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Jemelja der Dummkopf

In einem kleinen Dorf lebten drei Br?der: Semjon und Wassili und als dritter Jemelja der Dummkopf.
Die ?lteren Br?der waren verheiratet und trieben Handel, Jemelja der Dummkopf aber lag die ganze Zeit auf dem Ofen, kratzte im Ru? und schlief mehrere Tage hindurch, ohne munter zu werden.
Einmal beschlossen die Br?der, in die Residenzstadt zu fahren, um Waren einzukaufen. Sie weckten Jemelja, zerrten ihn vom Ofen herunter und sagen zu ihm: „Jemelja, wir fahren in die Residenzstadt, verschiedene Waren zu kaufen. Blei¬be du hier bei den Schw?gerinnen und gehorche ihnen, wenn sie dich bitten, ihnen bei irgend etwas zu helfen. Gehorchst du ihnen, dann bringen wir dir aus der Stadt einen roten Kaftan, eine rote M?tze und einen roten G?rtel mit, und au?erdem noch viel N?schereien.» Jemelja aber hatte rote Kleider am liebsten, er freute sich auf die sch?nen Sachen und klatschte vor Vergn?gen in die H?nde: „Alles will ich f?r eure Frauen tun, Br?der, wenn ihr mir nur so sch?ne Sachen zum Anziehen kauft!» Und damit klettert er wieder auf den Ofen hinters Ofenrohr und fiel sogleich in einen tiefen Schlaf. Die Br?der nahmen Abschied von ihren
Frauen und machten sich auf den Weg in die Re-sidenzstadt.
Jemelja schl?ft einen Tag, schl?ft auch einen zweiten Tag, am dritten aber wecken ihn seine Schw?gerinnen: „Steh auf, Jemelja, komm herunter vom Ofen, du mu?t doch ausgeschlafen ha¬ben, schl?fst ja schon den dritten Tag! Geh zum Flu?, Wasser holen!» Er aber antwortet ihnen: „La?t mich in Ruh, ich bin sehr m?de. Ihr seid doch keine Gr?finnen, geht selbst nach Wasser!» — „Du hast doch deinen Br?dern gerade erst versprochen, da? du uns gehorchen willst. Und jetzt sperrst du dich schon. Da m?ssen wir deinen Br?¬dern schreiben, sie sollen dir keinen roten Kaftan kaufen, keine rote M?tze, keinen roten G?rtel und auch keine N?schereien.» Da sprang Jemelja schnell vom Ofen herunter, zieht seine zerrisse-nen Stiefel an und seinen elenden Kaftan und ist ganz schmutzig von Ru?. Eine M?tze aber trug er nie, denn seine Haare waren borstig und hart wie ru?beschmierte Flachsspindeln. Er nahm die Eimer und ging zum Flu?.
Wie er nun im Eisloch die Eimer voll Wasser gesch?pft hat und gehen will und sich noch einmal nach dem Eisloch umsieht, da steckt ein Hecht seinen Kopf aus dem Eisloch heraus, und er denkt: „Daraus werden mir die Schw?gerinnen eine sch?ne Pirogge backen!» Er setzte die Eimer ab, ging zum Eisloch und packte den Hecht, der aber begann pl?tzlich mit menschlicher Stimme zu reden. Jemelja war zwar ein Dummkopf, aber er wu?te, da? ein Fisch nicht mit Menschenstimme spricht, und er erschrak sehr. Der Hecht aber sagte zu ihm: „La? mich ins Wasser zur?ck, in die Freiheit! Ich werde dir mit der Zeit n?tzlich sein und alle deine Befehle ausf?hren. Du brauchst nur zu sagen: ,Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte!’ — und es wird alles geschehen, wie du willst.» Da lie? Jemelja ihn frei und denkt: „Vielleicht hat er mich betrogen?» Er geht zu seinen Eimern und ruft mit lauter Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Eimer, lauft selbst nach oben und versch?ttet mir ja keinen Tropfen Wasser!» Und er hatte das letzte Wort noch nicht zu Ende gesprochen, da liefen die Eimer los.
Die Leute sahen das und staunten ?ber ein solches Wunder. „So lange leben wir schon auf der Welt, aber noch nie haben wir gesehen oder auch nur geh?rt, da? Eimer selbst laufen k?nnen. Bei diesem schrecklichen Dummkopf Jemelja aber laufen sie von selbst, und er geht hinterher und lacht sich eins.»
Als die Eimer ins Haus gelaufen kamen, staunten die Schw?gerinnen ?ber ein solches Wunder, er aber machte sich schleunigst wieder auf seinen Ofen und schlief einen gewaltigen Schlaf.
Nach einer ziemlich langen Zeit ging ihnen das gehackte Holz aus, sie wollten aber Pfannkuchen backen. Da wecken sie Jemelja: „Jemelja, he Jemelja!» Er aber antwortet: „La?t mich in Ruhe, ich bin ganz schrecklich m?de!» — „Geh, hack Holz und bring’s ins Haus. Wir wollen Pfannkuchen backen und dir die allersaftigsten geben!» — „Ihr seid doch keine Gr?finnen, geht, hackt euer Holz selber und bringt’s herein!» — „Wenn wir’s selber bringen und hacken m?ssen, bekommst du von uns auch nicht einen einzigen Pfannkuchen.» Pfannkuchen aber mochte Jemelja gar zu gern. Er nahm das Beil und ging auf den Hof. Er hackte und hackte, da fiel ihm ein: „Was hacke ich denn, ich Dummkopf, mag doch der Hecht hacken.» Und mit leiser Stimme sprach er vor sich hin: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Beil, hack das Holz, und Holz, flieg von allein ins Haus!» Da hackte das Beil in einem Augenblick das ganze Holz klein, dann sprang die T?r auf, und ins Haus kam ein Riesenb?ndel Holz geflogen. Den Schw?gerinnen verschlug es die Sprache. „Was ist nur mit unserem Jemelja los, er vollbringt ja geradezu Wunder!» Jemelja aber kam wieder herein und kroch auf den Ofen. Die Schw?gerinnen heizten den Ofen, buken Pfannkuchen und setzten sich an den Tisch, um zu essen. Ihn aber versuchten sie zu wecken, versuchten’s immer wieder und konnten ihn nicht munter kriegen. Nach einiger Zeit ging ihnen ?berhaupt das Holz aus, und es mu?te in den Wald gefahren werden. Da begannen sie wieder, ihn zu wecken: „Jemelja, steh auf, wach auf, du mu?t doch ausgeschlafen haben, wasch dir doch wenigstens dein schmutziges Gesicht, sieh dich doch an, wie du dich vollgeschmiert hast!» — „Wascht euch selber, wenn’s euch danach verlangt! Ich f?hle mich auch so wohl.» — „Fahr nach Holz in den Wald, wir haben kein Holz mehr!» — „Fahrt selber, ihr seid keine Gr?finnen. Brennholz hab’ ich euch gebracht, aber Pfannkuchen habt ihr mir nicht gegeben.» — „Wir haben doch versucht, dich zu wecken, haben’s immer wieder versucht, aber du gibst ja nicht einmal ei¬nen Laut von dir. Nicht wir sind schuld, du selber bist schuld. Warum bist du nicht heruntergekom-men?» — „Mir ist auch auf dem Ofen warm und wohl. Ihr aber h?ttet mir einfach drei Pfannkuchen aufs Maul legen sollen. Ich w?re munter geworden und h?tte sie mir schmecken lassen.» — „Du bist immer widerborstig gegen uns und h?rst nicht auf uns. Wir m?ssen doch deinen Br?dern schreiben, sie sollen dir keine sch?nen roten Kleider und auch keine N?schereien kaufen.» Da bekam es Jemelja mit der Angst zu tun, zieht seinen sch?bi¬gen Kaftan an, nimmt das Beil, geht auf den Hof, stellt den Schlitten bereit und nimmt einen Kn?p¬pel in die Hand. Die Schw?gerinnen aber kamen heraus, um zuzusehen. „Warum spannst du das Pferd nicht an? Wie willst du denn ohne Pferd fahren?» — „Wozu soll ich das arme Pferdchen qu?len! Ich kann auch ohne Pferde fahren.» — „Du solltest wenigstens eine M?tze aufsetzen oder etwas um den Kopf binden. Es ist kalt drau?en, du wirst dir die Ohren erfrieren.» — „Wenn ich an den Ohren friere, werde ich sie mit meinen Haaren zudek- ken.» Und er sprach mit leiser Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Fahr selber, Schlitten, in den Wald, und flieg schneller als irgendein Vogel!» Und er hatte die letzten Worte noch nicht zu Ende gesprochen, da sprang das Tor weit auf, und der Schlitten flog schneller als ein Vogel auf den Wald zu. Jemelja sitzt im Schlitten, h?lt den
Kn?ppel in die H?he und singt, was seine Stimme nur hergibt, n?rrische Lieder. Und seine Haare spie?en nach allen Seiten. Der Wald lag hinter der Stadt. Die Leute in der Stadt k?nnen ihm nicht schnell genug ausweichen, und au?erdem interes¬sierte es sie, da? da ein junger Bursche ohne Pferd, im blo?en Schlitten gefahren kam. Wer nach seinem Schlitten griff, den schlug er mit sei-nem Kn?ppel, wohin er gerade traf. So jagte er durch die Stadt, fuhr viele Menschen um und pr?gelte viele mit seinem Kn?ppel. Wie er in den Wald kommt, rief er mit lauter Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Beil, schlag das Holz, und Holz, flieg von allein in den Schlitten!» Und kaum hatte er seinen Spruch zu Ende gesagt, da war der Schlitten schon voll Holz und alles fest verschn?rt. Er setzte sich obendrauf und fuhr durch die gleiche Stadt zur?ck. In der Stadt aber dr?ngten sich die Menschen, und alle sprachen von dem jungen Burschen, der im blo?en Schlitten, ohne Pferde gefahren war. Auf dem R?ckweg, als er mit seiner Ladung Holz kam, fuhr er noch mehr Menschen um und pr?gelte noch mehr mit seinem Kn?ppel als beim ersten Mal. Als er wieder zu Hause war, kroch er gleich auf den Ofen, den Schw?gerinnen aber verschlug es die Sprache. „Was ist nur mit unserem Jemelja los, er vollbringt ja geradezu Wunder: Die Eimer laufen bei ihm von selber, das Holz kommt von selber ins Haus geflogen, und der Schlitten f?hrt ohne Pferd. Mit dem werden wir noch unsere Not haben. Sicher hat er in der Stadt viele Leute umgefahren, und man wird uns mit ihm zusammen ins Gef?ng¬nis stecken.»
Und sie beschlossen, ihn nirgends mehr hinzuschicken. Jemelja aber schlief seelenruhig auf dem Ofen, und sooft er erwacht, kratzt er den Ru? im Ofenrohr zusammen und schl?ft wieder ein.
Von diesem Jemelja nun drang die Kunde zum Zaren, es g?be einen, dessen Schlitten f?hre von selber, und er habe in der Stadt sehr viele Menschen umgefahren. Da ruft der Zar einen treuen Diener und befiehlt ihm: „Geh und finde mir die¬sen Burschen und bring ihn pers?nlich zu mir!» Der Diener des Zaren macht sich auf den Weg und sucht in den verschiedenen St?dten, in gro?en und kleinen D?rfern, aber ?berall und allerorts erh?lt er ein und dieselbe Antwort: „Geh?rt haben wir von einem solchen Burschen, aber wo er wohnt, wissen wir nicht.» Schlie?lich gelangt er in das St?dtchen, in dem Jemelja die vielen Men¬schen umgefahren hatte. Von dieser Stadt aber sind es bis zu Jemeljas Dorf nur sieben Werst, und der Zarendiener kam gerade mit einem Mann aus Jemeljas Dorf ins Gespr?ch. Der sagte: „Einen solchen Burschen gibt es in unserem Dorfe. Es ist Jemelja, der Dummkopf.» Da kommt der Diener des Zaren in Jemeljas Dorf, geht zum Dorfschulzen und sagt zu ihm: „Komm mit, wir wollen diesen Burschen festnehmen, der so viele Menschen zuschandengefahren hat.» Als der Zarendiener und der Dorfschulze in Jemeljas Haus kamen, er¬schraken die Schw?gerinnen sehr: „Nun sind wir verloren! Dieser Dummkopf hat mit seinen n?rrischen Streichen nicht nur sich selbst ins Ungl?ck gebracht, sondern auch uns.» Der Diener des Zaren fragt die Schw?gerinnen: „Wo ist bei euch Jemelja zu finden?» — „Dort auf dem Ofen schl?ft er.» Da schrie der Zarendiener Jemelja mit lauter Stimme an: „Jemelja, komm herunter vom Ofen!» — „Warum denn? Mir ist auf dem Ofen sch?n warm. La?t mich in Ruhe, ich will schlafen!» Und er begann von neuem laut zu schnarchen. Der Zarendiener aber wollte ihn zusammen mit dem Dorfschulzen gewaltsam vom Ofen herunterzerren. Als Jemelja merkte, da? sie ihn vom Ofen zerrten, schrie er wie ein Wilder: „Wie’s der Hecht gebietet und Jemelja erbittet: Komm, Kn?ppel, und mach dem Diener des Zaren und unserem Schulzen deine Aufwartung!» Da erschien auf einmal ein Kn?ppel und pr?gelte Schulzen wie Zarendiener aufs unbarmherzigste. Sie kamen mehr tot als lebendig aus dem Haus heraus. Als der Zarendiener sieht, da? es ganz unm?glich ist, ihn festzunehmen, begab er sich wieder zum Zaren, berichtete ihm alles ausf?hrlich und schlo?: „Gefunden hab ich ihn, aber mit dem Herbringen war es nichts. Seht nur, Kaiserliche Majest?t, wie mein ganzer Leib zerschunden ist.» Und er hob sein Hemd in die H?he, da war sein ganzer Leib gr?n und blau geschlagen und ?ber und ?ber mit Narben bedeckt. Der Zar ruft einen anderen Diener und sagt: „Der eine hat ihn gefunden, du geh und bring ihn her! Wenn du ihn aber nicht herbringst, lasse ich dir den Kopf abschlagen, bringst du ihn jedoch, will ich dich reich belohnen.» Der zweite Zarendiener fragte den ersten genauestens aus, und der erz?hlte ihm alles. Er mietete eine Post- troika und fuhr zu Jemelja. In Jemeljas Dorf angekommen, wendet sich auch der zweite Zarendiener an den Dorfschulzen: „Zeige mir, wo Jemelja wohnt, und hilf mir, ihn festzunehmen!» Der Schulze hat zwar Angst, den Zarendiener zu erz?rnen — das darf man nicht, sonst kriegt man eine schwere Strafe -, aber noch mehr Angst vor Jemeljas Schl?gen. Er erz?hlt dem Zarendiener alles ausf?hrlich, da? man ihn mit Gewalt nicht festnehmen k?nne. Da sagt der Diener des Zaren zum Dorfschulzen: „Wie sollen wir ihn denn dann festnehmen?» Der Schulze sagt: „Er mag N?schereien sehr gern: s??e K?rner und Pfefferkuchen, und au?erdem ist er dem Branntwein gut.» Da holte der Zarendiener eine Menge N?schereien herbei, nahm ein Viertel Schnaps, betritt Jemeljas Haus und begann, ihn zu wecken: „Jemelja, komm herunter vom Ofen, hier schickt dir der Zar viele N?schereien und Branntwein!» Als Jemelja das h?rte, ward er guter Dinge und sagte: „Gib immer her, ich kann auch hier auf dem Ofen essen, wozu soll ich runterkommen? Ich werde die N?schereien essen und den Branntwein trinken und mich dann ausruhen.» Der Diener des Zaren aber sagt zu ihm: „Die N?schereien willst du essen und den Schnaps trinken, aber wirst du auch den Zaren besuchen kommen? Er hat dich zu sich eingeladen.» — „Warum sollte ich nicht mal hinfahren? Ich fahre gern spazieren.» Die Schw?gerinnen aber sagten dem Zarendiener auch von sich aus: „Gebt ihm lieber auf den Ofen, was Ihr ihm zu geben gedenkt. Wenn er einmal versprochen hat, zum Zaren zu fahren, dann h?lt er Wort und kommt.» So geben sie ihm die N?schereien und den Schnaps. Er trinkt den Schnaps und i?t die N?schereien. Und bekam einen Rausch. Der Za¬rendiener aber sagt zu ihm: „Nun, die N?schereien hast du gegessen und den Schnaps getrunken, hast dir beides schmecken lassen, jetzt komm, wir wollen zum Zaren fahren!» Jemelja sagt dar-auf: „Fahr nur zu, Diener des Zaren! Ich hole dich schon ein, ich halte Wort und komme.» Und damit legte er sich wieder hin und schnarchte, da? das ganze Haus dr?hnte. Der Diener des Zaren fragte die Schw?gerinnen nochmals, ob es wahr sei, da? er tue, was er vorher versprochen habe. Die sag¬ten nat?rlich ja, es ist wirklich so, er bricht sein Wort nie. Der Zarendiener fuhr davon, Jemelja aber schl?ft h?chst vergn?gt auf seinem Ofen. Wird er munter, knackt er Sonnenblumenkerne und schl?ft dann wieder ein.
Nun verging eine geraume Zeit, Jemelja aber denkt gar nicht daran, zum Zaren zu fahren. Da weckten die Schw?gerinnen Jemelja und schalten: „Jemelja, los, aufstehen, du hast genug geschlafen!» Er antwortete ihnen: „La?t mich in Ruhe, ich bin sehr m?de!» — „Du hast aber doch versprochen, zum Zaren zu fahren. Den Schnaps hast du getrunken, die N?schereien gegessen, und nun schl?fst du und f?hrst nicht.» — „Sch?n, ich fahre gleich los. Gebt mir mal meinen Kaftan, sonst ist es vielleicht doch zu kalt!» — „Den kannst du dir schon selber nehmen, auf dem Ofen wirst du ja wohl nicht fahren wollen. Komm herunter vom Ofen und hol ihn dir!» — „Nein, im Schlitten ist es mir zu kalt, ich werde auf dem Ofen liegenbleiben und den Kaftan ?berziehen.» Doch die Schw?ge¬rinnen sagen zu ihm: „Was f?llt dir nur ein, du Dummkopf, und was stellst du nur an! Wo hat man je geh?rt, da? die Leute auf einem Ofen spa-zierenfahren!» — „Die Leute sind nicht ich. Ich werde so fahren.» Und er sprang herunter, holte seinen sch?bigen Kaftan unter der Bank hervor, deckte sich zu und sagte mit lauter Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Ofen, fahr geradenwegs zum Zaren ins Schlo?!» Der Ofen krachte in allen Fugen und flog mit einem Male hinaus ins Freie. Und schneller als jeder Vo¬gel fuhr er zum Zaren. Jemelja aber liegt obendrauf und singt aus vollem Halse Lieder. Sp?ter h?rte er auf und schlief ein. Und der Zarendiener war gerade in den Hof des Zarenschlosses eingefahren, da kommt auch Jemelja der Dummkopf auf seinem Ofen angeflogen. Der Diener sah ihn ankommen und eilte, dem Zaren Bericht zu erstatten. Eine solche Ankunft interessierte nicht nur den Zaren, sondern auch sein ganzes Gefolge und seine ganze Familie. Alle kamen heraus, sich Jemelja anzusehen, der aber sitzt auf seinem Ofen, hat das Maul weit aufgerissen, und seine Haare spie?en wie Flachsspindeln. Auch die Tochter des Zaren war mit herausgekommen. Als Jemelja diese sch?ne Jungfrau sah, gefiel sie ihm gar sehr, und er sprach mit leiser Stimme vor sich hin: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte, diese sch?ne Jungfrau soll sich in mich verlieben.» Der Zar nun befiehlt ihm, vom Ofen herunterzu- klettern. Jemelja aber gibt ihm zur Antwort: „Warum denn? Mir ist auch auf meinem Ofen warm genug, und ich kann euch alle vom Ofen aus sehen. Sag nur, was du zu sagen hast!» Da sprach der Zar mit strenger Stimme zu ihm: „Warum hast du mit deinem Schlitten so viele Leute umgefahren?» — „Warum sind sie denn nicht aus dem Wege gegangen? Wenn du dagestanden und Maulaffen feilgehalten h?ttest, h?tte ich dich auch ?berfahren.» Da wurde der Zar sehr b?se und gab Befehl, Jemelja von seinem Ofen herun-terzuziehen. Kaum aber erblickte Jemelja die W?chter des Zaren, sagte er mit lauter Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Ofen, flieg zur?ck an deinen Platz!» Und er hatte die letzten Worte noch nicht zu Ende gesprochen, als der Ofen auch schon schnell wie der Blitz aus dem Zarenschlo? herausflog, und die Tore ?ffneten sich f?r ihn von selbst. Die Schw?gerinnen fragen ihn: „Wie ist’s, warst du beim Zaren?» — „Na, versteht sich. Bin ja schlie?lich nicht ins Holz gefahren.» — „Nein wahrhaftig, Jemelja, du vollbringst geradezu Wunder. Wie kommt’s nur, da? sich bei dir alles bewegt: der Schlitten f?hrt von selbst, und der Ofen fliegt von selbst. Und warum ist dies bei anderen Leuten nicht so?» — „Freilich, bei anderen ist’s nicht so und wird auch nie so sein. Aber mir gehorcht alles.» Und damit fiel er in ei¬nen tiefen Schlaf. Die Zarentochter aber sehnte sich inzwischen sehr nach Jemelja, denn ohne ihn gab es f?r sie auf der ganzen weiten Welt keine Freude. Und sie bat Vater und Mutter, den jungen Burschen zu rufen und ihr zum Manne zu geben. Der Zar verwunderte sich ?ber eine so schreckliche Bitte und wurde sehr zornig auf seine Tochter. Aber sie sagte: „Ich mag nicht mehr leben auf dieser Welt, mich hat eine unbegreifliche Sehnsucht befallen, macht mich zu seinem Weibe!»
Wie der Zar sieht, da? alles Reden, sie k?nne doch nicht sein Weib werden, gar nichts ?ber die Tochter vermag und da? sie gegen alle Ermahnungen der Eltern taub ist, beschlo? er, diesen Dummkopf Jemelja kommen zu lassen. Und er sendet einen dritten Diener aus: „Geh und bring ihn mir her, aber bring ihn gleich mit, und nicht etwa auf einem Ofen oder im Schlitten!» Der Zarendiener kommt nun in Jemeljas Dorf. Da ihm der erste Diener gesagt hatte, Jemelja liebe Schnaps, Pfefferkuchen und N?schereien, trug er eine Menge der verschiedensten N?schereien zusammen und kaufte Schnaps. Er kam herein, weckte Jemelja und sagt: „Komm herunter vom Ofen, Jemelja, trink Schnaps mit mir und i?, was ich dir mitgebracht habe!» Der aber sagt zu ihm: „Gib nur immer her, ich kann auch auf dem Ofen Schnaps trinken und deine Mitbringsel essen.» — „Du mu?t doch schon ganz wundgelegene Seiten haben, wenn du immer auf dem Ofen liegst. Ich will, da? du hier bei mir sitzt, und ich werde dich bewirten wie einen Grafen.» Da klettert Jemelja von seinem Ofen herunter und zieht seinen Kaftan an. Er hatte immer gro?e Angst, er k?nne sich erk?lten. Was aber den Kaftan betrifft, so konnte man ihn eigentlich gar nicht so nennen: ein Flikken hing am anderen, so zerrissen war er. Der Zarendiener also bewirtet ihn mit Branntwein, und Jemelja hatte sich bald einen ordentlichen Rausch angetrunken und war auf der Bank am Tisch eingeschlafen. Da befiehlt der Zarendiener, Jemelja in seine Kutsche zu schleppen und so viel Schnaps mitzunehmen, da? es bis zum Zarenschlo? reicht. Er zog ihm aber seinen alten, zerrissenen Kaftan an. Sobald Jemelja erwachte, gab er ihm wieder Schnaps zu trinken, und so brachte er den schlafenden und betrunkenen Jemelja ins Schlo?. Als der Zar erfuhr, da? Jemelja angekommen war, lie? er ein gro?es Fa? anrollen und die Zarentoch¬ter zusammen mit Jemelja dem Dummkopf hineinstecken. Als man sie hineingesteckt hatte, wurde das Fa? mit Pech verschlossen und ins Meer versenkt. Jemelja aber schl?ft auch im Fa? weiter und ist nicht munter zu kriegen. Am dritten Tag weckte ihn die wundersch?ne Zarentochter: „Jemelja, Jemelja! Steh auf, wach auf!» — „La? mich in Ruh! Ich bin sehr m?de!» Sie weinte bitterlich, da? er sie ?berhaupt nicht beachtete. Als er die bitteren Tr?nen der Zarentochter sah, tat sie ihm doch leid, und er fragt: „Warum weinst du?» — „Wie sollte ich nicht weinen? Man hat uns doch ins Meer geworfen, und wir sitzen in einem Fa?.» Da sagte Jemelja: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Fa?, flieg ans Ufer und fall auseinander in kleine Teile!» Und augenblicklich wurden sie durch eine Meereswoge ans Ufer geworfen, das Fa? fiel auseinander, und diese Insel war so sch?n, da? die wundersch?ne Zarentochter den ganzen Tag umherlief und sich bis zur sp?ten Nacht an all der Sch?nheit nicht sattsehen konnte.
Als sie dorthin kam, wo sie Jemelja zur?ckgelassen hatte, war er u nter seinen sch?big en Kaftan gekrochen und schlief wie ein Murmeltier. Da weckte sie ihn und rief: „Jemelja, Jemelja, steh auf, wach auf!» — „La? mich in Ruhe! Ich bin m?de!» — „Ich bin auch m?de, aber unter freiem Himmel ist es doch zu kalt.» — „Ich habe mich mit meinem Kaftan zugedeckt.» — „Und womit soll ich mich zudecken?» — „Was geht’s mich an?» Da begann die Zarentochter bitterlich zu weinen, da? er sie so gar nicht beachtete, w?hrend sie ihn von ganzer Seele liebte. Als er sah, da? die Zaren¬tochter weinte, fragte er sie: „Was willst du denn?» — „Wenn wir uns doch wenigstens eine Laubh?tte machten, um uns vor dem Regen zu sch?tzen.» Da schrie er mit lauter Stimme: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte, es soll ein Schlo? erscheinen, wie es kein anderes in der weiten Welt gibt!» Und kaum hatte er die letzten Worte ausgesprochen, da erhob sich auf der Insel ein sehr sch?nes Marmorschlo?, wie es in keiner Residenzstadt je eines gegeben hat oder geben wird. Die Zarentochter fa?t ihn bei den H?nden und f?hrt ihn zu diesem Schlo?. Und ihr ganzer Hofstaat erwartet sie, macht vor ihnen die Tore weit auf, und alle verbeugen sich bis zur Erde. Als sie dieses Schlo? nun betreten hatten, lie? sich Jemelja auf eins der kostbaren Betten fallen, um zu schlafen, und er zog nicht einmal seinen abgetragenen, sch?bigen Kaftan aus. Die Zarentochter aber ging inzwischen das wundersch?ne Schlo? besichtigen und weidete sich an all dem Glanz und Reichtum. Als sie dorthin kam, wo sie Jemelja zu-r?ckgelassen hatte, sah sie, da? er bitterlich weinte. Sie fragt ihn: „Warum weinst du so bitterlich, lieber Jemelja?» — „Wie sollte ich nicht heulen und weinen? Ich finde keinen Ofen und wei? nicht, wohin ich mich legen soll!» — „Liegst du denn schlecht auf den Daunenfedern und dem kostbaren Diwan?» — „Nein, auf einem Ofen liegt sich’s am besten. Und au?erdem ist mir hier langweilig, auch Ru? kann ich nirgends sehen.» Sie beruhigte ihn, und er schlief wieder ein. Sie ging zum andern Male weg. Und als sie sich nach Herzenslust im ganzen Schlo? umgesehen hatte, kam sie zu Jemelja zur?ck und sieht verwundert: Jemelja stand vor einem Spiegel und schimpfte: „Ich bin sehr h??lich und gar nicht sch?n. Was f?r ein schreckliches Gesicht habe ich, und meine Haare spie?en wie Flachsspindeln.» Die Zarentochter antwortet ihm: „Wenn du auch nicht sch?n und ansehnlich bist, so habe ich dich doch in mein Herz geschlossen und liebe dich.» Da sagte er: „Wie’s der Hecht gebietet und ich erbitte: Ich mu? der allersch?nste Bursche werden.» Und auf einmal ver?nderte sich Jemelja vor ihren Au¬gen und wurde zu einem so sch?nen Helden, da? man es weder mit Worten sagen noch mit der Feder beschreiben kann, so unbeschreiblich sch?n war er. Und er hatte nun auch einen klugen Verstand. Da erst gewann er die Zarentochter lieb und behandelte sie von nun an wie sein Eheweib.
Es verging nicht gar zuviel Zeit, da h?rt Jemelja pl?tzlich Kanonensch?sse auf dem Meer. Er tritt mit der wundersch?nen Zarentochter aus seinem Schlo? und sieht, da? ein Schiff angelegt hat. Die Zarentochter aber erkennt das Schiff ihres Vaters. Da sagt sie zu Jemelja: „Geh du die G?ste emp¬fangen, ich aber will hierbleiben.» Als Jemelja zur Anlegestelle kam, war der Zar mit seinem Gefolge schon an Land gestiegen. Und er wundert sich ?ber dieses neuerbaute Schlo? mit den herrlichen gr?nen G?rten und fragt Jemelja: „Zu welchem Reich geh?rt dieses kostbare Schlo??» Jemelja antwortete: „Zu Eurem!» Und er bittet sie, seine G?ste zu sein.
Als der Zar das Schlo? betreten hatte und sie am Tisch sa?en, fragt er: „Und wo ist Eure Gemahlin? Oder seid Ihr nicht verheiratet?» — „Nein, ich bin verheiratet, ich werde sie Euch gleich vorstellen, sie macht sich erst noch zurecht.» Und als Jemelja sie geholt hatte und wieder zum Zaren kommt, da verwunderte sich der gar sehr, er¬schrak, geriet ganz au?er sich und wei? nicht, was er tun soll. Und er fragt: „Bist du es wirklich, meine liebe Tochter?» — „Ja, ich bin’s, liebster Va¬ter! Du hast mich und diesen meinen Gemahl in einem verschlossenen Fa? ins Meer werfen lassen, aber wir sind hier an diese Insel getrieben, und mein Jemelja Iwanytsch hat all dies hier selber erbaut, was Ihr mit Euren eigenen Augen hier se-hen k?nnt.» — „Wie ist das denn m?glich? Er war doch ein Dummkopf und einem Ungeheuer ?hnlicher als einem Menschen!» — „So ist’s, nur da? er jetzt v?llig verwandelt und ein ganz anderer geworden ist.» Da bittet der Zar sie um Verzeihung, sowohl seine Tochter wie auch seinen lieben Schwiegersohn Jemelja Iwanytsch, und beide vergaben ihm seine Schuld. Als der Zar eine Weile bei seinem Schwiegersohn und seiner Tochter zu Gast gewesen ist, l?dt er sie zu sich ein, um sie in der Hauptkathedrale zu trauen und alle Verwandten und Bekannten dazu einzuladen. Jemelja war hiermit einverstanden. Als der Zar die Kunde verbreiten und Boten aussenden lie?, man solle zu diesem gro?en Fest kommen, bittet Jemelja seine wundersch?ne Zarentochter: „Auch ich habe Verwandte, erlaubt mir also, da? ich fahre, sie zu holen. Ihr aber bleibt solange im Schlo?.» Da gew?hrten ihm der Zar und die wundersch?ne junge Zarentochter, wenn auch nicht allzu gern, Urlaub und gaben ihm die drei besten Pferde, die sie hatten, eine vergoldete Kutsche und einen Kutscher. Und Jemelja jagte los in seine Heimat. Als er sich den heimatlichen Gefilden nahte und einen dunklen Wald durchfuhr, h?rt er pl?tzlich seitw?rts Rufen, das kaum noch an sein Ohr dringt. Er l??t den Kutscher die Pferde anhalten und sagt zu ihm: „Hier haben sich wohl Leute im dunklen Wald verirrt.» Und er antwortet auf ihr Rufen und sieht pl?tzlich seine zwei leiblichen Br?der auf sich zukommen. Jemelja fragt sie: „Was lauft ihr hier umher, gute Leute, und ruft so laut? Ihr habt euch wohl verirrt?» — „Nein, wir suchen unseren leiblichen Bruder. Er ist verschwunden, wir wissen nicht, wohin.» — „Wie ist das denn gekommen, da? er verschwunden ist?» — „Man hat ihn zum Zaren gebracht. Und wir glauben, da? er von dort entflohen ist und sich vielleicht in diesem Wald verirrt hat, denn er war ein Dummkopf und ver¬steht rein gar nichts.» — „Wenn er ein Dummkopf ist, warum sucht ihr ihn dann ?berhaupt?» — „Wie sollten wir ihn nicht suchen? Ist er doch unser leiblicher Bruder, und es ist uns seinetwegen we¬her ums Herz als um uns selbst, denn er ist ein armer, dummer Mensch.» Und dabei traten den Br?dern die Tr?nen in die Augen. Da sagt Jemelja zu ihnen: „Ich selbst bin euer Bruder Jemelja.» Sie wollten ihm aber auf keine Weise glauben. „Treibt bitte nicht Euren Spott mit uns und habt uns nicht zum besten! Uns ist auch so elend genug zumute.» Er aber lie? nicht nach in seinen Be¬teuerungen und erkl?rte, wie sich alles mit ihm zugetragen hatte. Und er erz?hlte ihnen, was er von seinem Dorf wu?te und wie alle Leute dort hei?en. Au?erdem aber zog er Rock und Hemd aus und sagte: „Ihr wi?t, da? ich auf der rechten Seite ein gro?es Muttermal habe, das auch jetzt noch zu sehen ist.» Da glaubten ihm die Br?der, und er setzt sie in die vergoldete Kutsche. Sie durchquerten den Wald und kamen zum ersten Dorf. Jemelja mietet drei andere Pferde und schickt seine Br?der zum Zaren. „Ich aber will selber fahren, meine Schw?gerinnen, eure Frauen, zu holen.» Als Jemelja in sein Dorf kam und sein Vaterhaus betrat, erschraken die Schw?ge¬rinnen gar sehr. Er aber sagt zu ihnen: „Macht euch bereit, wie sich’s geh?rt, zum Zaren zu fahren!» Sie konnten sich kaum auf den Beinen halten, so waren sie erschrocken, und fingen bitterlich an zu weinen: „Da hat sicher unser Dummkopf Jemelja irgend etwas Dummes ange¬stellt, und der Zar will uns gewi? ins Gef?ngnis stecken!» Er aber befiehlt: „Macht euch schnellstens fertig! Und ihr d?rft nichts mitnehmen!» Er setzte sie neben sich in die vergoldete Kutsche. Und wie sie zum Zarenschlo? gefahren kommen, werden sie schon vom Zaren, der wundersch?nen Zarentochter, dem Gefolge des Zaren und von ihren M?nnern erwartet. Und die Br?der sagen zu ihren Frauen: „Warum seid ihr so betr?bt? Das ist doch unser Bruder Jemelja Iwanytsch, der mit euch f?hrt!» So sprechen sie und sehen ihre Frauen froh an.
Da erst wich die Angst von ihnen, als sie ihre M?nner sahen. Und beide warfen sich Jemelja Iwanowitsch zu F??en und baten ihn um Verzeihung, da? sie ihn fr?her so schlecht behandelt hatten. Jemelja verzieh ihnen und kleidete alle, Br?der wie Schw?gerinnen, in kostbare Gew?nder. Und der Zar lie? ein Fest r?sten und gab ihnen seinen v?terlichen Segen zur Hochzeit. Als sie getraut waren, wollte Jemelja kein Fest im Zarenschlo? feiern, sondern lud alle in sein Schlo? auf die Insel ein, sich diese Wunderinsel und das kostbare sch?ne Schlo? anzusehen. Und als sie ankamen, gab er ein gro?es Fest.
Auch mich luden sie ein, ich trank Bier und Wein, der Bart hat alles abgefangen, der Mund ist leer ausgegangen.

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