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Des Zaren Handwerksmeister

In einem Zarenreich, nicht in unserem K?nigreich, lebte einmal ein gro?er Zar, der hatte zwei Handwerksmeister: der erste war, sagen wir mal — Goldschmied, und der zweite, sagen wir mal — Tischler. Die arbeiteten Sachen f?r den Zaren und meldeten ihm jeden Morgen, was jeder gemacht hatte. Der Goldschmied meldete: „Ich habe soundsoviel gemacht.» Und der Tischler meldete: „Und ich soundsoviel.»
Einmal kamen sie zur gleichen Zeit hin und hatten beide einen kleinen Rausch. Kamen zum Zaren zum Rapport und gerieten einander in die Haare. Der Goldschmied sagt zum Tischler:
„Mich, Bruder, hat der Zar lieber: ich mache ja goldene Sachen!»
Der Tischler aber sagte genauso: „Aus Gold kann auch ein Narr etwas machen: Gold ist schon so sch?n; aber mach du mal etwas aus Holz und dazu noch etwas Sch?nes! Dann wirst du sehen, wer dem Zaren lieber ist!»
Der Goldschmied sagte, „da? mich der Zar mehr liebt», und der Tischler sagte: „Das ist gelogen! Mich liebt er mehr!»
Sie schrien und schrien, gingen aufeinander los, und schon war eine Pr?gelei im Gange. Der Zar h?rte auf dem Korridor L?rm und fragte: „Was ist da los?»
Da ergriffen die W?chter die beiden, ergriffen sie, packten sie am Kragen und schleppten sie zum Zaren. Der Zar fragte sie:
„Was macht ihr f?r einen L?rm bei mir?» Sie drucksten und drucksten und sagen: „Wer von uns ist dir der liebste?» „Nun, wer mir das sch?nste Ding macht, der wird mir auch der liebste sein!»
Der Goldschmied kehrte in seine Goldschmiede zur?ck und begann nachzudenken, was f?r ein sch?nes Ding er machen k?nnte. Der eine sagt dies, der andere das (die Lehrjungen n?mlich). Und unter den jungen Burschen war ein Lehrling, ein junger Kerl, aber gewaltig flink bei der Arbeit — der dachte nach und sagte:
„H?rt, Herr Meister, was f?r ein pr?chtiges Ding ich mir ausgedacht habe: wir wollen einen goldenen Enterich gie?en — er soll auf dem Wasser schwimmen und auf dem Hof des Zaren umher¬fliegen k?nnen.»
Der Tischler war in seine Tischlerei gekommen, hatte sich griesgr?mig an den Tisch gesetzt, lie? seinen Brausekopf h?ngen und denkt:
„Was f?r ein auserlesenes und un?bertreffliches Ding kann ich dem Zaren nur machen?» Er ruft seine Lehrjungen:
„H?rt, Burschen, denkt einmal nach, was f?r ein sch?nes Ding k?nnen wir aus Holz machen und dem Zaren als Geschenk bringen?»
Alle dachten nach, es fiel ihnen nichts ein, und sie sagten:
„Was sollen wir schon aus Holz machen? Nehmen wir lieber Gold: Gold ist schon so sch?n.»
Ein Junge war da, der war mit siebzehn Jahren Lehrling geworden, der sagte sogleich:
„H?rt, Onkel Meister, wir wollen ein Paar Fl?gel machen, so, da? sie an Dr?hten durch die weite Welt fliegen k?nnen.»
Da begannen sie kleine Federn zurechtzuschneiden und auf einen Draht zu ziehen. Sie schnitten die Fl?gel zurecht, zogen sie auf einen Draht und gaben sie dem Meister. Der Meister zog sich aus, band sich die Fl?gel um, warf einen Sol¬datenmantel dar?ber, und dann ging er los in des Zaren Schlo?. Kam zum Schlo?, stieg keck die Schlo?treppe zum Zaren hinauf, steht da und wartet. Da kommt der Goldschmied und bringt ein Ding aus Gold. Dem Zaren wird gemeldet:
„Die Meister sind zu Euch gekommen und haben Euch ein Geschenk mitgebracht!»
Der Zar tritt auf die Schlo?treppe hinaus:
„Seid gegr??t, Kinder!»
„Unseren Gru? Euch, Kaiserliche Majest?t!»
„Nun, seid ihr da?»
„Wir sind da!»
„Habt ihr’s mit?»
„Wir haben’s mit!»
Der Goldschmied sagt:
„Kaiserliche Majest?t, befehlt, diesen Zuber hier mit Wasser zu f?llen!»
Und auf der Stelle wurde Wasser in den Zuber gegossen. Der Goldschmied schlug die Rocksch??e auseinander, holte den goldenen Enterich unter den Sch??en hervor und setzte ihn aufs Wasser in den Zuber. Der Enterich schwamm ein Weilchen hin und her, dann hob er sich in die L?fte und kam an einem Draht wieder in den Zuber zur?ck. Und die junge Zarentochter war da, die strampelte mit den F??en und klatschte in die H?nde!
„Das kann nicht sein! Einer aus Gold kann nicht fliegen! Du hast einen lebendigen Enterich vergoldet!»
Der Goldschmied sagte:
„Eure Kaiserliche Majest?t! La?t mich nicht richten und h?ngen, sondern la?t mich ein Wort sagen! Er kann auseinandergenommen werden und wird dann wieder durch die Luft fliegen.»
Der Zar sagte:
„Habe Dank, Goldschmied! Sehr sch?n, sehr gut! Und du, Tischler, was hast du gemacht?»
Der Tischler sagt:
„Eure Kaiserliche Majest?t! Befehlt, im h?chsten Stockwerk zwei Fenster zu ?ffnen!»
Die zwei Fenster wurden aufgemacht, da warf der Tischler seinen Soldatenmantel ab und flog hoch ins oberste Stockwerk. Flog zum einen Fenster hinein, zum anderen heraus und lie? sich wieder auf der gleichen Schlo?treppe nieder, wo er vorher gestanden hatte. Da dankte V?terchen
Zar ihnen, schenkte ihnen einen Wodka ein, schickte sie nach Hause und sagte:
„Ihr seid mir beide lieb!»
Die Dinge nahm er an sich; sie zogen mit langen Gesichtern ab. Den gegossenen Enterich nahm die Zarentochter und verschlo? ihn in einem K?stchen, die Fl?gel aber nahm V?terchen Zar und verschlo? sie in einer Truhe. Unser V?terchen Zar hatte einen einzigen Sohn; der nahm die Fl?gel heimlich weg, band sie um, erhob sich in die L?fte, flog davon und flog weit weg in ein anderes Land. Die Fl?gel band er sich unters Hemd und lief in der Stadt umher, und niemand konnte ihn erkennen. Er geht ?ber den Markt, und die wackeren Kaufleute blicken auf ihn.
„Wer bist du, k?hner Bursche?» fragen sie ihn.
Sie betrachten ihn und sehen, da? er guter Herkunft und seine Rede anmutig und sch?n ist.
„Ich bin von weit her!»
Ein vornehmer reicher Kaufmann hatte keine Kinder, besa? aber ein gro?es Kapital:
„Kommt doch hierher, junger Bursche! Wir wollen ein Glas Tee miteinander trinken und gute Worte voneinander h?ren. Wer bist du?»
„Ich bin ein Landstreicher!»
Diese seine Worte glaubt er ihm nicht und dingt ihn als Gehilfen. Als Gehilfe verdingte er sich f?r ein Jahr und wird ein guter Verk?ufer. Alle Kaufleute kennen ihn und sch?tzen ihn als guten Handelsdiener. Die K?ufer str?men in Massen zu ihm, er kann ihnen die Ware gar nicht schnell genug geben. Sein Herr aber sitzt in seinem Laden, hat seine Freude daran und betrachtet ihn:
„Ach, du t?chtiger Verk?ufer! Komm doch zu mir und sei mein Sohn!»
Und von da an lebten sie zusammen und wurden immer reicher.
In der gleichen Stadt nun hatte ein anderer Zar ein T?chterchen, die war von unerme?licher Sch?nheit, nur im Kopf etwas schwach. Die machte sich auf zum Markt, ging in den Laden zu dem jungen Handelsdiener und sagte:
„Junger Handelsdiener! Begleite mich nach Hause!»
Der Handelsdiener ?berlegt und sagt: „Sch?nes Fr?ulein! Ich kann dich nicht nach Hause begleiten, aber wenn Ihr mich zu sehen w?nscht, dann macht Euer Fenster auf.»
In der gleichen Nacht nun band sich der Junge in tiefer Mitternacht die Fl?gel um, schwang sich in die Luft und flog los, kam zum Fenster geflogen und flog hinein. Und da tranken und feierten sie, spielten Karten, knackten Waln?sse und warfen die Schalen zum Fenster hinaus.
Nun, ein M?rchen ist bald erz?hlt, eine Tat aber nicht so bald getan — es ging viel Zeit dahin. Und dieses vornehme Fr?ulein, die Zarentochter, wurde von ihm schwanger; und die Leute sagen, unser Zar hat eine schwangere Tochter. Das Gerede kam vor den Zaren. Die Zarentochter wei? es ja, sagt aber dem Zaren nichts.
Der Zar verlangte nun nach zwei Doktoren, einem Hauptdoktor und seinem Gehilfen. Die Zarentochter nun, nicht dumm, bestach den Doktor, dem Gehilfen aber bot sie nicht einmal ein Gl?schen an. Der Doktor nun bef?hlte und betastete sie und sagte zum Zaren:
„Sie ist jung, und dick wird sie davon, da? sie ins heiratsf?hige Alter kommt.»
(Ins heiratsf?hige Alter! Dabei ist sie schon im sechsten Monat!)
Der Doktor und sein Gehilfe waren auf dem Heimweg, kehrten in einer Schenke ein und tranken einen ?ber den Durst; tranken sich einen Rausch an, machten sich auf den Heimweg und begannen unterwegs eine Pr?gelei. Der Doktor warf den Gehilfen zu Boden und h?mmerte mit den F?usten auf seiner Visage herum. Der Gehilfe wurde b?se auf ihn, rannte zu V?terchen Zar und sagt:
„Ich habe etwas f?r Euch, V?terchen Zar. Eure Tochter wird nicht dick, sondern ist im sechsten Monat schwanger. Ich kann auch den ?belt?ter angeben!»
V?terchen Zar war’s einverstanden:
„Und wo ist er?»
„Er klettert zum Fenster hinein!»
Er machte aus giftigen Kr?utern einen Leim; wenn er sich mit den Knien aufst?tzt, rei?t er sich Stoffetzen von der Hose; und er sagte zum Zaren:
„Morgen fangen wir ihn!»
Der Tochter sagten sie nichts; sie machten das Fenster auf und bestrichen es mit den Giftkr?utern. Er nun, der wackere Bursche, kommt in tiefer Mitternacht zum Fenster geflogen; klopfte — sie machte ihm ein wenig auf. Er kletterte zum Fenster hinein, k??te sie dreimal, dr?ckte sie fest an sein Herz und sagt:
„Sei gegr??t und leb wohl! Ich habe heute keine Zeit, es mir gut sein zu lassen: mu? sogleich auf den Markt fahren.»
Und flog davon. Der Morgen graute — da lie? der Zar den Doktorgehilfen rufen. Der Gehilfe ?ff¬nete ihm das Fenster und wies auf zwei Stoffetzen.
„Hier, V?terchen Zar, Ihr k?nnt ihn suchen und mit ihm machen, was ihr wollt!»
Da lie? der Zar ins Horn sto?en, die Becken schlagen, alle auf den Hof rufen und ihnen die Hosen ausziehen: er suchte den Schuldigen. Der wackere Bursche war aber nicht an der Schlo?treppe. Schlie?lich aber, nach allen anderen, kommt dieser k?hne Bursche: Die Rocksch??e wehen ihm nach beiden Seiten, und an den Hosen sind kleine L?cher zu sehen. Sie ergriffen ihn kurzerhand und schleppten ihn zum Galgen. Der Zar befahl, seine Tochter neben ihn zu stellen und zu¬sammen mit ihm zu erdrosseln. Es wurden seidene Schlingen und eine hohe Leiter gemacht ; man f?hrte die beiden auf die hohe Leiter. Der wackere Bursche rief mit lauter Stimme:
„V?terchen Zar! La?t mich nicht richten und h?ngen, la?t mich ein Wort sagen und vor dem endg?ltigen Ende von der Zarentochter Abschied nehmen!»
Der erlaubte es zuerst nicht, aber einige waren bestochen und ?berredeten ihn. Er k??te die Zarentochter und dr?ckte sie fest an sein Herz; er entfaltete die Fl?gel, schwang sich in die Luft und flog mit ihr davon. Da sagte V?terchen Zar:
„Ladet vierzig Kanonen und schie?t nach ihnen!»
Aber es gab nur ein heilloses Durcheinander. Er kam zu seinem Vater ins Schlo? geflogen und lebt nun dort mit seiner Gemahlin.

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