm kurzerhand die hei?e Pirogge ins Gesicht.» Er nahm die Pirogge und ging. Um diese Zeit aber setzte sich Gro?vater Zar-Wassermann gerade zum Tee, und er sagte: „Bist ein t?chtiger Kerl, Kolja, doch ich sehe, da? du das nicht mit eigenen H?nden vollbracht hast.» Da holte Kolja aus und schleuderte ihm die Pirogge ins Gesicht, so da? sie auseinanderbrach und die St?cke ?ber den Fu?boden flogen. Gro?vater Zar-Wassermann aber las alle St?cke auf und verschlang sie wie ein hungriger Wolf. Als er sich ausgeruht hatte, sagt er zu ihm: „Hebe rings um mein Schlo? einen See aus, in die L?nge wie in die Breite achtzehn Werst, und f?lle ihn mit Wasser, so da? auf die¬sem See nicht nur einfache, sondern auch Seeschiffe fahren k?nnen. Und in der Mitte des Sees sollst du eine kristallene Br?cke mit vergoldetem Gel?nder bauen, und alle drei Saschen einen Obstbaum pflanzen, so da? der eine Baum bl?ht und am anderen die ?pfel wachsen, nicht einfache ?pfel, sondern goldene. Und unter jedem Baum sollst du eine Quelle mit Quellwasser graben, da-mit ich etwas zum Waschen und zum Trinken habe, wenn’s das Ungl?ck will und ich beim Spazierengehen in Schwei? gerate. Und wenn du das zum Morgen nicht fertig hast, wird dein Kopf an diesem Zaunpfahl h?ngen.» Kolja dachte nach und begann bitterlich zu weinen. „Wie soll man denn das in einer Nacht schaffen k?nnen!» Doch ging er in Tr?nen zu seiner sch?nen Nastasja, die ihn schon auf der Schlo?treppe erwartete. „Warum bist du so sehr traurig, Kolja? Hat dir mein Vater vielleicht eine zu schwere Arbeit aufgegeben?» — „Nenn diesen Auswurf nicht Vater, m?ge es ihn St?cke rei?en oder m?ge ihn der Donner erschla¬gen!» — „Warum so unfreundlich? Hat er dir etwa eine zu schwere Arbeit aufgegeben?» — „Er hat mir gesagt, ich soll rings um sein Schlo? einen See ausheben, in die L?nge wie in die Breite achtzehn Werst, und ihn mit Wasser f?llen, so da? auf ihm nicht nur einfache, sondern auch Seeschiffe fahren k?nnen, und in der Mitte des Sees soll ich eine kristallene Br?cke mit vergoldetem Gel?nder bau¬en und alle drei Saschen Obstb?ume pflanzen, so da? der eine Baum bl?ht und auf dem anderen goldene ?pfel wachsen, und unter jedem Baum soll ich eine Quelle mit Quellwasser graben, und wenn du das zum Morgen nicht fertig bringst, dann wird dein Kopf am Zaunpfahl h?ngen.» — „Nun, mach dir nichts draus, der Morgen ist kl?ger als der Abend, und wir beide werden gescheiter sein; jetzt aber komm Mittag essen und Tee trinken.» Als sie fertig waren mit Teetrinken, war es zehn Uhr abends. Sie nahm seinen Arm und sagte: „Wir wollen auf die Schlo?treppe gehen.» Sie pfiff in ihr Pfeifchen, da kam eine un?bersehbare Menge, ein riesiger Haufen herbeigeflogen und fragt: „Was befiehlst du uns zu tun, sch?ne Nastasja?» Sie sagte zu ihnen: „Ihr m??t am gro?en Schlo? einen See ausheben und mit Wasser f?llen und Seeschiffe mit Besatzung darauf setzen und in der Mitte eine kristallene Br?cke mit vergoldetem Gel?nder bauen und Obstb?ume pflan¬zen, so da? der eine Baum bl?ht und am anderen goldene ?pfel wachsen, und unter jedem Baum eine Quelle mit Quellwasser graben. Denkt aber daran, wenn ihr das alles gemacht habt, dann treibt am Ende des Gel?nders den letzten Nagel bis zur H?lfte hinein und legt neben ihn einen Hammer von gew?hnlichem Gewicht, so da? ein gew?hnlicher Mensch mit ihm h?mmern kann. Marsch, an die Arbeit! Und wenn ihr das nicht tut, dann bade ich euch alle in Weihwasser!» Und sie flogen davon, stie?en einander in die Seiten und stritten untereinander: „Was sind das f?r strenge Worte? Wir haben ganz andere Dienste f?r sie ge¬leistet, aber so heftige Worte haben wir nie von ihr zu h?ren bekommen.» Es ist das aber f?r sie die allerh?chste Strafe, wenn sie einen badet, dann ist er gleich tot. Und es war noch keine Stunde vergangen, als sie schon mit der Meldung geflogen kamen, da? die Br?cke und alles fertig ist. Da weckt sie Kolja zeitig in der Fr?he und sagt: „Geh, Kolja, es ist schon Zeit f?r dich zu ge¬hen, sonst wirst du die Br?cke nicht rechtzeitig ?berqueren. Wenn du zum Ende des Gel?nders kommst, wirst du dort einen Hammer von ge¬w?hnlichem Gewicht liegen sehen, den mu?t du in die H?nde nehmen und warten, bis mein Vater, Gro?vater Zar-Wassermann, erscheint.» Als er hinkam und gerade den Hammer ergriffen hatte, sieht er pl?tzlich Gro?vater Zar-Wassermann auf einem Feuerwagen einherjagen, und er schreit ihm zu: „He, Gro?vater Zar-Wassermann, fahre nicht weiter, die Br?cke ist noch nicht fertig.» Und im Nu war er schon bei Kolja; Kolja aber schlug in diesem Augenblick mit dem Hammer auf den Na¬gel, und der Nagel fuhr bis zum Ende hinein. Kolja aber sagte unterdessen: „Fuh! Wie bin ich m?de!» Gro?vater Zar-Wassermann kletterte vom Wagen und sagte: „Bist ein t?chtiger Kerl, Kolja, doch ich sehe, da? du das nicht mit eigenen H?nden voll-bracht hast.» — „Nun, alter Griesgram, alles ist dir nicht recht und nicht gut genug.» Und er lief mit dem Hammer in H?nden zu ihm hin, holte mit al¬ler Jugendkraft, die er besa?, aus und schlug ihn auf die Nase, da? die Funken spr?hten. Aber Gro?vater Zar-Wassermann sagte: „Genug des Spielens und Scherzens, du bist noch jung, ich aber bin schon zu alt, mir ist nicht nach Spa?en zumute.» Da dachte Kolja: „Ich habe ihn totschlagen und seinen Sch?del in tausend St?cke zertr?mmern wollen, er aber denkt, ich mache ein Spiel mit ihm.» Gro?vater Zar-Wassermann setzte Kolja in den Feuerwagen, und sie fuhren ins Schlo?. Als sie zu Mittag gegessen und sich ausgeruht hatten, sagte er zu Kolja: „Du sollst mir bis zum Morgen mein Lieblingspferd zureiten, es steht hinter zw?lf gu?eisernen T?ren und ist mit zw?lf starken Ketten angeschmiedet. Es hat seit seiner Geburt das Tageslicht noch nicht gesehen und wei? nicht, da? es au?er ihm noch ein Lebewesen auf der Welt gibt.» Da geht Kolja fr?hlich zu seiner sch?nen Nastasja. Die sch?ne Nastasja aber emp¬f?ngt ihn auf ihrer Schlo?treppe und fragt: „War¬um bist du heute so sehr lustig, Kolja? Hat dir mein Vater etwa eine leichte Arbeit aufgegeben?» — „Ja!» — „Und was hat er dir aufgegeben?» — „Er hat gesagt, ich soll den Hengst zureiten, der noch nie das Licht des Tages gesehen hat.» — „Heute gerade solltest du weinen, du hast allen Grund dazu. Jene Aufgaben waren keine Aufgaben, das aber ist eine Aufgabe, das betrifft uns beide per¬s?nlich, unsere H?nde. Nimm hier die drei Nadeln, geh in die Schmiedewerkst?tten, la? aus der ersten Nadel eine Peitsche von einhundert Pud schmieden, aus der zweiten Nadel einen Zaum von dreihundert Pud und aus der dritten Nadel einen Sattel von sechshundert Pud.» Als Kolja in die Schmiedewerkst?tten kam und die Nadeln hingab und sagte, man soll ihm diese Dinge schmieden, lachten die Schmiede ihn aus, be¬schimpften ihn und stie?en ihn hinaus, und er kam in Tr?nen zur sch?nen Nastasja zur?ck. Die fragte ihn: „Warum kommst du und weinst?» — „Deine frechen Diener haben mich beinah verpr?¬gelt und mich hinausgesto?en.» Kolja tat ihr leid, und mit schnellen Schritten ging sie mit ihm in die Schmiede-Werkst?tten. „Welches Recht habt ihr, meinen treuen Diener zu kr?nken und zu beleid¬gen?» So unertr?glich leid tat ihr Kolja. „Und was sagt denn er? Kann man etwa aus einer Nadel solche Dinge schmieden?» — „Nun, nat?rlich kann man das; nehmt die Zange und steckt sie wie ge¬w?hnliches Eisen ins Schmiedefeuer, und es wird ein St?ck Stahl daraus, aus dem ihr ohne weiteres diese Dinge schmieden k?nnt.» Als sie die Nadeln ins Schmiedefeuer steckten, nahmen die Nadeln an Gr??e zu, und wirklich schmiedeten sie die
Peitsche, den Zaum und den Sattel. Sie sagte zu Kolja: „Nimm die Peitsche!» Aber er konnte sie nicht aufheben, ja er konnte sie nicht einmal auf der Erde von der Stelle bewegen. Da nimmt sie alle drei Dinge auf den Arm, und sie gingen an die Stelle, wo unter der Erde der Hengst stand. Als sie die erste schwere Gu?eisent?r aufgebrochen hatten, sp?rte das Pferd: „Ich bin also nicht allein, es gibt ein Lebewesen auf der Welt, es gibt noch jemanden.» Und es ri? so stark, da? es alle zw?lf Eisenketten zerri? und die Gu?eisent?ren zerbrach und ins Freie rennen wollte, als die sch?ne Nastasja es so heftig zwischen die Ohren auf den Kopf schlug, da? das Pferd in die Knie ging, und sie warf ihm den Zaum ?ber den Kopf und legte ihm den Sattel auf den R?cken, sprang selbst auf das Pferd und jagte los ?ber den lockeren Sand durch die Steppe. Wie sehr das Pferd auch sprang und rannte, die sch?ne Nastasja schlug es erbarmungslos mit der hundert Pud schweren Peitsche, da? das Fleisch st?ckenweise auf die Erde fiel und nur die Haut an ihm blieb und die nackten Kno¬chen. Als es am Ende seiner Kr?fte war, legte sie ihm einen einfachen Zaum an und legte einen gew?hnlichen Sattel auf seinen R?cken, gab Kolja ein gew?hnliches Tauende, setzte ihn auf den Sattel und sagte: „Nimm, und jetzt reite! Und wenn mein Vater herauskommt und dich beschimpft, dann spring aus dem Sattel und schlag das Pferd aus aller Kraft mit der Peitsche. Das Pferd, sobald es merkt, da? kein Reiter auf ihm ist, wird ?ber die Steppe jagen. Meinem Vater aber wird es leid um das Pferd sein, er wird ihm nachsetzen, du aber komm schnell zu mir gelaufen!» Und kaum hatte er sich auf das Pferd gesetzt und den Hof noch nicht ?berquert, da erschien Gro?vater Zar Wassermann bei Kolja. „Ach, du Lumperkerl, warum hast du mein Lieblingspferd so zuschanden geschlagen? Hei?t das etwa zureiten? Daf?r werde ich dir’s zeigen.» Aber Kolja sagte zu ihm: „Dir ist alles nicht recht und nicht gut genug.» Und er sprang aus dem Sattel und schlug das Pferd aus aller Kraft mit der Peitsche. Und das Pferd, sobald es sah und merkte, da? kein Reiter auf ihm war, jagte wie ein Sturmwind ?ber die Steppe. Gro?va¬ter Zar-Wassermann aber hatte keine Zeit, mit Kolja abzurechnen, er rannte hinter dem Pferd her. Und Kolja ging zu seiner sch?nen Nastasja. Die sagte zu ihm: „Wir beide k?nnen hier nicht mehr bleiben. Jetzt hat mein Vater alles erfahren, wie es ist. Wir m?ssen jetzt fortziehen, in deine teure, liebe Heimat zu deinen Eltern, und dort werden wir in Ruhe leben.» Da erst erinnerte sich Kolja seiner Eltern. Bis dahin hatte er beim Anblick der sch?nen Nastasja seine teure Heimat und seine Eltern vergessen. Und er freute sich sehr, da? er seine Eltern wiedersehen w?rde. Und sie brachen auf und machten sich auf den weiten Weg. Und sie gingen also kurze oder lange Zeit, nah oder fern, und sie sagt: „Sieh mal nach und leg dich auf die Erde und h?re, ob nicht die Verfolger hinter uns her sind.» Er sah nach, legte sich auf die Erde, stand auf und sagte: „Ich h?re nichts und sehe nichts.» Sie legte sich auf die Erde und sagte: „Dicht hinter uns sind die Verfolger. Ich werfe mich auf die Erde und werde zu einer Herde Ferkel, wirf auch du dich auf die Erde, und du wirst zu einem Schweinehirten. Es wird eine wilde Troika gefahren kommen, und die Leute darin werden fragen: ,He, Schweinehirt! Hast du vielleicht gesehen, ob hier ein Kavalier mit seinem Fr?ulein vorbeigekommen ist?’ Du aber antworte, da? du nichts gesehen und nichts geh?rt hast.» Sie warfen sich also auf die Erde, sie wurde zu einer Schweineherde und er zu einem Schweinehirten. Und sie hatten dies kaum getan, da kommt eine wilde Troika angejagt, und sie fra¬gen: „Schweinehirt, hast du vielleicht gesehen, ob hier ein Kavalier mit seinem Fr?ulein vorbeigekommen ist?» — „Nein, ich habe nichts gesehen und nichts geh?rt.» Die Verfolger fuhren weiter, sie aber warfen sich auf die Erde und wurden, was sie fr?her gewesen waren. Die Troika aber fuhr noch eine gewisse Strecke, dann kehrte sie zum Gro?vater Zar-Wassermann zur?ck. Und Gro?vater Zar-Wassermann fragt sie: „Nun, habt ihr sie eingeholt?» — „Nein, wir haben sie nicht eingeholt und nichts gesehen au?er einem Schweinehirten, der h?tete seine Schweineherde.» — „Ach ihr Dummk?pfe, ihr Satanskerle! Die h?ttet ihr pak¬ken m?ssen, das sind sie. Fahrt jetzt los, und was immer euch auf dem Weg begegnet, merkt euch, das sind sie.» Die sch?ne Nastasja sagt zu ihrem Kolja: „H?r, Kolja, sieh mal nach und leg dich mit dem Ohr auf die Erde, ob die Verfolger hinter uns her sind.» Kolja lauschte ein wenig und sagte: „Ich h?re niemanden und sehe nichts.» Sie legte sich auf die Erde und sagte: „Dicht hinter uns sind die Verfolger. Ich werfe mich auf die Erde und werde zu einer Kirche, und du wirfst dich auf die Erde und wirst zum Kirchendiener. Sie werden aber nicht merken, da? es keine richtige Kirche ist, ohne Glocken und Heiligenbilder, und sie werden Angst haben, sich der Kirche zu n?hern.» Und sie warf sich auf die Erde und verwandelte sich in eine Kirche, und er warf sich auf die Erde und verwandelte sich in einen Kirchendiener.
Und kaum hatten sie dieses St?ckchen voll¬bracht, da kommt pl?tzlich eine wilde Troika angejagt, macht gegen?ber der Kirche halt und schreit: „He, Kirchendiener, hast du vielleicht gesehen, ob hier ein Kavalier mit seinem Fr?ulein vorbeigekommen ist?» — „Nein, ich habe nichts gesehen.» Und sie fuhren noch eine gewisse Strecke und kehrten dann um. Sie aber klopften auf die Erde, wurden, was sie fr?her gewesen waren, und zogen weiter. Als die Verfolger zu Gro?¬vater Zar-Wassermann kamen, fragt Gro?vater Zar-Wassermann sie: „Nun, habt ihr sie eingeholt und mitgebracht?» — „Nein, wir haben sie nicht mitgebracht und niemanden eingeholt und nichts gesehen, nur eine Kirche haben wir gesehen und den Kirchendiener.» — „Ach ihr Dummk?pfe, ihr Satanskerle, das sind sie, die h?ttet ihr packen m?ssen.» — „Wie konnten wir uns denn der Kirche n?hern, sie hat Glocken und Heiligenbilder.» — „Ach ihr Dummk?pfe, ihr Satanskerle, es ist eine falsche Kirche, ohne Glocken und Heiligenbilder.
Nein, ich sehe schon, ihr holt sie niemals ein. Ich mu? selber nach — auf dem Springer, der dreibenigen Stute.» Und Gro?vater Zar-Wassermann ritt auf seiner dreibeinigen Stute davon, die mit einem Satz dreihundert Werst zur?cklegte.
Die sch?ne Nastasja sagte zu Kolja: „Leg dich doch mal auf die Erde und lausche und sieh nach, ob die Verfolger hinter uns her sind.» Kolja sah nach, legte sich mit dem Ohr auf die Erde und sagte: „Ich h?re nichts und sehe nichts.» Darauf legte sie sich auf die Erde und sagte: „Dicht hinter uns sind die Verfolger, und mein Vater selbst jagt uns nach, und vor ihm kann man sich nicht verbergen. Ich werfe mich auf die Erde und werde zu einem gro?en See, und du wirfst dich auf die Erde und wirst zu einem Barsch, er aber wird uns gewi? einholen, sich auf die Erde werfen und in einen Hecht verwandeln, und er wird dich jagen, um dich zu verschlingen. Du aber pa? auf und sei auf der Hut, halt ihm nicht deinen Kopf hin, sondern halt deinen Schwanz hin, gegen die Wolle kann er einen Barsch nicht verschlingen. Jetzt h?ngt alles von dir ab, und wenn du nicht aufpa?t, sind wir beide verloren.» Und sie warf sich auf die Erde und verwandelte sich in einen riesigen See. Er aber warf sich auf die Erde und verwandelte sich in einen Barsch. Und Gro?vater Zar Wassermann kam auf dem Springer, seiner Stute, angeritten, warf sich auf die Erde, verwandelte sich in einen Hecht und jagte dem Barsch nach. Und als er ihn gerade verschlingen wollte, hielt der ihm den Schwanz hin, und an ein Verschlin¬gen war ?berhaupt nicht zu denken. Drei Tage und drei N?chte jagte der Hecht den Barsch, aber verschlingen konnte er ihn nicht, immer hielt der Barsch seinen Schwanz hin. Da war Gro?vater Zar-Wassermann ganz ersch?pft und am Ende seiner Kraft, und er sagte mit drohender Stimme: „Du, meine liebe und abscheuliche Tochter, daf?r sollst du drei Jahre ein Salzsee sein.» — „Und du selbst sollst f?r diese Gemeinheit und Bosheit drei Jahre lang eine Salzs?ule sein. Du aber, Kolja, du hast keinerlei Schuld, geh nach Hause, aber denke an den Eid, den du mir geschworen hast, heirate drei Jahre lang keine andere, und in drei Jahren komme ich zu dir.» Und Kolja schwamm zum Ufer, warf sich auf die Erde und wurde, was er fr?her gewesen war. Am ersten Dorf angekommen, mietete er eine Posttroika und jagte davon in seine liebe Heimat.
Es ist ganz unm?glich, zu erz?hlen oder auch nur zu beschreiben, wie Mutter und Vater ihren lieben Sohn empfingen, den sie schon l?ngst tot geglaubt hatten. Und sie f?hrten ein sehr sch?nes Leben, und ihr Lob war in aller Munde. Und nicht nur sie lebten in Reichtum, sondern auch die ganze Umgebung. Wer immer mit N?ten und Bitten zu ihnen kam, sie halfen allen. Und das Geld wurde bei ihnen nicht weniger, sondern mehr.
Und es vergeht also ein Jahr, es vergeht auch das zweite, und es kommt das letzte und dritte. Doch Koljas Eltern reden die ganze Zeit: „S?hnchen, du mu?t heiraten, solange wir noch leben, wir m?chten wenigstens noch sehen, wie du mit deiner jungen Frau leben wirst.» Er aber schlug es immer mit Bestimmtheit ab und sagte: „Die Zeit ist noch nicht gekommen, la?t mir noch meine Freiheit; ich werde noch lange genug verheiratet sein.» Weil ihm aber diese drei Jahre wie eine ganze Ewigkeit vorkamen, dachte er, es seien nicht erst drei Jahre, sondern ganze neun vergangen, und er beschlo?, ein sch?nes M?dchen zu heiraten; mit der feierten sie und waren lustig, machten Polterabende und freiten etwa drei Monate.
Und es war schon eine besondere Kirche f?r sie gebaut worden, damit sie in der N?he ihres Hauses getraut werden konnten. Weil die Braut weit weg wohnte, mu?te sie mit ihrem Gefolge allein gefahren kommen. Und als die Braut angekommen war, feierten sie ihre letzten Stunden und den Abend bei Kolja, dann aber sollten sie zur Trauung gehen; da kommt auf einmal zu seiner Taufmutter ein altes, steinaltes Weib auf zwei Kr?cken gegangen, mit schrecklichen Hauern, wie bei einem Wildschwein, und bittet um ein Nachtlager.
Die Taufmutter antwortet ihr: „Ich lie?e dich ?bernachten, aber ich will gerade zur Hochzeit gehen, mein Patenkind Kolja verheiraten. Und zu Hause bleibt niemand zur?ck, weil ich allein wohne.» — „Nun, das macht doch nichts, mein M?tterchen, ich werde dir nichts wegnehmen, denn ich bin viel zu m?de. Sperre mich mit starken Schl?ssern ein, ich werde mich auf den Ofen legen und bis zum Morgen schlafen.» Und sie lie? sie bei sich ?bernachten und gab ihr zu essen, was sie gerade da hatte. Die Alte aber a? und legte sich auf den Ofen schlafen. Und die Taufmutter machte sich fertig, zur Hochzeit zu gehen. Die Alte auf dem Ofen sagt zu ihr: „Werden bei euch auf den Hochzeiten auch Zauberst?ckchen gemacht?» — „Was f?r Zauberst?ckchen? Wir sind Dorfleute und kennen nichts.» — „Dann gib mir ein St?ckchen Teig, ich werde dich ein Zauberst?ckchen lehren.» Und die Taufmutter kratzte im Backtrog ein St?ckchen Teig zusammen, und sie rollte es zu einer Kugel, wie ein Ei, dann brach sie’s in zwei H?lften und rollte zwei Kugeln.
„Siehst du jetzt hier diese zwei Kugeln?» — „Ja.» Und sie warf sie auf den Tisch, da standen pl?tzlich eine Ente und ein Enterich da, keine einfa¬chen, sondern Schwanz und Schnabel aus Gold. Und sie laufen auseinander zu den entgegengesetzten Tischenden, drehen sich gleichzeitig um, laufen in der Mitte des Tisches wieder zusammen und schlagen Schnabel gegen Schnabel. Die Ente sagt: „Wie?», und der Enterich sagt: „Wie du willst.»
„Da hast du ein Zauberst?ckchen! Geh hin und zeig’s!»
Darauf nahm sie Ente und Enterich, warf sie auf den Tisch, und sie wurden wieder zwei Teigkugeln. Sie nahm diese zwei Kugeln, wickelte sie in ein Tuch, steckte sie in die Tasche und ging zur Hochzeit. Als sie hinkam, feierten die G?ste schon, tanzten, a?en und tranken. Und sie feierte ebenfalls mit ihnen und verga? ihr Zauberst?ck¬chen. Vater und Mutter aber sagten:
„Nun, genug gefeiert, es ist Zeit, Kinder, euch den Segen zu geben.» Und sie riefen beide zur Kniebank und nahmen Heiligenbilder zum Segnen in die H?nde. Da erst dachte die Taufmutter wieder an ihr Zauberst?ckchen und sagte: „Wartet ein wenig, ich will euch ein Zauberst?ckchen zei¬gen.» Da sagten Koljas Eltern zur Taufmutter: „Hast du etwa nicht genug Zeit gehabt, dein Zauberst?ckchen zu zeigen? Auf was f?r Einf?lle kommst du noch!» — „Nein, bitte, la?t mich, ich zeige es euch jetzt gleich.» — „Du kannst es doch zeigen, wenn sie getraut worden sind und wieder feiern und lustig sind.» Doch das fr?hliche Publikum war schon angeheitert und bat, mit dem Segnen zu warten: „Soll sie uns ihr Zauberst?ck¬chen zeigen!» Und die Taufmutter ging zum Tisch, holte aus der Tasche die Teigkugel und sagte: „Seht ihr hier die Teigkugel?» — „Ja!» Sie brach sie in zwei Teile, rollte zwei Kugeln und zeigte sie. „Seht jetzt hier die zwei Teigkugeln!» — „Na und? Was weiter?» — „Pa?t nur auf!» Und sie warf die Kugeln auf den Tisch, da standen auf einmal eine Ente und ein Enterich da, keine einfachen, Schwanz und Schnabel aus Gold. Und sie laufen auf dem Tisch auseinander, der eine an das eine Tischende, der andere ans andere, drehen sich gleichzeitig um, laufen in der Mitte des Tisches wieder zusammen und schlagen Schnabel gegen Schnabel. Die Ente sagt: „Wie?» Und der Enterich sagt: „Wie du willst.» Dem Br?utigam ist, als h?tte ihn jemand mit Nadeln in den Hintern gestochen, er springt auf, l?uft von seiner Braut weg und fragt die Taufmutter: „Taufmutter, wer hat dich dieses Zauberst?ckchen gelehrt?» — „Bleib du ru¬hig auf deinem Platz neben der Braut sitzen. Ich kenne es selber.» — „Nein, das hat dich jemand gelehrt.» — „Bleib doch neben deiner Braut sitzen!» — „Sag mir, wer es dich gelehrt hat. Und wenn du’s nicht sagst, nehme ich den Segen nicht an.» Da sagte die Taufmutter: „Zu mir ist eine Alte auf zwei Kr?cken gekommen und hat mich dieses Zauberst?ckchen gelehrt.» — „Nun, dann geh schnell zu ihr und bring sie schnell hierher auf die Hochzeit!» — „Sie ist so alt und m?de, da? sie wahrscheinlich nicht kommen wird.» — „Wenn du sie bittest, wird sie kommen, wenn du aber nicht gehst, dann geh ich selber und hole sie.» Und er wollte schon aufbrechen. Da sagte die Taufmutter zu ihm: „Setz dich auf deinen Platz neben der Braut, ich gehe nach der Alten.» Als die Taufmutter nach Hause kam, lud sie die Alte zur Hochzeit ein und sagte zu ihr: „Bitte komm, der Br?utigam bittet dich zur Hochzeit.» — „Ach, wo denkst du hin, meine Ern?hrerin, was bin ich f?r ein Hochzeitsgast. Ich bin so m?de, da? ich froh bin, mich auf dem Ofen ausruhen zu k?nnen, und au?erdem bin ich schon zu alt.» — „Nein, sei so gut, komm! Der Br?utigam ist n?mlich wie von Sinnen, er wollte selber laufen, dich zu holen, und will den Segen der Eltern nicht annehmen, ehe er dich nicht selber gesehen hat.» — „In diesem Falle mu? ich wohl gehen.» Die Alte war aber ganz zerlumpt, und der blaue Sarafan an ihr bestand aus lauter Flicken. Sie nahm die zwei Kr?cken an die Brust, die Taufmutter fa?te sie unter die Arme und f?hrte sie auf die Hochzeit. Und kaum hatten sie das Haus betreten, da sah sie der Br?utigam und st?rzte der Alten in die Arme, und er begann sie zu umarmen und zu k?ssen und sagte: „Woher bist du gekommen, meine sch?ne, langerwartete Braut?» Da erstarrten die Leute und alle G?ste vor Verwunderung und standen wie versteinert. Vater und Mutter aber sagen: „Sohn, wie kann sie deine Braut sein, sie ist doch mehr als siebenhundert Jahre alt, und du erst dreiundzwanzig. Sie ist f?r dich keine Gro?mutter mehr, sondern eine Urgro?mutter.» — „Nein, da l??t sich nichts machen, das ist wohl mein Los. Sie hat mich vor dem gewissen Tod errettet. Und wenn sie nicht gewesen w?re, dann weilte ich schon lange nicht mehr un¬ter den Lebenden. Nicht ich bin hier schuld, sondern ihr selber, und ich habe mich eurer elterlichen Gewalt gef?gt. Und deswegen bitte ich und verlange, mich mit ihr zu segnen.» Da sagten die Eltern zu der Alten: „Vielleicht willst du ihn nicht zum Manne haben. Gro?m?tterchen, weil du gar zu alt bist, und er jung, und du bald sterben wirst?» — „I wo, meine Besten, und wenn er wenigstens einen Tag mir geh?rt. Ich will mit dem jungen Burschen leben.» — „Vielleicht nimmst du ein Abstandsgeld, Gro?m?tterchen, wir geben dir, soviel du willst: Gold, Silber oder Edelsteine.» Sie sagte zu ihnen: „Ich brauche nicht allzuviel.» Mit den Kr?cken zog sie Kolja heran, nahm ihn auf ihre Arme und sagte: „Mehr brauche ich nicht, nur diese eine Last hier.» Da sehen Koljas Eltern, da? nichts sie auseinanderbringen kann, und sie sagten, wenn auch sehr widerwillig: „Nun gut, stellt euch unter unseren elterlichen Segen. An diesem Leid seid ihr selber schuld.» Und sie nahmen ein Heiligenbild, um den Segen zu erteilen. Es waren aber viele G?ste da, und als die h?rten, da? eine andere Braut aufgetaucht war, kam das ganze Haus herbeigelaufen, um zuzusehen, so da? auch das junge Paar gedr?ckt wurde. Die Alte aber schwang ihre Kr?cken und sagte zu den Leuten: „Ihr habt mich gedr?ckt, macht etwas Platz, ich bin alt und k?nnte sonst hinfallen, weil meine alten Beine mich schlecht tragen.» Die Leute machten etwas Platz. Und die Alte warf sich auf den Fu?boden und verwandelte sich in eine so wun-dersch?ne Jungfrau, da? es sich weder mit Worten sagen noch mit der Feder beschreiben l??t, von so unbeschreiblicher Sch?nheit. Und neben ihr stehen zw?lf Prinzessinnen und halten ihr Brautkleid und ihre Toiletten. Da sagt der Sohn zu seinen Eltern: „Seht euch jetzt meine sch?ne Na- stasja hier an und vergleicht sie mit dieser meiner Braut. Sind sie sich etwa gleich?» Die erste Braut aber war ihr gegen?ber nicht einmal den kleinen Finger wert. Da stellten die Eltern, statt sie zu segnen, das Heiligenbild auf seinen Sims, warfen sich der sch?nen Nastasja zu F??en und baten um
Vergebung und Verzeihung f?r die Kr?nkung. Sie vergab ihnen und sagte: „Das ist f?r mich schon nichts Neues mehr und geschieht nicht das erstemal.» Und Kolja sagte zu seinem treuen Freund: „Nimm du meine erste Braut zur Frau, denn sie ist h?bsch.» Und die Braut liebte auch Koljas Freund und wu?te, da? er genauso reich ist wie Kolja, und sie war gern einverstanden. Die Eltern gaben ihnen ihren Segen. Und danach wurden sie getraut und gaben ein Fest f?r alle Welt, und die zwei Paare lebten von nun an in Liebe und Eintracht. Auch mich luden sie zum Fest ein, ich trank Bier und Wein, ist alles um den Bart geronnen, der Mund hat nichts abbekommen.

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