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Die zwei Kaufleute

In einem Zarenreich, in einem Staat, und zwar in dem, in dem wir wohnen, lebten einmal in der Hauptstadt zwei Kaufleute. Der eine hie? Iwanow, der andere Kowaljow. Kowaljow war viel reicher als Iwanow. Alle gro?en Gesch?fte in der Hauptstadt und auch die Hotels und Restaurants geh?rten Kowaljow. Aber Kowaljow und Iwanow waren Freunde. Sie reisten oft zusammen ins Ausland, um Waren einzukaufen, und Kowaljow lieh Iwanow nicht selten Geld. Dieser Kowaljow nun hatte einen einzigen Sohn, der gerade das letzte Jahr studierte. Die Eltern sagten oft zu ihm: „Du solltest ein wenig ausgehen, Sohn, irgendwohin fahren, dich vergn?gen. Aber du sitzt die ganze Zeit zu Hause, liest, schreibst oder zeichnest irgend etwas.» Doch Kolja antwortete seinen Eltern immer, da? „noch nicht die Zeit f?rs Ausgehen gekommen ist, weil ich studieren mu?.» Insbesondere sagte die Mutter oft, er solle sich vergn?gen. Weil er in einem anderen Zimmer als die Eltern wohnte, interessierte sich die Mutter daf?r, zu welcher Stunde er morgens aufsteht und ob er immer bis in die sp?te Nacht hinein lernt. Und einmal stand sie fr?h am Morgen auf und ging nachzusehen, wie ihr lieber Sohn schl?ft, aber der Sohn schlief nicht mehr, er kroch im blo?en Hemd auf den Knien ?ber den Fu?boden und zeichnete irgend etwas auf Papier. Die Mutter begann vor Erbarmen sogar zu weinen und sagte: „Kolja, warum m?hst du dich so ab, du kannst doch krank werden! La? dein Studieren, heirate lieber!» Doch Kolja l?chelte und sagte der Mutter: „Ehe ich mein Studium nicht beendet habe, gehe ich nicht aus und werde nicht heiraten.»
Als er sein Studium beendet hatte, dr?ngte ihn die Mutter, er solle sich vergn?gen. Er sagt: „Sch?n, gib mir zehntausend Rubel, ich will heute ausgehen.» Und er hielt sich nun hier und da im Kreise junger Leute auf und ging sehr oft aus. Einmal fragt ihn die Mutter: „Sage, S?hnchen, wieviel Geld hast du heute verjubelt?» — „Hunderttausend!» Die Mutter bekreuzigte sich vor Freude: „Gepriesen seist du, Gott, das S?hnchen ist zur Vernunft gekommen!» Aber sie hatten Geld — sie wu?ten selber nicht wieviel. Und als Kolja nun alle gro?en Etablissements und Restaurants besucht hat, wo das junge Volk verkehrte, besonders die Fr?uleins — aber ihm gefielen sie alle nicht -, da beginnt er, durch die Au?enviertel der Stadt zu fahren, und fuhr in die allerschmutzigste Stra?e hinein. Auf einmal sieht er in einer Gasse eine Bettlerin gehen, mit einem Korb in der Hand und ganz in Lumpen.
Sie war so sch?n, da? Kolja sie sofort liebgewann und zu ihr sagt: „He, du, Bettlerin, warte!» Die Bettlerin blieb stehen und dachte, sie werde von ihm ein Almosen bekommen, aber er sagt zu ihr: „Willst du meine Frau werden?» Die Bettlerin antwortet ihm: „H?rt auf, Euren Spott zu treiben, Nikolaj Iwanowitsch, ich bin zwar eine arme Bettlerin, aber ich habe meine Ehre!» Die Kowaljows waren der Bettlerin bekannt. Und augenblicklich war sie in einem Haus verschwunden. Kolja wartete und wartete und hatte nicht bemerkt, wohin sie verschwunden war. Am n?chsten Tag f?hrt er wieder an diese Stelle. Und auf einmal, nachdem er einige Stunden gestanden hatte, sieht er sie wieder kommen. Er sagt zu ihr: „Nun, wie ist’s, sch?nes M?dchen, hast du dir’s nicht ?berlegt, meine Frau zu werden?» Sie antwortet ihm: „Treib nicht deinen Spott, Nikolaj Iwanowitsch, ich w?re nicht nur froh, Eure Frau zu werden, ich w?re schon gl?cklich, wenn Ihr mich als Gehilfin f?r Eure letzte K?chin n?hmt.» Er aber sagt zu ihr: „Wo wohnst du denn? Ich will mit meinem Heiratsantrag zu deinem Vater gehen.» — „Dort diese kleine H?tte, ganz mit Lehm beschmiert — das ist unser Haus.» Da f?hrt der Kaufmannssohn zu dieser H?tte und geht mit dem M?dchen in diese kleine H?tte. Und dort lag mitten auf dem Fu?boden ihr Vater mit einem t?chtigen Rausch. Ihr Vater war an sich ein sch?ner Mann mit einem gro?en Bart, rundem Gesicht, blauen Augen und schwarzen Brauen. Er sagt: „Ich bin zu Euch mit einem Heiratsantrag gekommen, da? Ihr mir Eure Tochter zur Frau gebt!» — „H?rt auf zu spotten! Wenn meine Tochter auch nur eine arme Bettlerin ist, so ist sie doch ein gehorsames und anst?ndiges M?d¬chen. Sie leidet n?mlich und geht Almosen betteln nur wegen meiner Trunksucht, denn wenn ich anfange zu zechen, dann vertrinke ich alles, nicht nur das Meine, sondern auch, was sie nach Hause bringt. Sieh nur, jetzt liege ich auf dem Fu?boden und sterbe bald, so betrunken bin ich.» Da holt Kolja zehntausend hervor und gibt sie dem Schmied. „Nimm, geh und kauf Schnaps, um einen auf deinen Rausch zu trinken! Und wenn du einverstanden bist, dann machen wir ein kleines Trinkgelage, und ich trinke mit Euch ein Gl?schen.» Als der Schmied eine so gro?e Summe Geld bekommen hatte, wie er sie sich im ganzen Leben nie hatte tr?umen lassen, rannte er augenblicklich davon, kaufte teuren Schnaps und etwas Sch?nes zu essen dazu. Und er denkt bei sich: „Mag er meine Tochter nur sch?nden, wenn sie erst einmal sch?n angezogen ist, dann findet sich mit Geld auch ein anderer Br?utigam.» Der Schmied trank nat?rlich einen auf seinen Rausch, Nikolaj Iwanowitsch aber go? sich und seiner verlobten Braut Mascha nur ein kleines Gl?schen ein. Und darauf gibt er ihr noch f?nfundzwanzigtausend Rubel und sagt: „Geht mit Eurem Vater in unser Gesch?ft Nummer soundso und kauft die und die Kleider, Euch und auch f?r sie. Und wenn sie die Kleider hat, dann wollen wir beide mit ihr fahren, und ich werde ihr nach meinem Ermessen sch?ne Kleider ausw?hlen.» Er verabschiedete sich von ihnen und fuhr nach Hause.
Nach drei Tagen kommt er wieder und sieht seine Mascha angeputzt wie eine Puppe. Und der Schmied hatte schon sein schmutziges Gesicht gewaschen und war auch anst?ndig angezogen und sitzt vor einer Karaffe Schnaps und trinkt. Da nimmt er den Schmied und bringt ihn ins Hotel „Rossija», das in der Hauptstadt das erste Hotel war. Er mietet dieses Hotel ganz f?r den Grafen Scheremetjew, der aus dem Ausland zur?ckge-kommen ist. Und er ging selber aufs Amt und bezahlte dort viel Geld, damit sie in den Zeitungen ver?ffentlichten, da? aus dem Ausland Graf Scheremetjew gekommen ist und das gr??te Hotel „Rossija» bezieht. Das wurde gegen wahnsinniges Geld alles f?r sie gemacht. Und da zog der Schmied mit seiner Tochter in dieses elegante Hotel, wo sie eine Menge des verschiedensten Bedienungspersonals hatten. Und Mascha wurden zwei Lehrer beigegeben. Sie konnte zwar lesen und schreiben, aber nicht besonders viel. Und ein anderer Lehrer brachte ihr die verschiedenen T?nze bei, und er kam t?glich zu ihnen gefahren. Als Mascha sich davon ?berzeugt hatte, da? er sie nicht nur zum Spa? liebgewonnen hatte, sondern wirklich, da liebte sie ihn von ganzer Seele und mit ihrem ganzen reinen Herzen. Aber anfangs hatte sie ihm nie geglaubt. Und ein Jahr nun, nachdem sie sich kennengelernt hatten, sagt Nikolaj zu seinen Eltern: „Ihr m??t heute einen Abend veranstalten und alle unsere Bekannten zu diesem Abend einladen. Sonst fahre nur immer ich zu allen anderen, feiere und bin bei ihnen zu Gast, zu mir aber lade ich nie ein!» Die Mutter sagt: „Das h?ttest du schon lange tun sollen, Sohn», sagt sie, „wir freuen uns sehr, wenn du dich vergn?gst.» Und sie trafen alle m?glichen
Vorbereitungen. Der Vater aber fragt Kolja: „Kommt zu unserem heutigen Abend irgend jemand ganz besonderes? Vielleicht stellen wir den vergoldeten Sessel mit den Goldr?dern hinein?» — „Nein, so besonders hervorragende Leute werden nicht kommen.» Und seiner Mascha hatte er gesagt: „Du kommst erst, wenn ich einen Boten mit einem Brief zu dir geschickt habe!» Als sich alle G?ste versammelt hatten und das Fest schon auf dem H?hepunkt war, kommt pl?tzlich in einer ra-senden Troika die Grafentochter Manja an. Als sie aus der Kutsche stieg, hielten ihr sechs sch?ne M?dchen die Toiletten und Kleider. Da kam der alte Kowaljow zur Begr?nung herausgerannt, und auch sein Sohn Kolja kam heraus. Als er eine so sch?ne Gr?fin erblickte, stie? er den Sohn sogar in die Seite: „Ich habe dich doch gefragt! Jetzt ist sie gekommen, und der vergoldete Sessel steht nicht da! Und ihn vor den Leuten hineinzufahren ist unschicklich.» Der Sohn aber antwortet: „La? nur, Vater, sie wird sitzen, wo alle sitzen, auf gew?hnlichen M?beln.» Als sie hereinkam, wo sich die G?ste befanden, standen alle auf und verneigten sich tief vor ihr. Als die Musik zu spielen anfing, forderten die Offiziere und Generale und die verschiedenen Beamten, bald der eine, bald der andere, sie zum Tanz auf, sogar um die Wette. Und Kolja sitzt da und denkt: „Als sie eine Bettlerin war, hat sie keiner beachtet. Und jetzt, da ich sie angezogen und ein wenig unterrichtet habe, wollen alle sie haben» (wie Tatjana). Als der Abend zu Ende war, trat sie zu Kolja und heftete ihm einen Strau? Rosen an die Brust. Zu jener Zeit aber bedeuteten diese Str?u?e das Zeichen hei?er Liebe. Der Vater erbleichte sogar vor Schreck. „Wohin verirrst du dich, mein lieber Sohn; nicht zu hoch hinaus!» Die G?ste waren ab¬gefahren, und Vater und Mutter sagen: „Das f?hrt zu nichts, Sohn, da? du dich mit der Tochter des Grafen Scheremetjew einl??t. Er wird doch niemals zustimmen, sie dir zu geben. Wenn wir auch vielleicht mehr Reichtum besitzen als er, so sind wir doch einfache Kaufleute, haben keinen Ehrentitel und Rang.» Er aber sagt: „Nun, was soll ich mit ihr anfangen, wenn sie mir den Strau? angesteckt hat, ich habe sie doch nicht darum gebeten!»
Einmal kam Kolja zum Grafen Scheremetjew und sagt zu ihm: „Wir kommen bald zu Euch, um meine liebe Manja zu freien. Pa? auf, da? du nicht alles verpatzt. Aber geh mit meinen Eltern auch nicht allzu streng um!» — „Nein, der Vater geniert sich sehr vor Euch, aber er h?lt sich wie ein Graf.» Und der Graf sitzt da, trinkt und wirft seinen sch?nen Vollbart zur Seite. „Keine Angst, Nikolaj Iwanowitsch, alles wird erledigt werden. Wenn es ernst wird, verpatze ich nichts.» Er ging wenig aus dem Haus. Sa? immer in seinem Zimmer bei einer Karaffe der verschiedensten teuren Schn?pse. Aber er betrank sich schon nicht mehr, trank mehr mit Ma?. Als Kolja wieder zu Hause war, sagt er zu seinen Eltern: „Ich habe beschlossen zu heiraten; fahrt mit mir zum Grafen Scheremetjew und freit um seine Tochter!» — „Was f?llt dir ein.
S?hnchen, bist du ?bergeschnappt? Er kann uns f?r eine solche Beleidigung ins Gef?ngnis stekken.» — „Die Liebe fragt nach nichts und kennt keine Furcht. Ihr habt mir doch selber mehr als einmal gesagt, vergn?ge dich und such dir eine Braut. Und da ich eine nach meinem Sinn gefunden habe, wollt ihr nicht um sie freien.» — „Wir freuen uns von ganzem Herzen, dich zu verheiraten, aber wir f?rchten nur und haben Angst, da? du zu hoch hinaus willst.» Trotzdem aber be¬schlossen sie zu fahren. Als sie mit der Brautwerberin ins Hotel „Rossija» kamen, meldete der Portier dem Grafen, ob der Kaufmann Kowaljow den Grafen Scheremetjew sprechen kann. „Bitte sie herein!» Als sie hereingekommen waren und sich ein wenig umgesehen hatten, sagt der Kaufmann Kowaljow zum Grafen Scheremetjew: „Ich entschuldige mich in aller ?ffentlichkeit bei Euch, vielleicht beleidige ich Euch und kr?nke au?erdem noch Eure Ehre, aber mein lieber einziger Sohn Kolja hat mir keine Ruhe gelassen, wir sollten mit einem Heiratsantrag zu Euch fahren.» Da warf der Graf seinen Bart nach beiden Seiten. „Nun sieh mal einer an, darum also handelt es sich!» Und man f?hrt sie ins G?stezimmer und setzte ihnen teure Weine und sch?ne Leckerbissen vor. Und dann sagte er: „Nun ja, Liebe nimmt auf nichts R?cksicht. Ich pers?nlich habe nichts dagegen. Alles h?ngt von meiner Tochter ab.» Da war dem Kaufmann Kowaljow gleichsam ein M?hlstein vom Herzen gefallen, und er denkt bei sich: „Dank dir, Herrgott, das hatte ich vom Grafen Scheremetjew nicht erwartet. Ich wei?, da? seine Tochter meinen Sohn schon lange liebt.» Und als sie die jungen Leute nebeneinander gestellt hatten, fragt der Graf seine Tochter: „Nun, wie ist’s, Manja? Willst du oder willst du nicht?» — „Ja, gib mich ihm, Vater, mir gef?llt der Br?utigam!» — „Nun, was soll man da machen! Zwar waren sie dem Rang nach unser nicht w?rdig und haben vielleicht auch weniger Kapital als wir, aber da er nach deinem Sinn ist, so habe ich nichts dagegen.» Und da setzten sie sich zu einem Festmahl, und dann feierten sie auch bald Hochzeit.
So hatten sie zwei Jahre gelebt, da wurde pl?tzlich der alte Kowaljow schwer krank und starb, und die Mutter nahm das so mit, und sie h?rmte sich so, da? sie bald seinem Beispiel folgte. Nun war dieses junge verliebte Paar allein zur?ckgeblieben. Und sie f?hrten ihr Handelsgesch?ft genauso.
Einmal kommt der Kaufmann Iwanow und sagt: „Nun, wie f?hrst du deine Gesch?fte, junger Chef? Und wie steht’s mit den Vorr?ten an Auslandswaren? Dein seliger Vater und ich sind fr?her fast immer zusammen ins Ausland gefahren, um aus¬l?ndische Waren einzukaufen. Ich will nun jetzt gerade fahren und bin deswegen gekommen, dich davon in Kenntnis zu setzen. Wenn du willst, k?nnen wir zusammen fahren. Ich kann dich mit den ausl?ndischen Kaufleuten bekannt machen.» Kolja sagt: „Ja, ich mu? fahren, denn die Ware geht schon zu Ende.» Sie brachen also auf und fuhren davon. Als sie an die drei?ig Werst von ihrer
Hauptstadt entfernt waren, hatte es sie in der Kutsche t?chtig durchger?ttelt. Iwanow sagt zu Kowaljow: „Wir wollen uns in dieser Stadt etwas ausruhen und danach weiterfahren.» Sie mieteten im Gasthof ein Zimmer und ruhten sich aus. Iwa¬now aber h?nselte die ganze Zeit den jungen Kowaljow: „Du bist wirklich kein ?ngstlicher Bursche; warum nur hast du deine junge sch?ne Frau allein unter den vielen Handelsdienern und vielen anderen jungen Leuten zur?ckgelassen? Wenn sie sich nun pl?tzlich in deiner Abwesenheit in einen anderen verliebt?» Doch Kolja sagt: „Ich b?rge f?r meine Frau, da? sie das nicht zul??t.» Der Kaufmann aber antwortet mit h?mischem L?cheln: „Man kann sich f?r seine Frau nicht verb?rgen.» — „Mancher kann’s nicht, aber ich kann’s!» — „Verb?rg dich lieber nicht. Ich glaube, wenn ich in der N?he deiner Frau w?re, obwohl ich schon ein ziemlich alter Kerl bin, ich k?nnte sie, glaube ich, verf?hren!» Kowaljow konnte die Sp??e Iwanows nicht l?ng er ertrag en u nd sag t: „Wir wollen f? r einen Monat wetten: wenn du meine Frau verf?h¬ren kannst, dann geb ich dir all meinen Reichtum: H?user, Gesch?fte und alles Geld bis auf die letzte Kopeke. Kannst du sie aber nicht verf?hren, dann nehme ich deinen Besitz.» Und sie setzten ein Papier auf, unterschrieben es und lie?en es von einem Notar beglaubigen. Und als Beweis sollte ihr Verlobungsring dienen. Als Nikolaj Iwanowitsch ihr diesen Ring geschenkt hatte, hatte er ihr gesagt, da? „dieser Ring nie auf einer fremden Hand sein darf. Nur dann wirst du mir treu sein.» Iwanow f?hrt in seine Stadt zur?ck, und Kowaljow bleibt in der Kreisstadt.
Als Iwanow angekommen ist, geht er geradewegs zu dem Haus, wo Manja wohnt, l??t ihr seine Ankunft melden und sie bitten, ihn zu empfangen. Manja war sehr erschrocken und dachte: „Gewi? ist meinem lieben Mann ein Ungl?ck zugesto?en.» Als er ins Haus kam, bewirtete sie ihn und fragte, warum er zur?ckgekommen sei. Und er sagte zu ihr: „Ich bin deswegen zur?ckgekehrt, weil ich kein Geld hatte, und Nikolaj Iwanowitsch hatte auch keine ?berfl?ssigen Betr?ge mitge¬nommen, und ich sch?mte mich, Schulden zu ma-chen, und bin deshalb umgekehrt. Er l??t dir durch mich einen Gru? senden und dir befehlen, mich aufzunehmen wie ihn selbst.» — „Nun, so rede doch, Iwanow, was w?nschst du, f?r dich wird alles getan werden.» Er aber sitzt und trinkt die ganze Zeit und beginnt, ihr eine Liebeserkl?rung zu machen. Doch sie sagt zu ihm: „Meine Seele geh?rt mir, aber mein Leib geh?rt ganz allein meinem lieben und teuren Kolja, ?ber ihn kann ich nicht verf?gen.» Da wurde der Kaufmann zudringlich, und sie rief die Diener, und die h?tten ihn um ein Haar vom zweiten Stock die Treppe hinuntergeworfen. Und wie oft er auch kam, es war immer dasselbe. Beim letztenmal kam er mit einer Entschuldigung: „Verzeih, ich habe immer so viel getrunken, und betrunken bin ich ekelhaft.» Aber als er sich vollgetrunken hatte, begann er wieder, sie zu bedr?ngen. Da rief sie die Handelsdiener herein und sagt: „Werft diesen Schurken hinaus und la?t ihn nie mehr zu mir ins Haus!» Und da stie?en ihn die Handelsdiener die steile Treppe hinab, da? er jede Stufe der zwei Stockwerke mit dem Kopf z?hlte. Als er nach Hause kam, lief ihm als erster der Hofknecht ?ber den Weg. Der war an nichts schuld. Da f?ngt er an, ihn zu beschimpfen, ihm alle m?glichen Namen an den Kopf zu werfen, und er beschimpfte sogar seine eigene Familie. Dann ging er vor Kummer in den Garten spazieren. Sitzt da und sinnt: „Was habe ich angerichtet! Dank meiner Dummheit habe ich aus einem Kaufmann einen Bettler aus mir gemacht.» Auf einmal kommt ein altes Weib zu ihm und bittet ihn um ein Almosen. Er dachte: „Ich habe sowieso alles verloren» — holt ein Goldst?ck hervor und gab es der Alten. Als die Alte ein so gro?es Almosen erhielt, bedankte sie sich bei Kaufmann Iwanow: „M?ge dir der Herrgott alles schicken, was du dir w?nschst und worum du den Herrgott bittest.» Und noch vieles, vieles sagte ihm die Alte. Als der Kaufmann Iwanow die Worte der Alten geh?rt hatte, sagte er: „Gro?m?tterchen, wenn mein Wunsch in Erf?llung ginge, den ich habe, dann w?rde ich dich h?her achten als meine eigene Mutter, w?rde dir zu trinken und zu essen geben, was dein Herz nur immer begehrt, und dich anputzen wie eine Puppe. Aber das geht nie in Erf?llung, Gro?m?tterchen.» — „So erz?hle mir doch, was f?r Kummer und Sorgen du hast!» — „Das hat keinen Zweck, du kannst mir in meiner Not nicht helfen.» — „Aber vielleicht kann ich dir doch helfen. Es kommt doch vor, da? auch arme alte Frauen helfen.» — Der Kaufmann sagt zu ihr: „Kennst du Maria Iwanowna Kowaljowa?» — „Wie soll ich sie nicht kennen! Sie ist eine entfernte Verwandte von mir, eine Nichte! Wir haben zusammen fr?her Abf?lle gesammelt. Sie ist doch die Tochter eines versoffenen Schmiedes.» — „Nun h?r mal, Alte, rede mir keinen Unsinn: sie war niemals so eine, sie ist eine Gr?fin.» — „Na sch?n, ich will mit dir nicht streiten, aber erkl?re mir, worum es geht.» — „Ich mu? ihren Verlobungsring haben!» — „Da ist nichts dabei, den beschaffe ich dir. Kaufe einen gro?en geflochtenen Korb, in den mu?t du dich setzen; und gib mir irgendwelche alten Kleider und Lumpen, ich decke dich damit zu; da sie mich kennt, werde ich mich ihr zu F??en werfen, mich vor ihr verneigen, mit bitteren Tr?nen, da? sie mich bei sich ?bernachten l??t und diesen Korb in ihr Schlafzimmer stellt. Und wenn sie schl?ft, nimmt sie wahrscheinlich alle diese kostbaren Dinge ab. Du nimmst dann ihren Ring und gehst leise hinaus. Dann gehen wir aus dem Haus und fahren davon.» Iwanow gab augenblicklich Anweisung, einen solchen Korb zu kaufen und einen Fuhrmann kommen zu lassen, mit dem schlechtesten Pferd. Als alles vorbereitet ist, setzt sich Iwanow in den Korb, und die Alte deckt ihn mit abgetragenen Lumpen zu. Den Korb stellten sie auf den Wagen des Fuhrmanns und fuhren zur Frau des Kaufmanns Kowaljow. Als sie ankamen, brannten schon die Laternen. Sie hoben den Korb herunter und stellten ihn auf den Hof. Die Alte aber ging in Manjas Gem?cher, warf sich ihr zu F??en, verneigte sich und bittet unter Tr?nen: „Maria Iwanowna, verla? mich arme alte Frau nicht, sei so barmherzig und gut und la? mich bei dir ?bernachten!» — „Aber warum bittest du denn so, Gro?m?tterchen? Habe ich dich denn jemals nicht eingelassen? Immer habe ich dich eingelassen und dir nichts abgeschlagen, wozu also mu?t du dich mir zu F??en werfen und mich so bitten?» — „Siehst du, ich besitze ein paar Hab¬seligkeiten, die sind auf dem Hof in einem Korb; ich habe mein ganzes Leben lang gebettelt und gesammelt und habe nun einiges an abgetragenen Kleidern in diesem Korb. Aber ich habe beschlossen, aufs Dorf zu ziehen, und habe diesen Korb mitgenommen. Sei also so gut, gestatte mir, ihn in Euer Schlafzimmer zu stellen.» — „Aber Gro?m?tterchen, auch auf dem Speicher oder in den Lagern wird dir niemand dein Gut wegneh-men. Dort wird doch abgeschlossen.» — „Ich kann die ganze Nacht nicht einschlafen. Sieh nur diese Flegel an, deine Handelsdiener: einer hat schon an den Korb gesto?en und eine Ecke vom Boden abgeschlagen. Erinnere dich, als du betteln gegangen bist, wie wertvoll jede erbettelte Kopeke war.» Und die Alte weinte noch mehr als vorher und w?lzte sich zu Manjas F??en.
Manja aber argw?hnte nichts von ihrer heimt?ckischen Absicht und dachte: „Kinder und alte Leute sind t?richt!» Und sie gab Anweisung, man solle ihren Korb in ihr Schlafzimmer stellen. Und Arbeiter schleppten ihn hinein und stellten ihn hin. Die Alte legte sich in der K?che schlafen, Maria
Iwanowna aber nahm, als es Schlafenszeit war, ohne Hast ihre Armb?nder, die teure Halskette und alle wertvollen Dinge und den Fingerring ab und legte alles auf ein Tischchen. Und sie zog sich aus und legte sich ins Bett. Als sie im ersten tie¬fen Schlaf lag, kletterte Iwanow behutsam aus dem Korb, nahm ihren Ring und ging leise hinaus zu der Alten. Und die Alte fl?sterte: „Hast du ihn?» Er antwortete: „Ja!» Und diese alte Kr?te wurde gleichsam wieder jung und rannte die steile Trep¬pe hinunter, als sei sie ein junges M?dchen, und vor Freude liefen ihre Beine wie von selbst. Drau¬?en aber wartete schon ein Kutscher auf ihn. Und als er nach Hause gekommen war, zog er der Alten die teuersten Seidenkleider an und gab ihr die allerbesten M?ntel und sagte: „Sorgt f?r dieses Gro?m?tterchen besser als f?r eure leibliche Mut¬ter. Was immer sie auch w?nscht und bittet, er¬f?llt ihr alles!» Und als er sich von allen Verwandten verabschiedet hatte, jagte er zu Kowaljow, weil die Frist ablief. Als er zu Kowaljow kam, sagte er mit h?mischem L?cheln: „Na also, gar zu sehr hast du dich f?r deine Frau verb?rgt! Ist das der Ring deiner Frau?» Kowaljow sah ihn sich an, wurde wei? wie ein Toter und antwortete: „Ja, er ist’s! Nie im Leben h?tte ich geglaubt, da? sie mir untreu wird!» Und er ?bergab ihm alles Geld, das er bei sich hatte, und gab ihm auch alle seine Kleider. Aber Iwanow nahm seine Kleider nicht und gab ihm dreitausend Rubel. Dann gingen sie zum Notar und machten alles fest. Iwanow jagte in seine Hauptstadt, Kowaljow aber ging, wohin der Weg ihn f?hrte. Als Iwanow in seiner Stadt ankam, ging er zum Gouverneur und zeigte ihm die Dokumente, und der Gouverneur gibt seinen Untergebenen von der Polizei Anweisung, ?berall alle Schilder mit der Aufschrift „Kowaljow» abzunehmen und durch „Iwanow» zu ersetzen. Und schlie?lich gingen sie zu dem Haus, wo die junge Kaufmannsfrau Kowaljowa wohnte, und baten sie, das Haus zu verlassen. Sie sagt: „Habe ich denn jemandem etwas Schlimmes angetan, da? ihr mich verhaften wollt?» Und die Polizei sagt zu ihr: „Da du deinem Mann die Treue gebrochen hast, mu?t du hinausgehen wie du bist, und darfst weder Geld noch sonst etwas mitnehmen. Das ist jetzt alles an den Kaufmann Iwanow ?bergegangen.» Da erst begriff sie seinen heimt?ckischen Plan, und sie fiel in eine Ohnmacht, man trug sie ohne Umst?nde auf den H?nden hinaus auf die Stra?e und legte sie auf die Erde. Doch an der frischen Luft kam sie zu sich und wei? nicht, ob sie lange gelegen hat. Da geht sie zu ihrem Vater, dem Grafen, erkl?rte ihm alles, und beide weinten lange Zeit bitterlich. Und sie sannen auf einen Plan, wie sie Kowaljow finden und retten k?nnten. Kowaljow aber war in der Hauptstadt ins schlechteste Restaurant gegangen und hatte alles Geld, das er besa?, in einer Nacht verjubelt und auch seine ganze Kleidung verjubelt; er hatte jetzt nur noch ein Paar sch?bige Stiefel und einen sch?bigen Rock, und er verfluchte die Stadt und besonders den Ort, wo sie haltgemacht hatten, um sich auszuruhen. Und er zog weiter, wohin der Weg ihn f?hrte. Und so ging er einen Tag, ging einen zweiten und einen dritten, ohne zu trinken und ohne zu essen. Und er war so m?de und hatte solchen Hunger, da? er keine Kraft mehr hatte, weiterzugehen. Aber um einen Bissen betteln mochte er nicht. „Eher will ich Hungers sterben als mich zum Betteln entschlie?en.» Er geht durch die Felder und sieht, Soldaten haben ein Lager aufgeschlagen. Und die Soldaten sa?en gerade am Tisch und a?en Mittag. Und er sah mit solcher Gier zu ihnen hin, da? sogar die Soldaten es merkten und zu ihm sagen: „Komm, Landsmann, i? zur Gesellschaft mit!» Er war nat?rlich sehr froh und setzte sich, um mit ihnen zu essen. Sie gossen ihm eine Sch?ssel Krautsuppe ein und gaben ihm ein Kochgeschirr Gr?tze, und wie lange er auch schon auf der Welt gelebt hatte, noch nie im Leben hatte ihm ein Essen so gut geschmeckt wie bei diesen Soldaten. Als er satt war, sagt er: „Habt ihr nicht irgendeine Arbeit? Ich w?rde bei euch arbeiten nur f?r dieses Essen, daf?r, da? ihr mich verpflegt und mir vielleicht noch irgendwelche alten Sachen von euch gebt zum Anziehen.» Hiervon machte der Zugf?hrer dem Kompanief?hrer Meldung. Und der Kompanief?hrer kam und sagt: „Wir haben etwas, und ich kann dich neh¬men, dir zu trinken, zu essen, Schuhwerk und Bekleidung geben. Nur wei? ich nicht, ob du das kannst.» — „Und was ist’s?» — „In unseren Winterquartieren in der Kaserne taugen die ?fen alle nichts, einige m?ssen repariert, einige ganz neu gesetzt werden.» Kowaljow antwortet: „Ich werde das ?bernehmen und machen. Nur besorgt mir bitte Papier und einen Bleistift, zeigt mir diese Ka-serne und gebt mir die Werkzeuge, die ich brauche.» Was er forderte, wurde alles erledigt. Als er allein war, besah er sich sorgf?ltig einen Ofen, nahm ihn, wo es n?tig war, auseinander, machte sich auf dem Papier eine Zeichnung und trug alle Rauchz?ge ein. Dann grub er Lehm, zog seine sch?bigen Stiefel aus, krempelte die Hosen bis zu den Knien hoch, f?hlte sich zum erstenmal im Leben er selber und begann, diesen Lehm zu stampfen. Dann fing er an, die ?fen auseinanderzunehmen und wiederherzurichten. Erst machte er kleine Reparaturen, und als er das gut beherrschte, begann er auch neue zu setzen. Weil er aber die Zeichnungen gut kannte, war das f?r ihn nicht schwer. Schlecht war nur das, da? seine zarten H?nde im Lehm schmutzig wurden und mit den schweren Ziegeln umgehen mu?ten. Graf Scheremetjew aber hatte sich entschlossen, mit seiner Tochter das Hotel „Rossija» zu verlassen und in ein einfaches Gasthauszimmer zu ziehen; sie dingten einige Detektive, koste es, was es wolle, herauszubekommen, wo sich Kowaljow befindet. Und nach geraumer Weile erscheint der eine Detektiv und meldet dem Grafen, da? sich Kowaljow in der und der Stadt bei dem und dem Regiment befindet und die ?fen in den Kasernen instandsetzt. Da begann seine wundersch?ne Frau Manja noch mehr als vorher zu jammern: „Aber das ist doch unm?glich — ein so zarter Mensch, der in seinem ganzen Leben nicht einmal einen schmutzigen Gegenstand in die Hand genommen hat, und jetzt kratzt er Ru? und Lehm zusammen! Immer schmutzig und voll Staub, gewi? ist sein ganzer K?rper von Schmutz zerfressen.» Als sie sich satt geweint und wieder beruhigt hatte, ging sie zu einem Friseur, lie? sich ihren wundersch?nen langen Zopf abschneiden und auf eine Per?kke kleben, kaufte sich M?nnerkleider, meldete sich bei der Polizei und sagt: „Nehmt mich als Freiwilligen f?r den Milit?rdienst!» Da sie schon Bildung hatte, wurde sie als Freiwilliger angenommen und sofort auf eine Offiziersschule geschickt.
Die beendete sie und erhielt den untersten Offiziersrang. Darauf aber wurde bald ein Krieg erkl?rt. Und im Kriege schonte sie ihr Leben nicht, sondern meldete sich immer freiwillig, an die gef?hrlichsten Stellen zu gehen. Und immer war der Sieg auf ihrer Seite. Und sie wurde mit mehreren Orden f?r Tapferkeit ausgezeichnet und bekam den Rang eines Obersten des Regiments Seiner Majest?t verliehen. Der Krieg war zu Ende, sie kehrte in die Hauptstadt zur?ck und nahm einen dreimonatigen Urlaub. Noch einmal schickte sie einen Detektiv, um sich davon zu ?berzeugen, da? Kowaljow noch lebt und wo er sich befindet. Die Detektive kamen zur?ck und sagen: „Er repariert noch immer in dem gleichen Regiment ?berall die ?fen.» Da schreibt sie einen Brief an den Kommandeur jenes Regiments und bittet ihn um unverz?gliche Entsendung: „Der Ofensetzmeister ist zwecks Reparierens von ?fen zum Regiment
Seiner Majest?t zu entsenden. Oberst des Regiments Seiner Majest?t, Jermolajew.» Als der Oberst den Brief bekommen hatte, gibt er dem Kompanief?hrer sofort Anweisung, Kowaljow eine Uniform auszuh?ndigen und ihn sogleich in die Hauptstadt zum Kommandeur des Regiments Seiner Majest?t zu schicken. Als man Kowaljow das erkl?rte, hatte er gar keine Lust, und er bat: „Ich habe gar keine Lust, dorthin zu fahren, kann ich nicht bei euch bleiben?» Aber man antwortete ihm: „Du kennst doch die milit?rische Disziplin, und wir m?ssen einen Befehl von Vorgesetzten unbedingt ausf?hren.» Doch er dachte: „Ganz gleich, es ist schon viel Zeit vergangen, vielleicht erkennt mich keiner. Aber es wird sehr schwer f?r mich sein, wenn ich alles wiedersehe, was mir lieb war.» Wenn auch ungern, so fuhr er doch los. Als er ankam, suchte er den Kommandeur auf und meldete seinem Burschen, da? der Ofensetzer aus dem und dem Regiment eingetroffen ist. Der Kommandeur des Regiments befahl ihm augen-blicklich, zu ihm ins Zimmer zu kommen. Kowal¬jow aber hatte schon milit?rische Schulung. Er legte die Hand an die M?tze und sagt: „Habe die Ehre, mich zu melden. Euer Hochwohlgeboren: Ofensetzer aus dem und dem Regiment!» — „Nun gut, setz dich her, i? zu Mittag und trink Tee!» Der Regimentskommandeur setzte sich auch mit hin. Es wurde eine Karaffe mit Schnaps auf den Tisch gestellt und etwas Sch?nes zu essen dazu. Er selber trinkt ein winziges Gl?schen, man braucht nur mit dem kleinen Finger hineinzustippen, und der ganze Schnaps flie?t aus dem Glas; dem Ofensetzer aber gie?t er ein Weinglas voll ein. Der Ofensetzer denkt: „Da bin ich anscheinend an einen gutm?tigen Kommandeur geraten, obwohl er noch sehr jung ist.» Und so lebt er einen Monat, lebt auch den zweiten, aber ?fen setzt er nicht. Und der Kommandeur gibt ihm zu trinken, zu essen, bewirtet ihn mit Schnaps und gibt ihm au?erdem noch Trinkgelder. Ihm aber wird es peinlich, und er bittet: „Gib mir Arbeit!» — „Nun, du wirst noch zeitig genug zu tun bekommen.» Als er sich gut erholt hatte, begann sich in ihm sein junges Blut zu regen, und er bittet eines Abends den Regimentskommandeur, er m?ge ihm Ausgang ge¬ben. Der sagt zu ihm: „Wohin willst du denn?» — „Und wenn ich mich wenigstens mit den hiesigen M?dchen bekanntmache.» — „Bist du denn ledig?» — „Ich wei? selber nicht, was ich jetzt bin» (er hat-te etwas getrunken). „Was hei?t, du wei?t es nicht? Woher bist du?» — „Ach, frag nicht! Die Wahrheit zu sagen ist f?r mich schwerer als ?fen zu setzen und Lehm zu kneten.» — „Warum? Sage mir die Wahrheit! Wenn es ein Geheimnis ist, so sag ich’s nicht weiter.» — „Ich will’s sagen, aber unter der Bedingung, da? es weiter niemand erf?hrt, nur du allein, und wenn ich danach ?ber mich reden h?re, dann nehme ich mir das Leben und werde nicht mehr bei euch sein. Siehst du, ?berall und allerorts in der Stadt tragen die Restaurants und Hotels und die allerbesten Handelsunternehmen den Namen Iwanow, und das hat alles mir geh?rt.» — „Wie ist denn das gekommen?» — „Das hat alles meine Frau, die treulose, fertiggebracht.» — „Und was w?rdest du machen, wenn du sie wieders?hest?» — „Ich w?rde sie erschlagen wie einen tollen Hund!» — „Aber vielleicht ist sie schuldlos?» — „Wenn sie schuldlos gewesen w?re, h?tte sie nicht einem anderen ihren Verlobungsring gegeben!» Er ging aus, sie aber weinte bitterlich und ging in ein anderes Zimmer, damit niemand sie bemerkt. Und er bummelte die ganze Nacht durch und ?bertrat seinen Urlaub. Als er zur?ckkam, fragt ihn der Kommandeur: „Wo bist du denn gewesen?» — „Verzeiht, ich habe mir bei den M?dchen die Zeit vertrieben. Ihr seid ja selber schuld, warum habt ihr mir immer Trinkgeld gegeben. Ich habe fr?her fast ?berhaupt keinen Schnaps getrunken, und wenn — nur eine kleine Dosis. Wenn ich aber jetzt Geld habe, dann ertr?nke ich meinen Kummer nur in Branntwein, und deswegen bitte ich Euch um Verzeihung.» Der Kommandeur verzieh ihm und gab ihm noch einen Schnaps auf seinen Rausch, damit er keine Kopf¬schmerzen bekommt.
Und einige Tage danach sagt er zum Ofensetzer: „Kowaljow, du mu?t heute dort und dort sein und den G?sten die M?ntel abnehmen. Bei mir wird heute ein gro?er Ball sein. Und zu diesem gro?en Ball laden wir vornehme G?ste ein und werden sogar den Zaren selber bitten. Auch alle reichen Kaufleute werden bei mir sein und auch dein Rivale Iwanow.» — „Dann zwing mich lieber nicht dazu, soll ich etwa einem mir so verha?ten Menschen den Mantel abnehmen? Schlag mir lie¬ber den Kopf ab, das wird leichter f?r mich sein, als ihm den Mantel abzunehmen!» — „Nun, ihn kannst du unter irgendeinem Vorwand auslassen und brauchst dich ihm nicht zu zeigen, und hinter den Garderobest?ndern wird er dich nicht erkennen. Du wirst aber daf?r viele Trinkgelder bekommen, und mit dem Geld kannst du wieder ausgehen.» Und da erkl?rte sich Kowaljow, wenn auch nicht sehr gern, doch einverstanden, den Befehl des Regimentskommandeurs auszuf?hren. Als alles f?r den Ball bereit war und auch die Visitenkarten versendet waren, wurde auch zum Zaren geschickt, den der Regimentskommandeur wegen einer wichtigen Sache bittet. Zur angegebenen Stunde begannen die G?ste zusammenzustr?men, unter ihnen auch der Zar. Kowaljow nahm allen die M?ntel ab und h?ngte sie an die Haken. Aber sobald er Iwanow erblickte, lief er fort auf die Toilette und nahm ihm den Mantel nicht ab. Als die G?ste sch?n getrunken hatten, begannen sie, die verschiedensten Geschichten zu erz?hlen und die verschiedensten Fragen zu er?rtern. Der Regimentskommandeur bat seinerseits den Zaren um die Erlaubnis, ihm eine interessante Geschichte zu erz?hlen unter der Bedingung, da? niemand ihn unterbricht, wozu der Zar seine Einwilligung gab. Er sprach lange ?ber dies und das, und schlie?lich bat er den Kaufmann Iwanow, allen G?sten zu erkl?ren, wie er den ganzen Besitz Kowaljows gewonnen habe. Kowaljow aber h?rt, da? von ihm die Rede ist, und er stand wie auf Nadeln, es stach ihn am ganzen K?rper. Und Iwanow antwortete mit einem L?cheln: „Sehr einfach. Wir hatten gewettet: wenn ich seine Frau verf?hre, dann ?bergibt er mir seinen ganzen Besitz, und wenn nicht, ich ihm den meinen. Und die Wette hat dieser ihr Verlobungsring entschieden.» Und er zeigte seine Hand, an der der Ring steckte. „Und du hast es auch bestimmt fertiggebracht?» — „Ja, bestimmt!» Da bittet der Oberst Jermolajew den Zaren, er m?ge ihm erlauben hinauszugehen. Der erlaubte es. Und der Oberst geht in sein Ankleidezimmer, zieht alle seine Kleider aus, nimmt die Maske vom Gesicht, zieht sein Frauengewand ?ber, heftet den sch?nen langen Zopf an, die ruhmreiche Uniform aber nimmt er ?ber den Arm und geht wieder hinein zum Zaren. „Seht, Eure Kaiserliche Majest?t, was f?r ein Oberst ich bin und wie schwer es mir geworden ist, diese Kriegsuniform und den von Euch verliehenen Rang zu erwerben. Doch es ist f?r mich vielleicht noch leichter, das alles zu tun, wenn ich auch jede Minute mein Leben aufs Spiel gesetzt habe — aber wie war meinem Manne zumute, der keinerlei Schuld hat, Ru? zusammenzukratzen und Lehm zu kneten und ?fen zu setzen und zu reparieren. Sch?me dich, Kaufmann Iwanow, so frech zu l?gen: er hat mir meinen Verlobungsring n?mlich gestohlen, mit Hilfe eines alten Weibes, das mich gebeten hatte, ihren Korb in mein Schlafzimmer zu stellen, und du hast darin gesessen! Als ich eingeschlafen war, hast du meinen Verlobungsring gestohlen. Sag dem Zaren und allen Anwesenden die ganze Wahrheit ins Gesicht, da? du mich nicht verf?hrt, sondern den Ring gestohlen hast!» Da warf sich der Kaufmann Iwanow ihr zu F??en und bat um Vergebung: „Ich bin schuldig!» Als er zu ihren F??en lag, rief sie ihren lieben Kolja. Kolja kam und hatte nat?rlich alles geh?rt, wie dieser Schuft Iwanow sie beide betrogen hatte. Und er konnte sich nicht zur?ckhalten, er warf sich in die Arme seiner lieben Frau und ?bersch?ttete sie mit brennenden, hei?en K?ssen. Der Zar aber befahl, die ruhmreiche Uniform des Obersten, weil sie eine Frau war, dem Ofensetzer Kowaljow anzuziehen; und diesen Kaufmann und die Alte hinrichten zu lassen. Das Urteil wurde vollstreckt. Die Alte wurde in kleine St?cke zerhackt, die ?bergossen sie mit Pech und verbrannten sie auf der Richtst?tte zusammen mit dem Kaufmann. Alle Schilder mit der Aufschrift „Iwanow» wurden ?berall und allerorts abgenommen und ?berall „Kowaljow» angebracht. Da sagt Kowaljow: „Seht nun alle, die auf diesem Ball anwesend sind, ich habe mir eine Bettlerin zur Frau gew?hlt, und aus ihr ist eine gute und liebe Frau geworden. Wenn ich eine aus der reichen Klasse und mit gro?er Bildung genommen h?tte, dann h?tte die es gewi? nicht f?r n?tig befunden, mich zu retten, denn es war f?r sie schrecklich und schwer, und sie h?tte ihr Le-ben nicht aufs Spiel gesetzt. Aber weil sie arm war und gewohnt, allen schweren Kummer zu ertragen, hat sie mich, wie ihr seht, ganz im Gegenteil gerettet, die Liebe.» Die G?ste lobten alle ihren Heldenmut und gingen nach Hause; da trug der Zar Kowaljow auf, ein zweites Fest f?r das arme Volk zu geben, und belohnte alle aufs freigiebigste.
Auch mich luden sie zu dem Feste ein, ich trank Bier und Wein, es ist alles um den Bart geronnen, der Mund hat nichts abbekommen.

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