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Der Soldat im Jenseits

In vergangenen Zeiten n?mlich dienten die Soldaten f?nfundzwanzig Jahre. Es ging einer als Junger fort und kam erst als Alter wieder. Nun, wie man so sagt, in f?nfundzwanzig Jahren hat der Soldat mancherlei gelernt und nicht wenig hinter sich gebracht. Und nun kommt also f?r ihn die Zeit, nach Hause zu gehen. Da sagt der Offizier zum Soldaten:
„Du hast dem Zaren treu gedient», sagt er, „und jetzt ist die Zeit herum, und es ist Befehl, dich nach Hause zu entlassen. Der Kaiser gibt dir einen leeren Brotbeutel und f?nfundzwanzig Kopeken Reisegeld.»
Der Soldat denkt bei sich: „Nun, da habe ich also in f?nfundzwanzig Jahren f?nfundzwanzig Kopeken und einen leeren Brotbeutel verdient. Was werde ich nun unterwegs anfangen? Ich werde um Gotteslohn betteln m?ssen.» Nun, als der Soldat seine Papiere schon bekommen hatte, die f?nfundzwanzig Kopeken und einen alten, uralten Brotbeutel, nur noch zum Wegwerfen, nun, auch das ist ein Verdienst, hing er ihn kurzerhand um, legte zweimal W?sche in seinen Tornister und machte sich auf den Weg. Er geht einen Tag, geht zwei, geht drei — da ist er mit allem am Ende und hat auch das Geld ausgegeben. Was ist das schon f?r Geld? Er hat Tabak gekauft, Seife, und damit Schlu?. „Was soll ich jetzt anfangen?» denkt er. „Bis nach Hause ist es noch weit.» Fr?her gab es keine Z?ge und auch keine Autos — nichts. Nun, er mu?te also zu Fu? gehen, zu Fu? aber sind es mindestens an die sechs Monate bis nach Hause. Der Soldat dachte nach und dachte nach und denkt: „Ein lebender Mensch geht nicht unter, ich werde sch?n langsam gehen.» Hier und da erbettelt er einen Bissen, geht eine Woche, geht eine zweite, gelangt so in ein Dorf und kommt in eine H?tte. Dort ist ein alter Mann und eine alte Frau. Er sagt:
„Gro?v?terchen», sagt er, „la? mich bitte ?ber-nachten!»
„Och», sagt er, „bitte, bitte, mein Bester, ?bernachte!»
Der Soldat nahm den Brotbeutel und den leeren Tornister ab. — Und nun setzte er sich also hin, um sich mit dem Alten und der Alten zu unterhal¬ten, sie a?en zu Abend, und er legte sich auf den H?ngeboden schlafen. Der Alte aber wurde in der Nacht munter, und es kam ihm in den Sinn, einmal nachzusehen, was der Soldat in Brotbeutel und Tornister hat. Er macht den Tornister auf, sieht hinein — leer. „Hm», denkt er, „was i?t er denn?» Er begann den leeren Brotbeutel zu ?ffnen. Und kaum hatte er ihn offen, da sprang pl?tzlich ein Teufelchen heraus.
„Was mu?t du mich behelligen, Alter?» sagt es. „Mich», sagt es, „behelligt mein Herr nicht, wieviele Tage und wieviele Wochen er schon unterwegs ist, und du», sagt er, „hergelaufener Kerl, behelligst mich!»
Nun, unser Alter machte den Brotbeutel wieder zu, legte sich schlafen und spricht ein Gebet. „Nein so was», sagt er, „Herrgott, der Soldat hat mit dem Teufel Umgang.»
Nun, am Morgen also wird der Soldat munter, steht auf, w?scht sich, geht, wie er’s gew?hnt ist, zum Heiligenbild und betet zu Gott. Der Alte sieht, da? der Soldat nach Christenart sein Morgengebet spricht. Er fragt den Soldaten:
„Soldat?»
„Was, Gro?v?terchen?»
„Was hast du in dem Brotbeutel?»
„Nichts», sagt er, „Gro?v?terchen. Der Brotbeutel ist leer.»
„Ach, du l?gst, Soldat, in deinem Brotbeutel ist der Teufel.»
Da erriet der Soldat, was los war.
„Nun», sagt er, „das hat dir nur getr?umt.»
„Ich wei? nicht», sagt er, „aber ich habe den Teufel genau gesehen.»
Da hatte die Alte Pfannkuchen gebacken und setzte den Soldaten an den Tisch.
Er a?, warf Tornister und Brotbeutel ?ber und machte sich auf den Weg. Nun, er war etwas gegangen, da ?berraschte ihn die Nacht. Er versuchte nicht erst, ein Dorf zu erreichen, sondern blieb ?ber Nacht im Wald. Als er ?ber Nacht im Wald war, kam ihm in den Sinn, den Brotbeutel zu ?ffnen und sich zu ?berzeugen, ob es mit dieser Geschichte seine Richtigkeit hatte oder nicht. Als er den Brotbeutel ge?ffnet hatte, sprang das Teufelchen heraus und sagt:
„Nun h?re, Soldat, du bist mein Herr, und ich bin dein Diener. Was m?chtest du jetzt haben?»
Der Soldat sagt:
„Bring mir irgend etwas zu essen!»
Das Teufelchen scho? sogleich wie eine Kugel ins Dorf, beschaffte ihm Brot, beschaffte Fleisch, einen Topf, einen L?ffel und alles, was sonst noch dazugeh?rt. Der Soldat machte schnell ein Feuer und beginnt das Fleisch zu kochen. Als das Fleisch gekocht war, sagt er:
„Nun, Teufelchen, komm, setz dich und i?!»
Das Teufelchen setzte sich, und die beiden a?en. Der Soldat machte den Brotbeutel zu, und das Teufelchen legte sich hinein. Jetzt, in aller Herrgottsfr?he, macht der Soldat den Brotbeutel auf, und das Teufelchen kam herausgesprungen.
„Was steht zu Diensten, Soldat?»
„H?re, Teufelchen», sagt er, „ich habe mich m?de gelaufen, ich brauche ein Pferd.»
„Sch?n», sagt es, „das Pferd wird sofort da sein.»
Er ging zum Pfarrer, stahl ein Pferd mit Sattel und bringt’s zum Soldaten: „Steig auf, Soldat!»
Der Soldat stieg auf, umritt auf einem anderen Wege dieses Dorf und reitet gem?chlich seine Stra?e. Ritten sie nun lange oder kurze Zeit, jedenfalls machten sie schlie?lich halt, und er sagt zum Teufelchen:
„Teufelchen, Teufelchen, ich h?tte Lust, in jener Welt zu sein und ins Paradies zu kommen.»
Als das Teufelchen diese Worte h?rte: „Nun, warum nicht», sagt es, „wenn du Lust hast, wirst du gleich dort sein. Setz dich auf mich!» sagt es.
Der Soldat setzte sich auf den Teufel, der Teufel stieg zum Himmel empor und sagt:
„Dort», sagt er, „geh zu diesem Tor, dort steht der Erzengel, sag ihm, da? deine Seele ins Paradies will.»
Nun, er kommt also ans Tor, da steht der Erzengel. Der Soldat sagt: „H?re, Erzengel, meine Seele will ins Paradies!» Das Tor wurde nat?rlich aufgemacht, und der Soldat betritt das Paradies.
Sieht, dort ist es sehr sch?n, einfach gro?artig — Blumen, verschiedene Fr?chte. Nun, f?rs erste gefiel es dem Soldaten. Wie sch?n ist es doch im Paradies! Als er sich aber zwei, drei Tage dort aufgehalten hatte, war es ihm dort so zuwider, da? er dieses Paradies schon nicht einmal mehr ansehen mochte. Er setzte sich also auf eine Bank und denkt: ja, lustig und sch?n ist’s hier, aber eines ist schlecht — keine Wirtsh?user sind hier und kein Tabak. Er dachte nach und dachte nach und sagt: „Warte!» Nimmt seine Schn?re ab und beginnt den Platz zu vermessen. Da kommt der Engel zu ihm: „Was willst du machen, Soldat?» sagt er. „Ach», sagt er, „in eurem Reich ist es zwar sehr sch?n und lustig, aber», sagt er, „ich m?chte noch etwas Lustigkeit hinzuf?gen: an dieser Stelle will ich Tabak s?en, und an dieser Stelle ein Wirtshaus bauen.»
„Oh, Soldat, wenn das der Herrgott h?rt, jagt er dich aus dem Paradies.»
Nun, der Soldat lie? sich nat?rlich nicht beirren und begann B?ume zu f?llen; er versteht zu bauen.
Der Erzengel hatte ihn eingelassen und mu? dem Herrgott dar?ber Meldung machen. Er geht also und sagt:
„Herr», sagt er, „ich habe einen Soldaten ins Paradies aufgenommen, und dem», sagt er, „hat es wahrscheinlich nicht gefallen in unserem Paradies, er hat angefangen, ein Wirtshaus zu bauen, und hat Tabak ges?t.»
Gott wurde nat?rlich b?se. „Hinaus mit ihm aus dem Paradies», sagt er, „und das Tor verschlie?en!» Der Soldat ging auf der Stelle aus dem Paradies. Jetzt, da er das Paradies verlassen hat und sich — ich wei? nicht wo — befindet, denkt er: warum ist’s mir im Paradies nicht gut genug gewesen, wohin soll ich jetzt gehen!? Da ist schon das Teufelchen mit seinem Tornister zur Stelle, setzt ihn wieder auf und sagt:
„Nun, Soldat, so in Gedanken?»
Jetzt, nachdem das Teufelchen ihm den Tornister wieder aufgesetzt hat, sagt es zu ihm:
„Willst du vielleicht in die H?lle, Soldat?»
Der Soldat erschrak zwar vor der H?lle, aber immerhin ist es doch interessant, sich auch die H?lle mal anzusehen. „Ich will», sagt er. „Nun, dann komm mit!»
Nun, als sie am H?llentor waren, st?rzte das Teufelchen zum Satan:
„Herr», sagt er, „Satan, ich habe einen Soldaten in die H?lle gebracht!»
„Nun», sagt der, „bring ihn mir mal her!»
Nun, der Soldat wurde gebracht. Satan besah ihn sich von allen Seiten.
„Na sch?n, f?hr ihn hinein!»
Das Teufelchen f?hrt ihn in die H?lle. Der Soldat geht und sieht: manche sind an der Zunge aufgehangen, andere kochen in einem Kessel. Dem Soldaten wurde ?ngstlich zumute: och, denkt er, wenn ich nur nicht auf einem hei?en Brattiegel tanzen mu?.
Nun, sch?n. Er sagt zu dem Teufelchen:
„Nun, h?r mal. Teufelchen, ruf sofort alle Teufel zusammen!»
Alle Teufel sind jetzt versammelt. Der Soldat sagt also zu den Teufeln:
„Nun», sagt er, „seid ihr meine Untergebenen, und ich bin euer Vorgesetzter.»
Er stellte alle Teufel in Reih und Glied auf und sagt:
„Ich werde euch jetzt Kommandos geben, und ihr f?hrt sie aus.»
Die Teufel waren hiermit einverstanden. Da kommandierte er:
„Rechts um!»
Sie drehen sich nicht nach rechts um. Der Soldat ergriff einen Kn?ppel und begann, sie mit diesem Kn?ppel zu bearbeiten.
„Was f?llt euch ein», sagt er, „das Wort des Kommandeurs nicht zu beachten und dem Kom¬mando nicht zu gehorchen!»
Die Teufel heulten auf. Das Teufelchen kam zu ihm gesprungen:
„H?re», sagt es, „Soldat, h?r auf, sie zu schlagen, sie werden sich nicht nach rechts drehen, sie k?nnen es gar nicht; gib ihnen das Kommando ,Linksum!m
Er gab ihnen das Kommando „Links — um!» Sie drehten sich, er kommandierte: „Im Gleichschritt Marsch!» und begann sie zu jagen. Jagte und jagte sie also; sie waren schon so matt, da? sie den Soldaten zu betteln begannen:
„Soldat, entla? uns, wir sind sehr m?de!»
„Nun, sch?n», sagt er, „geht und ruht euch bis morgen fr?h aus!»
Jetzt brachte der Soldat noch einige Tage in dieser H?lle zu, sah sich alles an und ?berlegte, wie er die Menschen von solcher Qual befreien k?nnte. Da begann er, die Teufel jeden Tag zu jagen. Und dann sagt er zu ihnen:
„Nun, wie steht’s, gef?llt euch das?»
„Ach, Soldat, wir haben das alles ?ber.»
„Dann will ich euch mal was sagen.»
„Sprich!»
„Und ihr werdet’s ausf?hren?»
„Ja, nur jag uns nicht mehr!»
„Geht also zum Satan und sagt, der Soldat bittet den Satan, alle S?nder aus der H?lle freizulassen. Dann werde ich euch nicht mehr jagen. Wenn er aber», sagt er, „das nicht ausf?hrt, dann», sagt er, „werde ich eure Gegend, die ganze H?lle, auf der Stelle weihen», sagt er, „und hier eine Kirche bauen.»
Sprach’s und schickte die Teufel fort.
Die Teufel rennen einer schneller als der andere zum Satan. Kommen hin und sagen:
„Oj, Satan, Satan», sagen sie, „was f?r ein Sol¬dat ist zu uns geraten, niemandem», sagen sie, „g?nnt er Ruhe. Wir sind gekommen», sagen sie, „dich zu bitten, alle S?nder aus der H?lle freizulassen.»
Der Satan sagt:
„Das», sagt er, „kann ich nicht machen, wer bleibt denn dann noch bei uns?»
Da sagen die Teufel zu ihm:
„Dann will er», sagen sie, „unsere H?lle weihen und eine Kirche bauen.»
Der Satan, versteht sich, erschrak.
„Sch?n», sagt er, „mag er alle seine Leute mitnehmen und von hier fortf?hren.»
Als der Soldat also diese Anweisung erhalten hatte, machte er das H?llentor auf und beginnt zu rufen:
„Das ganze s?ndige Volk, ‘raustreten aus der H?lle!»
Nun, das gab ein Gedr?nge, einer st??t den anderen, und sie freuten sich, da? man sie aus der H?lle entlie?. Alle bis auf den letzten Mann gingen aus der H?lle. Die H?lle war leer geworden. Nun, jetzt hatte der Soldat die H?lle verlassen und hatte das Paradies verlassen. Was sollte er jetzt tun? Er setzte sich hin und ?berlegte: wie kann ich auf die Erde und nach Hause kommen? Er ?berlegte und ?berlegte und ging dann zum Satan.
„Satan», sagt er, „wie k?nnte ich wohl auf die Erde kommen, — ich m?chte», sagt er, „gern mal nach Hause.»
Der Satan sagt zu ihm:
„Du hast mir», sagt er, „keinen einzigen Men¬schen in der H?lle gelassen. Gib mir wenigstens ein paar», sagt er, „dann schicke ich dich auf die Erde.»
Der Soldat ?berlegte: jeder einzelne tut ihm leid, jeder einzelne ist ihm teuer. Jetzt setzte er sich hin und denkt nach. Da sieht er auf einmal einen M?nch kommen, und hinter ihm kommt ein Pope. „Das freilich», sagt er, „sind ?berfl?ssige Menschen!» Er stellte alle in Reih und Glied auf und schickte sie in die H?lle. Der Satan freute sich auch hier?ber, sandte das Teufelchen zu ihm, und das schickte ihn auf die Erde und nach Hause. Der Soldat lebte von nun an herrlich und in Freuden. Die Popen und M?nche n?mlich konnte er nicht leiden.

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