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Peter der Gro?e und der Soldat

Peter der Gro?e ritt auf Jagd. Er ritt und ritt — und hatte sich verirrt. Nun, solange er zu Pferde war, war ihm leicht zumute. Aber dann im Wald war es schwierig zu reiten, er kletterte vom Pferd und begann das Pferd zu f?hren. Und das Pferd folgt ihm. Das Wetter war tr?be, die Sonne schien nicht. Er sagt:
„Mein seliger Vater hat mir gesagt, man kann nach bestimmten Merkzeichen aus einem Wald herauskommen. Auf der Nordseite wachsen weniger ?ste, auf der S?dseite aber sind mehr ?ste.»
Er begann, nach diesen v?terlichen Zeichen Ausschau zu halten. Er sah, da? „ich also so gehen mu?, in diese Richtung. Wo weniger ?ste sind, komme ich auf den Weg, denn als ich in den Wald hineinritt, war die Sonne vor mir. Nun, und jetzt mu? ich vorw?rts gehen.»
Und er ging los. Lief und lief — und war wieder abgekommen.
Da sieht er auf einem Baumstumpf einen Mann sitzen. Er geht zu diesem Mann. Dort sitzt aber ein Soldat.
„Was sitzt du hier, Soldat?» sagt er.
„Hab mich verirrt. Wei? nicht, in welche Richtung ich gehen mu?. Schon zwei Tage laufe ich umher und kann mich auf keine Weise herausfinden.»
Und er sagt:
„Auch ich habe mich verirrt. Komm, wir wollen den Weg suchen!»
„F?r Euch», sagt der Soldat, „ist das einfach, den Weg zu suchen. Gehst ein St?ck, setzt dich auf dein Pferd, und es wird wieder leichter.»
Der Soldat fragt:
„Was bis du f?r einer?»
Peter der Gro?e antwortet:
„Ich bin ein J?ger des Zaren.»
„Aha, deswegen sprichst du auch so dreist. Also sch?n, wenn du ein J?ger bist, ein guter, dann klettre mal auf diesen Baum und sieh dich um, vielleicht ist irgendein Licht zu sehen, dann wollen wir auf dieses Licht zugehen. Ist aber nichts zu sehen, dann m?ssen wir unter diesem Baum ?bernachten.»
Der J?ger des Zaren kletterte los (da der Soldat es befiehlt, mu? er klettern).
Er kletterte hoch.
Der Soldat aber denkt: „Der J?ger ist nicht ohne etwas losgeritten, er hat Proviant mitgenommen.»
Und schnell langte er in die Satteltasche. Dort ist zu essen und zu trinken.
„Aha, das ist gut! Jetzt will ich mich ein wenig st?rken. Kommst du herunter, wirst du nichts merken, und wenn wir ?bernachten, sollst du mir noch etwas geben.»
Er trank und a? ein wenig, stillte seinen ersten Hunger — zwei Tage war er umhergestreift und hatte sich von Beeren ern?hrt -, und es wurde ihm wohler zumute. Peter aber klettert h?her. Kletterte bis zum h?chsten Wipfel. Der Soldat ruft ihm zu:
„Wie ist’s? Ist was zu sehen oder nicht?»
„Ich bin noch nicht ganz oben!»
„Nun, klettre nur schnell weiter», sagt er. „Wenn ich geklettert w?re, ich w?re schon l?ngst wieder unten!»
Peter der Gro?e kletterte bis zum Gipfel und h?lt ringsum Ausschau. Sieht irgendwo dort ein Licht brennen. Er sagt zu dem Soldaten:
„Da sieh, wie mein Pferd steht, aufs Hinterteil des Pferdes — dort brennt in gerader Richtung irgendwo ein Licht!»
„Nun, so komm herunter, ich habe schon einen Zielpunkt gew?hlt», sagt der Soldat.
Der J?ger des Zaren kletterte herunter und sagt zu ihm:
„Nun los, Soldat, f?hre nach Soldatenart!»
„Ich werde dich schon f?hren», antwortet ihm der Soldat. „Wir machen es nicht so wie ihr — andere anstellen und sich selber dr?cken! Der Soldat, wenn er sich irrt, wird bestraft, f?r einen J?¬ger aber setzt sich der Zar selber ein, mag er sich auch geirrt haben.»
Der J?ger des Zaren antwortete:
„Nun, f?hr nur zu, mach schnell!» (Er ahnte schon, da? der Soldat in seiner Satteltasche gewesen war.)
Sie gehen also. Der Soldat ging voran, der J?ger mit seinem Pferd hinterher. Sie kommen auf eine Lichtung. Da steht ein Haus, mit einem gro?en Zaun umgeben, so da? das Licht nicht mehr zu sehen ist. Sie stellten sich ans Tor und klopften um Einla?. Eine Alte kommt heraus, macht ihnen das Tor auf und sagt zu ihnen: „Da sind die G?ste ja selber gekommen!» Peter der Gro?e hatte nichts bemerkt, dem Soldaten aber kam es irgendwie verd?chtig vor, was sie von G?sten gesagt hatte: das Haus steht mitten im Wald, das ist ein guter Platz. Er schweigt und sagt dem J?ger nichts. Die Alte sagt: „Nun, kommt herein, werte G?ste!» Die G?ste traten ein. Der Soldat sagt: „Gro?m?tterchen, du k?nntest deinen G?sten etwas zu essen geben!»
„Es ist nichts da, mein Bester. Geht auf den Bo¬den, ruht euch aus, ich will euch etwas zurecht¬machen, und dann rufe ich euch.»
Sie lie?en ihr Pferd stehen und stiegen auf den Boden.
Der Soldat sagt zu Peter dem Gro?en: „Du, als J?ger des Zaren, bist auf dem Pferd geritten, bist also nicht sehr m?de, zieh du jetzt auf Wache und pa? auf, ich will mich ausruhen. Hast du eine Stunde gestanden, weckst du mich, dann werde ich Wache stehen.»
Der J?ger des Zaren hielt also Wache, und der Soldat legte sich hin, um auszuruhen. Der Soldat sieht, da? der J?ger des Zaren auf Posten sitzt und tr?umt (der Soldat schl?ft nicht), er steht auf.
„Nein», sagt er, „J?ger, so h?lt man nicht Wache. Wenn du mal beim Zaren Wache gestanden h?ttest, h?ttest du’s gelernt. Wir haben auf Wache gestanden und nicht getr?umt, sondern die Wachhabenden sind uns immer kontrollieren gekommen, da war es nichts mit Tr?umen. Du aber brauchst nur eine halbe Stunde zu stehen, und schon f?ngst du zu tr?umen an. Leg dich also schlafen, ich will selbst Wache halten!»
Der kaiserliche J?ger gibt ihm seinen S?bel und legt sich schlafen, der Soldat aber pa?t sogleich scharf auf und lauscht, was sich tut.
Auf einmal wird geklopft. Da kommen drei Kerle geritten. Sie (die Alte) macht ihnen das Tor auf und sagt zu ihnen:
„Wir haben schon zwei G?ste, ich habe sie auf den Boden geschickt, sie sollen sich ausruhen.»
„Nun, dann sind diese G?ste schon in unserer Hand», antworten sie.
Und der Soldat h?rt das alles, weckt aber den J?ger des Zaren nicht. Nach einer Viertelstunde klopft es wieder. Wieder geht die Alte und macht das Tor auf. Jetzt erscheinen schon vier Kerle. Sie erstattet ihnen Meldung:
„Wir haben zwei G?ste, sie schlafen auf dem Dachboden.»
„Sollen sie schlafen. Wir essen etwas, dann werden wir uns ihrer annehmen.»
Diese gehen in die H?tte hinein. Sie a?en zu Abend. Die Alte sagt zu ihnen: „Sie haben mich um Essen gebeten. Der eine ist gewi? ein Soldat, der andere anscheinend ein Herr. Von dem Herrn steht das Pferd dort.»
„Nun, das ist einfach, sie zu kriegen. Sollen sie noch etwas schlafen!»
Sie a?en. Der Hauptmann sagt:
„Nun, klettre auf den Boden, erledige sie!»
Der Soldat aber belauscht das alles.
Einer kletterte nun die Leiter hoch. Kaum hatte er den Kopf hereingesteckt, da schlug ihm der Soldat den Kopf ab. Und der J?ger des Zaren schl?ft und h?rt nichts.
Nach einer Weile sagt der eine: „Was macht er sich dort so lange zu schaffen? Gewi? unterh?lt er sich mit ihnen oder so etwas. Sieh mal schnell nach!»
Der zweite klettert auf den Boden. Er fertigt ihn genauso ab: der Kopf bleibt auf dem Dachboden, und der Rumpf f?llt unter die Leiter.
Der Hauptmann schickt den dritten:
„Geh du mal! Was schaffen sie nur so lange dort?»
Auch der dritte geht. Er empf?ngt auch den dritten so. Die Zeit verstreicht, und vom dritten keine Spur. Er schickt den vierten:
„Geh schnell, erledigt ihn und kommt dann wieder her!»
Auch der vierte geht. Der Soldat trennt auch dem vierten den Kopf ab. Er schickt den f?nften. Der Soldat schl?gt auch dem f?nften den Kopf ab. Er br?llt dem sechsten zu:
„Geh du, Wanka, rechne mit ihnen ab! Was machen sie nur dort; haben wohl einen Freund getroffen und sind ins Schwatzen gekommen!»
Auch Wanka rannte los. Der Soldat schlug auch diesem den Kopf ab. Auch der flog herunter. Nun war er allein noch ?brig. Er sagt:
„Ich will gleich mal gehen! Was sitzen sie solange dort. Als k?nnten sechs Mann nicht mit zweien fertigwerden!»
Auch dieser kletterte hoch. Und er schlug auch diesem den Kopf herunter, und auch dieser Rumpf fiel unter die Leiter. Und er denkt bei sich: „Jetzt hei?t es warten. Heraus k?nnen wir nicht, ehe es nicht Tag wird. Und auch den J?ger kann ich nicht wecken, den einf?ltigen Kerl; mag er noch schlafen, vielleicht ist gar noch einer dort.»
Es wurde schon hell. Er weckte den J?ger des Zaren: „Nun, steh auf, J?ger!» Der J?ger wacht auf. Er sagt zu ihm: „Z?hle mal, wieviel K?pfe hier sind!» Der fuhr in die H?he: „Sieben. — Was ist denn los?» sagt er. „Das ist los», sagt er, „da? unser beider K?pfe hier l?gen, wenn du Posten gestanden h?ttest und nicht ich!» Der Zar sagt:
„Weil ich ein J?ger bin, lebe ich eben so dahin, und nichts geht mich etwas an. Nun aber hab Dank, Soldat, du wenigstens wei?t, was Disziplin ist!»
„Nun, J?ger des Zaren, jetzt wollen wir nach unten gehen, es ist hell geworden. Es scheint keiner von denen mehr da zu sein, und mit der Alten kommen wir schon zurecht.»
Die Alte aber hatte sich schon umgetan und gesehen, da? alle unter der Leiter liegen. Sie kommen vom Boden herunter und gehen in die Stube. Der Soldat sagt:
„Nun los, alter Satan, zeig uns mal deine Sch?tze! Wieviel Menschen habt ihr hier umgebracht?»
Die Alte sagt:
„Niemanden, V?terchen, niemanden!»
Er sagt:
„Was hei?t ,niemanden’? Uns hast du ja auch aufgelauert Wir haben dich um etwas zu essen gebeten, aber du hast uns gesagt, da? ,nichts da ist, steigt auf den Dachboden, in einer halben Stunde habe ich etwas zurechtgemacht und rufe euch’. Und wir sind auf dem Dachboden eingeschlafen. Da h?re ich, wie es klopft. Du hast das Tor aufgemacht und gesagt: ,Wir haben zwei G?¬ste hier.’ Sie haben dir geantwortet, da? ,sie schon in unserer Hand sind’. Da war es nichts damit, nach Soldatenart zu schlafen. Ich habe gelauscht. Da schickt der Hauptmann den ersten. Ich habe ihm den Kopf abgeschlagen. Er schickt den zweiten, ich habe auch dem zweiten den Kopf abgeschlagen. Nun, und habe sie bis auf den letzten Mann erledigt. Nun, und jetzt zeig uns, alte Hexe, was du besitzt!»
„Aber nichts, mein Bester, nichts!»
„Was hei?t hier ,nichts’? Auch zu essen nichts?»
„Zu essen werde ich etwas finden.»
„Nun, dann nur zu!»
Sie gab ihnen zu essen, rannte ins Zimmer und kommt mit einem Revolver wieder herausgesprungen. Der Soldat sagt:
„Sieh mal einer an, diese alte Hexe! Einen kannst du so umbringen, der andere aber bleibt ?brig und wird dich umbringen.»
Holt seinen Revolver heraus und legt auf sie an:
„Zeig, was du hast!»
Sie sieht, da? sie nichts machen kann, der Tod aber ist etwas F?rchterliches. So f?hrte sie die beiden und zeigte ihnen, was sie hatte.
Sie kommt in den Keller. Da liegt ein Haufen Goldst?cke.
„Jetzt habe ich euch alles gezeigt, mehr gibt es nicht zu zeigen.»
„Nun, dann zeig uns den Weg, wie wir hier herauskommen!»
„Geht dort diesen Weg, und ihr kommt auf die Poststra?e, und dort k?nnt ihr in jeder Richtung gehen, wie ihr’s braucht.»
Der Soldat sagt:
„Nun los, J?ger des Zaren, nimm Geld, soviel du kannst. Wenn wir in die Stadt kommen, werden wir etwas haben, es uns gut sein zu lassen. Und wenn wir auf der Poststra?e sind, machen wir ein Zeichen auf dem Weg zur H?tte und sagen’s dem Zaren. Wir f?hren ihn her und nehmen, was hier ?briggeblieben ist!»
Der Soldat nimmt Geld, soviel er kann, alle Taschen voll. Der J?ger aber sagt:
„Ich nehme nur ein wenig, f?r mich langt’s.»
Und sie gingen diesen Weg. Ein wenig waren sie gegangen — da war schon die Poststra?e. Der J?¬ger sagt zum Soldaten:
„Nun Soldat, la? dir Zeit, hier am Wege ist ein Wirtshaus. Kehre in dieses Wirtshaus ein, i? und ruh dich aus, ich will dem Zaren sagen, er soll dir ein Zweigespann schicken.»
Der Soldat antwortet:
„Wie kann ich dich denn dort erkennen?»
„Wenn du dorthin zum Zaren kommst, werden alle die M?tze abnehmen, ich aber werde die M?t¬ze aufbehalten, dann kannst du mich erkennen.»
Hier gab Peter der Gro?e seinem Pferd die Sporen.
Er kommt zu diesem Wirtshaus und sagt dem Wirt:
„Pa? auf, es wird ein Soldat kommen und hier einkehren, um sich zu st?rken; gib ihm ruhig, das Geld bezahle ich.»
Nun, der Wirt wu?te, da? es der Zar war, der das befahl.
Bis zur Stadt ist es noch weit zu laufen. Der Soldat kehrt in diesem Wirtshaus ein. Dort erwar¬tet man den Soldaten schon.
„Was Ihr braucht, was Ihr essen wollt — wir tragen’s sogleich auf.»
Der Soldat sagt:
„Die wissen wohl, da? ich viel Geld habe, drum sind sie so gef?llig. Nun, dann dies her und das», verlangte der Soldat.
Der Soldat trank und a? ordentlich. Greift in die Tasche und h?lt das Geld hin, der Wirt aber nimmt es nicht.
„Warum nimmst du denn kein Geld von mir, Wirt?»
Der Wirt antwortet dem Soldaten:
„Ich habe in den Zeitungen gelesen, da? der Zar gesagt hat: einem durchziehenden Soldaten mu? ?berall umsonst gegeben werden, und wir d?rfen nicht ab?ndern, was der Zar gesagt hat.»
Der Soldat ging von diesem Wirtshaus weiter nach der Stadt. Unterwegs begegnet ihm ein Zweigespann, und man fragt ihn:
„Bist du das, der mit dem J?ger des Zaren zu-sammengewesen ist?»
„Ja!»
„Nun, dann steig ein, wir fahren dich zu dem J?ger!»
Der Soldat stieg ein. Der Soldat hatte Lust, auch im zweiten Wirtshaus einzukehren.
„Komm, Kutscher, ich will in diesem Wirtshaus einkehren!»
„Es sind ja nur noch f?nf Werst bis zur Stadt. Wozu noch einkehren?»
Nun, der Kutscher schlug’s nicht ab. Er trank selber eins und gab auch dem Kutscher zu trinken. Der Wirt aber nimmt kein Geld, antwortet, da? von durchziehenden Soldaten kein Geld genommen wird.
Er sagt:
„Die wissen, da? der Soldat Geld hat, drum haben sie eine solche Anordnung erlassen.»
Nun, der Kutscher trieb die Pferde heftiger, denn er hatte einen Rausch.
Der Zar aber hatte zu seiner Begr??ung zwei Regimenter Soldaten aufstellen lassen. Kaum kam er angefahren, rief der Zar: „M?tzen ‘runter!»
Alle warfen die M?tzen herunter, er aber steht in seiner M?tze da. Und der Soldat meldet sich bei dem, der seine M?tze aufhat, und sagt zu ihm:
„Verzeiht, Eure Kaiserliche Majest?t, da? ich so grob mit Euch umgegangen bin.»
„Nichts da», sagt der, „du bist nicht grob gewesen, du hast deine Disziplin gehalten. W?re nicht deine Disziplin gewesen, dann schliefen wir beide jetzt dort. Aber dem Soldaten hat seine Disziplin herausgeholfen, sie hat dich gerettet und mich. Daf?r gebe ich dir den ganzen Platz dort und das Geld, das dort geblieben ist, es geh?rt alles dir. Und ich werde dir eine gro?e Leibwache geben, und wir bauen ein Schlo? an der Stelle, und du wirst dort herrlich und in Freuden leben und ein reicher Mann werden. Und du wirst alle kennen, und alle werden sich vor dir verbeugen!»
Da habt ihr ‘nen Soldaten ohne Furcht und Graus! Und das M?rchen ist aus.

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