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Iwan Zarewitsch und die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf

In irgendeinem Zarenreich war es, in irgendeinem Staat war es, nicht in unserem K?nigreich war es. Das ist noch nicht das M?rchen, das ist erst die Einleitung; das M?rchen wird morgen Nachmittag erz?hlt, nach dem weichen Vesperbrot, und noch ‘ne Pirogge essen wir dann und packen den Stier bei den H?rnern an.
Es lebte einmal ein Zar Iwan Wassiljewitsch, der hatte einen gro?en Sohn Wassili Zarewitsch und einen zweiten Sohn Mitri Zarewitsch; und der j?ngste Sohn war Iwan Zarewitsch. Nun war Was¬sili Zarewitsch in das Alter gekommen und der Zar dachte ihn zu verheiraten, und sie konnten lange Zeit keine Braut finden. Bald finden sie eine Braut — Vater und Mutter ist sie recht, ihm gef?llt sie nicht; bald findet er eine Braut f?r sich — aber Vater und Mutter m?gen sie nicht. Einmal nun ist Wassili Zarewitsch unterwegs, auf einer breiten Stra?e, da begegnet ihm ein altes Weib mit ‘nem dicken Leib, die sagt zu Wassili Zarewitsch:
„Ich habe f?r dich eine Braut gefunden, Wassili Zarewitsch!»
Er aber sagt zu ihr:
„Wo hast du sie denn gefunden, Gro?m?tterchen?»
„Dort der General da hat eine Tochter, die m??t Ihr zur Frau nehmen.»
Wassili Zarewitsch kommt zu seinem Vater und sagt:
„Vater, ich habe eine Braut gefunden, die Tochter von dem und dem General.»
Der Vater sagt ihm, er m?ge sie zur Frau nehmen. Bei dem Zaren brauchte kein Bier gebraut und brauchte kein Wein gebrannt zu werden. Es war genug gebrautes Bier und genug gebrannter Wein da, und man fuhr sie zur Trauung. Nach der Trauung brachte man sie zur?ck und legte sie aufs Hochzeitslager. Aber aufs Lager legte er sich nicht mit ihr, ins freie Feld floh er von ihr, und dort reitet er jetzt auf seinem Pferd.
Vater und Mutter merkten pl?tzlich, da? Wassili Zarewitsch nicht im Hause war, und wu?ten nicht, wo sie ihn suchen sollten.
Iwan Zarewitsch fragt seinen Vater:
„Vater, was f?r eine Frau ist das bei uns?»
Der Zar antwortet ihm:
„Das ist eure Schw?gerin.»
„Und wo ist denn ihr Mann?»
„Fortgeritten ins freie Feld, schon lange, und jetzt ist er nicht da.»
Da sagt Iwan Zarewitsch:
„Vater, gebt mir Euren Segen, ich will reiten und meinen Bruder Wassili Zarewitsch suchen.»
„Gott gibt dir seinen Segen», sagte der Zar. „Du wirst mir also einmal kein Ern?hrer sein!»
Da sattelte sich Iwan Zarewitsch ein t?chtiges Pferd und ritt ins freie Feld, in die wilde Steppe, seinen Bruder Wassili Zarewitsch zu suchen. Auf freiem Feld, in der wilden Steppe, stand ein wei?es Zelt. Im Zelt schlief Wassili Zarewitsch. Iwan Zarewitsch ritt zu dem wei?en Zelt, Iwan Zare- witsch betrat das wei?e Zelt und wollte ihn im Schlaf erschlagen (er wei? nicht, wer es ist) und denkt bei sich: „Wozu soll ich ihn im Schlaf erschlagen wie einen Toten! Nicht Ehre noch Ruhm bringt das mir wackerem Helden; ich will ihn lieber aus dem Schlaf aufwecken und ihn genau befragen: wer er ist, woher, und wohin der Weg ihn f?hrt.»
Wassili Zarewitsch erwachte und fragte:
„Woher bist du, edler Held?»
„Aus dem und dem Zarenreich, des und des Vaters und der und der Mutter Sohn.»
„Und was willst du?»
„Ich will erfahren, wo ich meinen Bruder Wassili Zarewitsch finden kann.»
Wassili Zarewitsch sagte zu ihm:
„Wer bist du?»
„Ich bin Iwan Zarewitsch.»
„Unser Iwan Zarewitsch», sagte Wassili Zarewitsch, „ist drei Jahre alt und schaukelt in der Wiege.»
Antwortete Iwan Zarewitsch:
„Er schaukelt jetzt nicht in der Wiege, sondern streift auf dem Pferd durch die wilde Steppe und will seinen Bruder Wassili Zarewitsch finden.»
Und Wassili Zarewitsch sagte:
„Ich selbst bin’s!»
Da bestiegen sie ihre wackeren Pferde und ritten auf gut Gl?ck los.
Sie ritten in die gr?nen Wiesen, — nun, ein M?rchen ist bald erz?hlt, aber eine Tat ist nicht bald getan. Sie ritten sehr weit. Sie selbst waren schon m?de geworden auf den Pferden, und ihre Pferde waren matt, und ihre seidenen Peitschen hatten sie schon ganz in Fetzen geschlagen. Da sagte der ?ltere Bruder Wassili Zarewitsch:
„Wei?t du was, Bruder, wir wollen etwas rasten und die Pferde f?ttern!»
Iwan Zarewitsch sagte zu ihm: „Was du f?r richtig h?ltst, Bruder, das tu auch!» Sie stiegen von ihren wackeren Pferden und lie¬?en sie auf den gr?nen Wiesen grasen. Wassili Zarewitsch sagte:
„Leg dich hin und ruh dich aus, Bruder Iwan Zarewitsch, ich will ?ber die gr?nen Wiesen gehen, ob ich nicht einen Hasen finde; den schie?e ich, bringe ihn dir, und wir braten ihn.» Und Iwan Zarewitsch sagte: „Geh mit Gott, Bruder!»
Und Wassili Zarewitsch zog auf gut Gl?ck los. Und er kommt zum gro?en, gro?en blauen Meer, und dort steht eine H?tte. Wassili Zarewitsch betrat die H?tte. Sah hinein: in der H?tte sitzt eine sch?ne Jungfrau, sitzt da, weint bitterlich, und vor ihr steht ein Sarg. Wassili Zarewitsch sagte: „Warum weinst du, sch?ne Jungfrau?» „Wie sollte ich nicht weinen, Wassili Zare- witsch? Die letzte Stunde bin ich auf der weiten
Welt. Gleich kommt aus dem Meer der Drache gekrochen und fri?t mich.»
Wassili Zarewitsch sagte zu ihr:
„Weine nicht, sch?ne Jungfrau, bleib nur ich am Leben, wirst auch du am Leben bleiben!»
Wassili Zarewitsch legte sich auf ihre Knie und sagte:
„Kraule mich ein wenig, sch?ne Jungfrau!»
Sie begann ihn zu kraulen, und er versank in einen festen Schlaf. Da t?rmten sich im blauen Meer gewaltige Wellen, und ein schrecklicher Drache tauchte empor, mit einem Kopf wie ein Waschkessel, kriecht aus dem Meer und will die sch?ne Jungfrau fressen. Sie r?ttelt ihn aus aller Kraft:
„Wassili Zarewitsch, wach auf! Der schreckliche Drache fri?t uns beide!»
Wassili Zarewitsch schl?ft und merkt nichts. Da f?llt der sch?nen Jungfrau aus dem rechten Auge eine hei?e Tr?ne, und die hei?e Tr?ne fiel Wassili Zarewitsch auf sein wei?es Antlitz und brannte wie Feuer. Und Wassili Zarewitsch erwachte und sieht, da? der schreckliche Drache gekrochen kommt; er zog seinen scharfen S?bel, schwang ihn gegen den Hals und schlug dem Drachen den scheu?lichen Kopf ab. Den Rumpf packte er und warf ihn ins Meer, den scheu?lichen Kopf aber legte er unter einen Stein.
Und Wassili Zarewitsch sagte zu der sch?nen Jungfrau:
„Seht Ihr, ich bin am Leben, und Ihr seid am Leben!»
„Dank, Wassili Zarewitsch; ich will f?r ewig deine Frau sein!»
Wassili Zarewitsch machte sich auf den Weg zu seinem Bruder, zu Iwan Zarewitsch. Kommt hin und bringt nichts mit.
„Hab nichts gefunden, Bruder.»
Diese sch?ne Jungfrau aber stammte aus einem fremden Zarenreich. Jede Nacht wurde von dort eine andere an diese Stelle gebracht. Der fremde Zar hatte einen Hofnarren, und der Zar schickt den Narren, in der H?tte nach dem Rechten zu sehen. Der Narr spannte ein dreibeiniges Pferd vor ein klappriges W?gelchen, legte ein Fa? darauf und fuhr zum Meer, Wasser zu holen. Er betritt die H?tte — da sitzt die sch?ne Jungfrau quicklebendig da. Er nun, der Narr, nahm sie auf seine Arme, setzte sie auf das Fa? und fuhr sie nach Hause. Und der Narr sagte zum Zaren:
„Ich», sagt er, „habe Euren Drachen erschlagen!»
Der Zar freute sich sehr und gab ihm seine Tochter (die er zur?ckgebracht hatte) zur Frau. Das war vielleicht ein Fest! Die T?ren standen weit offen, und die Schenken hatten alle ge?ffnet. Wein gab es f?sserweise zu trinken. Und auf dem Fest war es lustig und wurde getanzt wie noch nie. Nun lebte der Narr mit ihr, wurde reich und verga? die schlechten Zeiten. Wassili Zarewitsch aber und Iwan Zarewitsch bestiegen ihre wackeren Pferde und machten sich auf den Weg in das fremde Reich, wo dieses Fest ist. Sie kommen zum Zaren. Der Zar begr??t sie und erweist ihnen alle Ehre, und Wassili Zarewitsch sagte:
„Was ist das f?r ein Fest bei dir, Zar?»
Antwortet ihm der Zar:
„Ich verheirate meine Tochter.»
Wassili Zarewitsch sagte:
„Und zwar mit wem?»
„Mit dem Hofnarren.»
„Und aus welchem Grunde?»
„Er hat sie vom Tode bewahrt.»
Und der Zar erz?hlte ihm die Geschichte, da? sie jede Nacht einen Menschen dorthin gebracht hatten, der gefressen wurde. Sie hatten die Toch¬ter hingebracht, die sollte aufgefressen werden, die Narrenfratze aber war nach Wasser ans Meer gefahren und hatte dem Drachen den Kopf abgeschlagen und die Tochter lebendig zur?ckgebracht. Da hatten sie sie kurzerhand mit ihm verheiratet. Wassili Zarewitsch sagt:
„Fremder Zar, man m??te sich diesen toten Drachen einmal ansehen. Ruft Euren Schwieger¬sohn; er soll ihn uns zeigen, wo er liegt.»
Der Narr wurde gerufen.
„Komm mal, Narr, komm mit uns», sagte Wassili Zarewitsch, „zeig, wo der Drache liegt!»
Er war sehr traurig, da? der Narr bei seiner Auserw?hlten liegt.
Der Narr f?hrt sie zum Meer und sagt:
„Hier liegt er.»
Wassili Zarewitsch sagt:
„Bringt mal Schleppnetze und ein paar geschickte Leute herbei! Wer kann mit dem
Schleppnetz fangen und das Meer entlang waten?»
Es fanden sich geschickte Leute, sie warfen die seidenen Schleppnetze aus — aber an der Stelle war nichts. Er aber, der Narrenkerl, sah nieman¬den an.
Wassili Zarewitsch sagt:
„Ihr Herren Fischer! Werft die Netze hier aus!»
Sie warfen die Schleppnetze aus und zogen das f?rchterliche Ungeheuer heraus — den Rumpf. Und Wassili Zarewitsch sagte:
„Nun sag doch mal, Narr, wo ist sein Kopf?»
Der wei? nicht, was er antworten soll.
„Hier, Narr ist der Kopf: unter dem Stein.»
Der Narr geht zu dem Stein und kann ihn nicht von der Stelle r?cken.
Wassili Zarewitsch sagte:
„Du hast verspielt, Narr: nicht du hast den Drachen erschlagen!»
Wassili Zarewitsch hob den Stein in die H?he und zog den Kopf hervor und sagte zu dem fremden Zaren:
„Ich habe Euren Drachen umgebracht!»
Der fremde Zar entbl??te seinen scharfen S?bel und schlug dem Narren das freche Haupt ab, weil er gelogen hatte, seine Tochter aber traute er Wassili Zarewitsch an. Da wurde getrunken und gefeiert, da waren sie lustig und lie?en es sich eine Zeitlang gut sein. Und Iwan Zarewitsch sagte zu seinem Bruder Wassili Zarewitsch:
„Ich gratuliere dir zum Ehestand! Du hast eine Braut gefunden, wo soll ich aber eine suchen? Ich mu? wohl durch die weite Welt fahren, die mir Bestimmte zu suchen.» Sie setzten sich an den Tisch, um Tee zu trinken, und als der Abend kam, legten sie sich in verschiedenen Zimmern zur Ruhe. Wassili Zarewitsch fragt seine junge Frau:
„Wie ist das, gibt’s auf dieser Welt jemanden, der sch?ner ist als du und tapferer als ich?» Die sch?ne Jungfrau sagte zu ihm: „Was ist schon meine Sch?nheit! Hinter dreimal neun L?ndern, im zehnten Reich wohnt die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf, die ist einzig sch?n: nur sie zu bekommen ist schwer. Dort ist noch der Recke Karka, gro? und breit wie ein Heuschober. Wei? nicht, wer von euch st?rker ist.»
Wassili Zarewitsch sagte zu seinem Bruder Iwan Zarewitsch:
„Dort, Bruder, haben wir dir eine Braut bestimmt.»
Iwan Zarewitsch nahm Abschied von ihnen und machte sich auf seinen weiten Weg. Er nahm ein scharfes Messer in die H?nde und sagt:
„Wenn sich dieses scharfe Messer mit Blut ?berzieht, dann bin ich nicht mehr am Leben.»
Und ritt ins freie Feld, in die wilde Steppe, die f?r ihn Bestimmte zu suchen. Ritt er nun lange oder kurze Zeit, jedenfalls steht da auf einmal eine H?tte, dreht sich auf einem H?hnerbein:
„H?tte, H?tte! Stell dich zu mir mit der Vorder- seit, zum Wald mit der Hinterseit!»
Die H?tte stellte sich zu ihm mit der Vorderseite und zum Wald mit der Hinterseite. Drin liegt eine
Hexe, eine Baba-Jaga, hat die Beine in die Ecken gestemmt und ihre schreckliche gro?e eiserne Nase gegen die Decke gestemmt.
„Na, Iwan Zarewitsch, fliehst du vor etwas, oder suchst du etwas?»
Iwan Zarewitsch antwortet ihr:
„Ich fliehe nicht vor etwas, aber um so mehr suche ich etwas: Ich bin auf dem Wege durch dreimal neun L?nder, ins dreimal zehnte Reich, die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf zu finden.»
„Och», sagt die Baba-Jaga, „es ist schwer, sie zu bekommen, und schwer, sie zu gewinnen! Sie ist sehr weit weg. Reite noch so viel und noch halbsoviel und noch viertelsoviel.»
Iwan Zarewitsch bestieg sein wackeres Pferd und ritt los. Ritt und ritt und kam an einen riesigen Wald und hatte argen Hunger. Da steht eine riesengro?e Eiche, und auf der Eiche summen laut die Bienen. Er stieg von seinem wackeren Pferd, kletterte auf die gr?ne Eiche und wollte etwas Honig essen. Da sagt die Bienenmutter:
„R?hr meinen Honig nicht an, Iwan Zarewitsch: ich werde dir noch einmal n?tzlich sein!»
Iwan Zarewitsch verlie? sich so sehr auf ihre Worte, da? er von der Eiche auf die k?hle Erde herabsprang; er bestieg sein wackeres Pferd und ritt weiter, wohin sein Weg ihn f?hrt. Er kann nicht mehr auf dem Pferde sitzen: hat t?chtigen Hunger. Da kommt eine Maus gerannt. Iwan Zarewitsch springt von seinem wackeren Pferd, packt zu und will sie essen. Die Maus sagt zu Iwan Zarewitsch:
„I? mich nicht: ich werde dir noch einmal n?tzlich sein!»
Iwan Zarewitsch lie? sie laufen und ritt weiter. An einer gro?en Stra?e ist eine kleine Wasserlache, darin kriecht ein Krebs herum. Iwan Zarewitsch freute sich sehr ?ber ihn, will ihn fangen und auf einem Feuer braten. Der Krebs sagt zu ihm:
„Ach, Iwan Zarewitsch, wenn du dich auch auf mich freust, so la? mich dennoch in Ruhe: ich werde dir noch n?tzlich sein.»
Iwan Zarewitsch wurde sehr b?se und warf den Krebs ins Wasser.
„Die Pest ?ber dich! Und trotzdem werde ich am Leben bleiben, werde nicht sterben!»
Und wieder ritt er weiter. Ritt er nun viel oder wenig, lange Zeit oder kurze Zeit, jedenfalls kam er zu Karka dem Recken. Kommt hin, trifft ihn aber nicht zu Hause an, nur seine Mutter. Die er¬blickte ihn und erkannte ihn auf der Stelle.
„Ach, Iwan Zarewitsch, schon lange wartet Karka der Recke auf dich!»
Iwan Zarewitsch sagt:
„Sag mir doch. Gro?m?tterchen, wo ist er?»
„Das dritte Jahr ist er nach einer Braut unterwegs.»
„In welcher Richtung?»
„Zur Jungfrau Zar. Das dritte Jahr reitet er und kann seine Auserw?hlte nicht bekommen; er w?nscht dich sehr herbei und ist sehr b?se auf dich: ,Ach, lie?e er sich nur hier sehen — bei lebendigem Leibe fr??e ich ihn auf!’ Aber geh erst mal ‘raus aufs freie Feld, in die wilde Steppe, und nimm das Fernrohr, ob Karka der Recke nicht geritten kommt. Wenn er mit freudiger Nachricht reitet, fliegt ein edler Falke vor ihm her, wenn er aber traurig reitet, kreist ein schwarzer Rabe ?ber ihm.»
Iwan Zarewitsch guckte durchs Fernrohr und erblickte Karka den Recken, und ?ber seinem Kopf kreist ein schwarzer Rabe.
Da sagte Iwan Zarewitsch zu der Alten:
„Er kommt ungl?cklich.»
„Nun», sagt die Alte, „wohin soll ich dich jetzt stecken? Er ist ?rgerlich.»
Sie schlie?t einen kleinen Speicher auf und versperrt ihn mit einem Schlo?.
„Hier», sagt sie, „leg dich hin. Ich will ihn zuerst mit einem Schn?pschen bewirten und von dir berichten.»
Karka der Recke erschien und sagt zu seiner Mutter:
„Gib mir bitte was zu trinken, Mutter!»
Die Alte go? ihm ein Gl?schen Gebrannten ein; er trank das Gl?schen aus und war nicht betrunken.
„Gib mir noch eines, Mutter!»
Er trank das zweite aus und wurde guter Laune. Die Mutter fragt ihn:
„Und wo ist deine Auserw?hlte, S?hnchen?»
„Ich hab mich so geplagt, Mutter!»
„Und wenn Iwan Zarewitsch k?me?»
„Da w?re mir aber wohl: ich holte mir die Jungfrau Zar, nicht allein, sondern mit ihm, und unterwies ihn, wie er die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf bekommen kann.»
Die Alte sagt:
„Du w?rdest ihn also jetzt nicht anr?hren?»
„Was denkst du, Mutter! W?re er jetzt bei mir, bei den H?nden n?hme ich ihn und k??te ihn auf seinen s??en Mund.»
Die Herrin, seine Mutter, sagt:
„Er ist hier, S?hnchen, schl?ft im Speicher.»
Da freute sich Karka, ging selber in den Speicher, nimmt ihn bei den H?nden, setzt ihn an einen Eichentisch und bewirtet ihn mit Tee und Schnaps. Und Karka der Recke sagte:
„Ach, Bruder Iwan Zarewitsch, und ich habe nur von dir geh?rt, wie du geboren wurdest und in der Wiege schaukelst!»
Iwan Zarewitsch sagt:
„Ich schaukle nicht in der Wiege, sondern streife auf meinem wackren Pferd durch die wilde Steppe. Ich bin nicht gewohnt, im Zarenreich als Zar zu herrschen, ich bin gewohnt, ?ber die wilde Steppe zu fliegen und viel Leid zu erfahren.»
„Und warum, Iwan Zarewitsch, streifst du auf deinem wackeren Pferd durch die wilde Steppe, was suchst du?»
„H?r zu», sagt Iwan Zarewitsch, „hinter dreimal neun L?ndern, im dreimal zehnten Reich lebt die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf, ich m?chte sie gewinnen und zur Frau nehmen.»
Karka der Recke sagt:
„Es ist schwer, sie zu holen, und man mu? einmal sterben, Leib und Knochen in der wilden Steppe verstreuen.»
„Ach, lieber Bruder, Recke Karka, wer keinen Verlust ertragen will, der wird als Handelsmann keinen Gewinn zu sehen bekommen; und wenn wir Recken nicht durch die weite Welt fliegen und eine sch?ne Auserw?hlte nicht suchen wollten, das br?chte uns keine Ehre, keinen Ruhm, wenn wir nicht durch die weite Welt fliegen, keine Not ertragen wollten.»
„Nun», sagt Karka, „dieses M?rchen wollen wir sein lassen, Iwan Zarewitsch, und ein neues beginnen.»
Da begann ein Erz?hlen, begann ein Fabulieren, von Siwka-Burka, der graubraunen Stute, von der weinl?sternen Henne und vom angriffslustigen Winterferkelchen. Jetzt wird’s dem Ferkelchen zu dumm, es wirft den M?rchenerz?hler um, da setz¬te sich der M?rchenerz?hler, es war Speckbein, an den Wegrain, wo das Schwein kam. Karka der Recke sagt:
„Nun, Bruder, ich habe meinen Spa? gemacht, und damit soll’s gut sein. Aber frag mal eine Gans, ob ihr die F??e nicht kalt werden. Ich reite das dritte Jahr, um meine Auserw?hlte zu bekommen. Wohlan, hilf mir und h?r zu, was ich dir erz?hle: Meine Braut hat vierzig Schmiede; sobald die vierzigmal zugeschlagen haben, werden auf der Stelle vierzig Kriegssoldaten geboren, ausger?stet und kampfbereit. Und dann hat meine Braut noch vierzig M?dchen; die sitzen in einem
Zimmer, jedes M?dchen hat vierzig Nadeln, und sobald eine mit einer Nadel einen Stich gemacht hat, ist auch schon ein Soldat kampfbereit. Ich werde die Soldaten erschlagen, und du wirst die Schmiede niederhauen; ich werde die Braut lie¬ben, und du wirst die M?dchen erschlagen.»
Iwan Zarewitsch sagt:
„Sterben will ich mit dir, Bruder!»
Sie sa?en auf und ritten los. Sie kamen ins Jungfrauenreich zur Jungfrau Zar.
„Bruder Iwan Zarewitsch, komm nicht zu nah heran, sondern geh durch die Zimmer, hau die M?dchen nieder, erschlag die Schmiede und komm mir nicht zu nahe!»
Sie waren also losgeritten und bald an ihr Ziel gekommen. Sie begannen, die Streitmacht niederzuhauen, die sch?nen M?dchen zu erw?rgen, und nahmen die Jungfrau Zar gefangen. Das war dort kein Bierbrauen, das war kein Weinbrennen, sondern es ging darum, die Jungfrau Zar gefangenzunehmen. Die Schmiede erschlugen sie, die sch?nen M?dchen hieben sie nieder, und die Jungfrau Zar nahmen sie gefangen. Karka der Recke nahm sie und dr?ckte sie fest ans Herz, und sie machten sich mit ihr auf den Heimweg. Auf einmal merkte Karka der Recke, da? Iwan Zarewitsch nicht bei ihm war.
„Ach», sagt er, „Mutter, ich habe ihn wohl erschlagen!»
Iwan Zarewitsch aber sagt:
„Ja, ja, Bruder, ich bin hier!»
Da tranken und feierten sie und waren lustig.
„Komm, Iwan Zarewitsch, trinken wir das dritte Glas! Ich trinke, feiere, bin lustig und habe keine Angst vor Vater und Mutter!»
„Ach, Recke Karka, der Kopf tut mir weh, ich kann nicht mehr.»
Er trinkt keinen Tee und nimmt keinen Schnaps.
„Leg du mich an die frische Luft, wo sie am leichtesten ist!»
Iwan Zarewitsch denkt bei sich: „Ob Karka der Recke mir wohlwill oder nicht? Ich will doch ein¬mal absichtlich krank werden.»
Und er wird krank und kann die Beine nicht mehr bewegen. Karka der Recke pflegte ihn wie ein kleines Kind; trug ihn in den gr?nen Garten und legte ihn auf eine Bettstatt aus gehobelten Brettern, wo der Wind ihn erfrischen kann. Nun liegt Iwan Zarewitsch im Garten auf der Bettstatt.
„Nun, Recke Karka», sagt Iwan Zarewitsch, „hab Dank, du hast mich Kranken wohl aufge¬nommen.»
Es verstrich ein wenig Zeit. Da sagt Iwan Zarewitsch:
„Bruder, wir wollen Branntwein trinken.»
Karka der Recke freute sich sehr, rannte selbst nach dem Branntwein, gab ihm Schnaps und Tee zu trinken und schmeichelte ihm mit Worten:
„Ach du mein lieber Bruder, wie f?hlst du dich nach der Krankheit?»
„Nun, Gott sei Dank, das Alte ist noch beim alten, aber Neues ist nichts. Lange habe ich hier mit dir gefeiert, Recke Karka, hab meinen Weg verloren. Was ich mir vorgenommen habe, mu? ich tun, und wohin ich mu?, dorthin mu? ich auch reiten.»
Karka der Recke sagt:
„Wohin du’s f?r richtig h?ltst, dorthin reitest du auch.»
„Und wohin ich wollte, Bruder, dorthin reite ich auch!»
„Wenn ich dich nicht unterweise, Bruder Iwan Zarewitsch, wie du sie bekommen und wie du sie halten kannst, wirst du nicht mit dem Leben davonkommen.»
Da brach Iwan Zarewitsch in Tr?nen aus, wischte sie mit einem Handtuch wieder ab und sagt:
„So soll’s denn sein, und leb wohl!»
Bestieg sein wackeres Pferd und ritt los. Er versetzte seinem wackeren Pferd einen Hieb, schlug es gegen die Rippen, schlug die Haut durch bis aufs Fleisch, schlug das Fleisch durch bis auf die Knochen, brach die Knochen durch bis aufs Mark — sein wackeres Pferd sprang ?ber Berge und T?ler und brachte die dunklen W?lder zwischen seine Beine. Es war ein Ritt f?r drei Jahre, er war in drei Stunden am Ziel. Kommt an den Ort, wohin er mu?te, geht eine breite Stra?e entlang und fragt rechtgl?ubige Leute:
„Wo wohnt die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf?»
Es kommt ihm eine Alte entgegen, eine Weihbrotb?ckerin, die bei der sch?nen Maria mit dem schwarzen Zopf wohnt und das Essen f?r sie bereitet.
„Gro?m?tterchen Weihbrotb?ckerin, sei sch?n friedlich! Wo kann ich die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf treffen?»
„Was willst du von ihr, Wanjuschka?»
„Ich will sie sehen, auf den s??en Mund k?ssen und zur Frau nehmen.»
„Geh und kauf verschiedene Blumen, Wanjuschka, und verschiedene Wohlger?che, und ich will gehen und sie zu Gast laden. Du, wackerer Held, leg dich aufs Sofa, schlaf aber nicht etwa, sondern halt die Ohren offen, was geschehen wird.»
Iwan Zarewitsch legte sich also hin, die Weihbrotb?ckerin ging zur sch?nen Maria mit dem schwarzen Zopf und sagt:
„Guten Tag auch, sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf. Komm doch bitte mich besuchen!»
Die sch?ne Maria freute sich und ging sie besuchen. Betritt ihr Zimmer, da war das Zimmer mit fremden Blumen geschm?ckt und mit verschiedenen Wohlger?chen. Die sch?ne Maria sagt:
„Woher hast du die fremden Blumen und die verschiedenen Wohlger?che, Gro?m?tterchen?»
„Was auf dem Meere schwimmt, kannst du nicht alles haben, und was die Leute reden, kannst du nicht alles h?ren. Komm, Maria, wir wollen uns setzen und uns etwas ausdenken.»
„Und was ist bei dir in der Kammer? Wer liegt bei dir auf dem Sofa, Gro?m?tterchen?»
„Sieh doch nach.»
Die sch?ne Maria ging zum Sofa und fragt:
„Was ist das f?r ein Mann? Wie gern m?chte ich ihn k?ssen l»
Die Alte hinderte sie nicht und lieg sie k?ssen. Sie k??te ihn. Nun, und Iwan Zarewitsch war nicht bl?de, er hielt sie auf einmal fest. Er hielt sie fest, k??te sie auf ihren s??en Mund und dr?ckte sie fest an sein Herz. Iwan Zarewitsch sagt:
„Habe Dank, Gro?m?tterchen, da? du mich hergef?hrt und Marjuschka zu mir gebracht hast.»
Die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf aber sagt:
„Ich will auf ewig dein sein, dein Eheweib, und mich nicht von dir trennen. Besteig dein wackeres Pferd, Wanjuschka, und nimm mich mit. Ich bleibe bei dir, Wanjuschka!»
Sie sa?en auf und ritten auf Iwans wackerem Pferd davon.
Die sch?ne Maria hatte zw?lf Br?der, die kamen sie besuchen, aber die sch?ne Maria war nicht zu Hause. Sie fragten die Alte:
„Wo ist denn unsere leibliche Schwester, die sch?ne Maria?»
Die Alte sagt:
„Der B?sewicht Iwan Zarewitsch war hier, und sie sind fortgeritten.»
Da brachten die Br?der eine scheckige Stute mit zw?lf Blessen herbei, setzten sich jeder auf eine Blesse, setzten sich und ritten los.
„Wir holen ihn ein, den B?sewicht, rei?en ihn in St?cke, und die sch?ne Maria nehmen wir ihm weg!»
Nur wenig Zeit verging, da hatten sie ihn eingeholt und nahmen ihm die Schwester weg; ihn hackten sie in St?cke und warfen sie in die wilde Steppe. Das Blut flie?t in die k?hle Erde, das Fleisch hacken die Raben.
Bei seinem lieben Bruder Wassili Zarewitsch aber, bei seiner jungen Frau, wich aller Glanz aus den Augen: sie sah das scharfe Messer voll Blut und sagte zu ihrem Mann:
„Sieh dir einmal das scharfe Messer an: dein Bruder ist nicht mehr am Leben.»
Wassili Zarewitsch sagt zu seiner Frau: „Ach, ich wei? ja ?berhaupt nichts davon. Oh, er wird wohl tot sein!»
Auf dem Hofe des Zarenschlosses nun stand ein gro?er, gro?er verkr?ppelter Eichbaum; in diesem Eichbaum war das Wasser des Lebens und des Todes verschlossen. War dort verschlossen und tat sich niemandem auf. Da geht Wassili Zare- witschs Frau zu dem verkr?ppelten Eichbaum, weint und bittet:
„Ach V?terchen, alter verkr?ppelter Eichbaum, gew?hre mir um Gotteslohn vom Wasser des Todes und des Lebens!»
Der Eichbaum tut sich nicht auf, und aus dem Eichbaum kommt kein Wasser. Sie ging umher und immer umher und h?rmte sich sehr ab: die Beine versagen ihr, und sie kann ihr stolzes Haupt nicht mehr auf den Schultern halten. Sie hatte zwei leibliche Schwestern, fromme M?dchen, die fragen sie:
„Was bist du so abgeh?rmt, Schwesterchen, was bist du so traurig, Schwesterchen, was weinst du, Schwesterchen?» Sie antwortet ihnen:
„Wie soll ich nicht weinen? Speise nehme ich nicht zu mir, die dunklen N?chte schlafe ich nicht, gehe immer auf Vaters weiten Hof, zum verkr?ppelten Eichbaum, alle N?chte hab ich dort gestanden, hab den verkr?ppelten Eichbaum angefleht: ,Ach V?terchen, verkr?ppelter Eichbaum, gew?hre mir um Gotteslohn vom Wasser des Todes und des Lebens!
„Und wozu brauchst du Wasser des Lebens und des Todes, Schwesterchen?»
„Ach, Schwestern, ihr kennt meinen Kummer nicht, da? mein lieber Schwager gestorben ist, Wassili Zarewitschs Bruder und auch der meine.»
„Komm, Schwesterchen, auch wir wollen mit dir zu Gott flehen und den verkr?ppelten Eichbaum bitten, ob er’s uns vielleicht gew?hrt.»
Alle drei Schwestern machten sich auf, entboten dem Eichbaum mittern?chtliche Verneigungen, vergossen Tr?nen aus ihren Augen und sagten zum Eichbaum:
„Ach V?terchen, verkr?ppelter alter Eichbaum, gew?hre uns um Gotteslohn vom Wasser des Lebens und des Todes!»
Auf einmal tut sich die verkr?ppelte Eiche auf, und das Wasser flie?t heraus. Wassili Zarewitschs Frau f?llte zwei Fl?schchen und sagt:
„Du mein lieber Mann Wassili Zarewitsch! Sattle doch dein wackeres Pferd und la? uns reiten, wohin ich gebiete, und la? uns unseren Bruder Iwan Zarewitsch in der wilden Steppe suchen!»
Sie sa?en auf und ritten los und kamen an die Stelle, wo Iwan Zarewitschs Fleisch verstreut lag. Sie sammelten das Fleisch, legten die Glieder zusammen, bestrichen sie mit Wasser des Todes und besprengten sie mit Wasser des Lebens.
Iwan Zarewitsch stand auf, sch?ttelte sich, blickte nach allen vier Himmelsrichtungen und sagt:
„Ach, wie habe ich lange geschlafen!»
Die Schw?gerin antwortet ihm:
„W?ren wir nicht, du schliefst in alle Ewigkeit.»
„Habe Dank, Schwester, du hast dich meiner erbarmt; nun leb wohl und la? mich auch k?nftig nicht im Stich!»
Sa? auf und ritt davon. Wir wollen das jetzt las¬sen und etwas anderes anfangen. Woher er also gekommen war, dort ritt er auch wieder hin. Iwan versetzte seinem wackeren Pferd einen Schlag mit der seidenen Peitsche; sein wackeres Pferd wurde b?se und jagte eilends mit ihm dahin. Iwan Zarewitsch kommt in jene Gegend, wo die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf lebte. Fand die Alte, die Weihbrotb?ckerin, und die sagt zu ihm:
„Iwan Zarewitsch, reite, wohin ich dich schicke: durch dreimal neun L?nder, ins zehnte Reich. Ich will dich unterweisen, wie du Maria bekommen, wie du sie gewinnen kannst. Du mu?t lange Zeit leiden. Reite zu ihrer Gro?mutter, diese Gro?mutter hat zw?lf T?chter. Das sind M?dchen, lauter M?dchen, werden aber mit einem Male Stuten, lauter Stuten. Wenn du zu der Alten auf den Hof kommst, sage zu ihr:
,Liebes Gro?m?tterchen! Hast du nicht ein Pferd zu verkaufen?’
Die Alte wird zu dir sagen: ,Ich habe zw?lf Stuten, die sind nicht zu verkaufen, nur zu vererben. Aber ich gebiete dir, sie drei Tage zu h?ten, und f?r die Arbeit kannst du dir das beste Pferd nehmen; h?test du sie aber nicht und treibst sie nicht heim, dann werde ich mich an deinem Fleisch satt essen und an deinem Blut satt trinken!
Iwan Zarewitsch denkt bei sich: „Ich will’s doch versuchen! Zwei Tode werde ich nicht erleiden, und einem kann ich nicht entgehen, und ich wei?, f?r wen ich verderbe.»
Er verdingte sich kurzerhand bei der Alten, und am Morgen, h?h, h?h, trieb er die Pferde auf die Weide. Trieb sie auf die gr?nen Wiesen. Die Alte hatte ihm einen Fladen mit einem Schlafmittel gebacken. Er nahm ihn, bi? hinein und sank in einen tiefen Schlaf. Die Pferde liefen auf den Wiesen nach allen Richtungen auseinander und tauchten in den B?schen unter. Er schlief fest und blieb bis zum Abend liegen.
Das erfuhr die Bienenmutter auf der Eiche und sagt zu ihren Kindern:
„Fliegt los, meine Kinder, in die gr?nen Wiesen! Wanjuschka schl?ft fest, wird nicht munter. Weckt ihn und treibt seine Pferde zusammen!»
Und eine Biene war dabei, die war sehr stark; sie fliegt zu Wanjuschka und sticht ihn in sein wei?es Gesicht. Wanjuschka wurde munter und vergo? bittere Tr?nen: auch nicht ein einziges Pferd ist da, und er wei? nicht, wo er sie suchen soll, und er hat nichts heimzutreiben. Da sagt die Biene:
„Nimm deine Knute, Wanjuschka, und warte hier. Wir treiben sie dir her.»
Alle Bienen versammelten sich, um ?ber die gr?nen Wiesen zu fliegen, begannen zu fliegen, zu brummen, die Stuten zusammenzutreiben, und ?bergaben sie Wanjuschka.
„Jetzt aber los, Wanjuschka, treib sie!»
Wanjuschka, nicht faul, trieb sie mit seiner Knute zu der Alten.
„Hier hast du sie, Gro?m?tterchen; ich hab deinen Befehl ausgef?hrt.»
„Na sch?n, Wanja, warte ab, was morgen sein wird.»
Am n?chsten Morgen steht die Alte auf und gibt Wanjuschka den Befehl:
„Hier nimm, Wanjuschka, treib sie aus und treib sie unversehrt wieder heim! Hier hast du einen Fladen f?r deine Arbeit.»
Er nahm den Fladen, barg ihn auf der Brust unterm Hemd, trieb die Stuten auf die gr?nen Wiesen, und die Stuten gehen so friedlich, rupfen Gras, schl?rfen etwas Quellwasser, laufen ein wenig umher und legen sich ein bi?chen hin. Wan- juschka wollte etwas essen, holte ein St?ck Fla¬den unter dem Hemd hervor, bi? kr?ftig hinein und war bald eingeschlafen. Er denkt, nicht lange — da hatte er bis zum Abend geschlafen. Die Stuten aber verschwanden in den B?schen, in den B?schen und den Mausel?chern. Da war auf ein¬mal die M?usemutter, die lief ?ber den Weg und war dick und drall. Die alte Maus befahl, Wanjuschka zu wecken und die Stuten zusammenzutreiben. Die alte Maus kam herbeigelaufen.
„Wanjuschka, die Alte wartet deiner im Hof, und du machst uns hier Sorgen! Du mu?t aufste¬hen und die Stuten heimtreiben.»
Wanjuschka stand auf, sch?ttelte sich, vergo? bittere Tr?nen und sagte:
„Ach du mein M?tterchen, alte Maus! Du solltest meiner Guttat gedenken und die Stuten hertreiben!»
Die alte Maus schickte ihnen alle jungen M?use nach, trieb alle Stuten zusammen, und Wanjuschka trieb sie heim.
„Hier hast du sie, Gro?m?tterchen, zwei Tage habe ich schon geh?tet.»
„Wanjuschka, treib morgen noch einmal aus. Morgen ist’s weiter, und du mu?t mehr Brot mit¬nehmen.»
Wanjuschka stand zeitig auf, machte sich auf den Weg und trieb aus. Er bekam Hunger, bi? vom Fladen ab und schlief ein; schlief bis zum Abend. Die Pferde tauchten in den B?schen unter, aber der Krebs sah’s, trieb sie alle zu Wanjuschka zur?ck und weckte ihn. Wanjuschka trieb die Stuten heim.
„Jetzt ist’s genug, Gro?m?tterchen, ich bin nicht dein Diener, und f?r die Arbeit will ich Geld, und wenn kein Geld, dann M?dchen!»
„W?hl dir irgendeine Stute aus, Wanjuschka!» (Es waren aber keine Stuten, sondern sch?ne M?dchen.)
Wanjuschka legte sich schlafen, und von den zw?lfen kommt die ?lteste Schwester zu ihm und l??t ihn wissen:
„Woran denkst du, Wanjuschka?»
„Wei? selber nicht, woran ich denke.»
„Nimm mich zur Frau; ich will dich Gutes lehren.»
Wanjuschka gab ihr die Hand und sagte:
„Du sollst f?r immer meine Frau sein!»
„Pa? auf, Wanjuschka, sei gescheit: wir sind zw?lf — elf N?rrinnen, die j?ngste aber ist ein Schlaukopf. Man wird uns alle an die Krippe stellen und allen Hafer vorsch?tten: wir werden alle fett und glatt sein; unsere j?ngste Schwester aber ist eine schnelle Rennerin, die wird in der Krippe liegen. Die nimm und sage zur Gro?mutter: ,Hier, die d?rre ist mir recht!’ Heb sie aus der Krippe, reib sie mit einem Strohwisch ab, binde sie an deinen G?rtel und sag zur Gro?mutter: ,Damit genug und leb wohl!
Das machte Wanjuschka auch. Er bestieg sein Pferd und ritt davon zu der alten Weihbrotb?cke- rin; kam an und fragt:
„Wie steht’s, Weihbrotb?ckerin, wie kann ich die sch?ne Maria mit dem schwarzen Zopf sehen? Denkt sie noch an mich?»
Die sagt:
„Wir haben geglaubt, du bist nicht mehr am Le¬ben, und wer von uns beiden dich erw?hnen w?rde, dem sollte es den Kopf kosten. Nun leg dich aber ein Weilchen hin, Wanjuschka, ich will zu ihr gehen.»
Die Weihbrotb?ckerin kommt zur sch?nen Maria:
„Guten Tag, Marjuschka!»
„Guten Tag, Gro?m?tterchen!»
„Komm, Marjuschka, spielen wir ein wenig Karten!»
Sie spielten also ein wenig. Die Alte bekam die Dame, Maria aber den K?nig.
Da sagt die Alte:
„Was f?r ein sch?ner K?nig das ist, Marjuschka.»
„Als w?r’s Iwan Zarewitsch, Gro?m?tterchen!»
„Ach, Marjuschka, das ist wohl wahr, aber auch schlimm. Gib mir mal ein stumpfes Beil, ich will dir den Kopf abschlagen. Wir haben doch ausge¬macht, wer als erster Iwan Zarewitsch erw?hnt, den soll es den Kopf kosten.»
„Nun ja. Gro?m?tterchen, la? es nur gut sein. Hier ist niemand, und wenn er hier w?re, ich w?rde mich von ihm nicht trennen.»
„Wanjuschka liegt auf dem Sofa, Marjuschka!»
Marjuschka rannte hin, erblickte Wanjuschka und k??te ihn auf den s??en Mund.
„Nun, Wanjuschka, wenn du stirbst, will ich’s mit dir!»
„Bleib ich nur am Leben, Marjuschka, wirst auch du am Leben bleiben!»
Sie bestiegen die Stuten und ritten los.
Nun kommen ihre leiblichen Br?der und fragen die Alte:
„Und wo ist unsere Schwester?»
Die Alte sagt:
„Iwan Zarewitsch hat sie entf?hrt.»
„Wir haben ihn in St?cke gehauen, aber anscheinend zu wenig!»
Die zw?lf Br?der setzen sich auf die zw?lf Blessen, setzen sich und flogen davon wie ein junger edler Falke. Sie kamen Wanjuschka n?her. Wanjuschka schlug der Stute die Schenkel. Da fuhr die Stute in die H?he wie ein wei?er Schwan. Die scheckige Stute h?her, aber die Stute unter Iwan noch h?her. Sie kamen zum V?terchen, das V?terchen aber war schon ganz alt. Iwan Zarewitsch sagt:
„Guten Tag, V?terchen!»
Der freute sich, warf sich Wanjuschka an die wei?e Brust, und sie k??ten sich.
„Ach, das ist gut, Wanjuschka, da? du in deine Heimat zur?ckgekommen bist.»
Das ist des M?rchens Schlu?, erz?hlt hat’s ein wackrer Bursch, bringt uns Burschen Bier im Glas, f?rs M?rchenerz?hlen Schnaps im Glas.

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