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Von Nikita dem Herumtreiber

Es lebten ein alter Mann und eine alte Frau. Der Mann und die Frau hatten drei S?hne, zwei vern?nftige und als dritten den Dummkopf Nikita. Der Alte hatte eine neue H?tte gebaut und sagt zum ?ltesten Sohn: „Geh und bring eine Nacht dort zu: wenn du etwas Sch?nes im Traum siehst, ziehen wir in die neue H?tte, wenn aber etwas Schlechtes, dann nicht, dann verkaufen wir sie.» Der ?lteste Sohn verbrachte eine Nacht darin und sagt: „Ach, V?terchen», sagt er, „wie reich werden wir sein!» Darauf schickt der Alte den mittleren Sohn. Der mittlere Sohn sagte dasselbe.
Darauf schickt er den Dummkopf Nikita: „Nun, geh, Nikita! Was wirst du sehen?» Nikita sah im Traum, er s??e auf einem Zarenthron. Am anderen Tag fragt der Vater: „Nun, Nikita, was hast du gesehen?» Nikita dachte bei sich: „Was f?r einen Zaren gibt ein Dummkopf ab?» Und sagt: „Das ist nicht wahr! Und was ich gesehen habe, sage ich nicht!» Der Vater verpr?gelte den Sohn und f?hrte ihn vors Tor.
Auf der Stra?e kam ein Kaufmann gefahren. „Weswegen pr?gelst du deinen Sohn, Bauer?» — „Er hat im Traum etwas gesehen und sagt es nicht!» — „Pr?gle ihn nicht! Verkauf ihn mir!. Wieviel willst du haben?» — „Gib wenigstens einen Eisengroschen, daf?r gebe ich ihn her!» Der Kauf¬mann gab den Eisengroschen, setzte den Dummkopf Nikita auf den Wagen und fuhr weiter.
Nach einer Weile fragte auch der Kaufmann: „Was hast du im Traum gesehen?» Nikita sagt es nicht. Der Kaufmann begann ihn zu pr?geln. Da kam auf dieser Stra?e der Zar gefahren. „Weswegen pr?gelst du deinen Sohn oder Knecht, Kaufmann?» — „Er hat im Traum etwas gesehen und sagt es nicht.» — „Pr?gle ihn nicht, verkauf ihn mir! Wieviel willst du haben?» — „Hundert Rubel.» Der Zar gab das Geld, nahm Nikita mit und brachte ihn zu sich nach Hause.
Weil er viele Male gekauft worden war, gaben sie ihm den Namen „Nikita der Herumtreiber — der neugekaufte Diener». Der Zar schickte ihn in den Pferdestall, den Pferdeknechten zu helfen. So lebte Nikita etwa ein halbes Jahr. Da fragte der Zar ihn: „Sag, Nikita, was hast du im Traum gesehen?» — „Was geht das dich an? Was ich gesehen habe, sage ich nicht!» (Ein Dummkopf ist eben ein Dummkopf, was will man mit ihm anfangen.) Der Zar pr?gelte ihn nicht, aber warf ihn in eine steinerne Schands?ule auf dem Hof.
Dieser Zar aber hatte einen Sohn, Iwanuschka. Er wollte ihn verheiraten. Er freite um eine Braut in einem anderen K?nigreich. Iwanuschka wohnte dort, bei der Braut. Jener K?nig aber hatte nur eine einzige Tochter, S?hne hatte er nicht. Und auch dieser Zar, Iwanuschkas Vater, hatte nur einen einzigen Sohn, keine T?chter, niemanden sonst. Der K?nig will ihn ?berreden, zu seiner
Tochter zu ziehen, der Zar aber will, da? sie mit seinem Sohn zu ihm kommt. Da sagt die K?nigstochter zu ihnen: „Ich schicke Euch drei R?tsel: ratet Ihr sie, ziehe ich mit zu Euch, ratet Ihr sie nicht, soll er bei mir wohnen bleiben!» Der Zar war’s einverstanden.
Die K?nigstochter schickte einen Baumstamm; der war sorgf?ltig zugerichtet — was unten und was oben war, konnte man nicht unterscheiden. Es soll geraten werden, was unten und was oben ist. Der Zar machte in der ganzen Stadt bekannt, man solle kommen, das R?tsel zu raten. Wieviel Leute auch kamen, niemand konnte es erraten.
Zuletzt kommt ein Alter ?ber den Hof gegangen, wo Nikita der Herumtreiber in der S?ule festgebunden ist Nikita sieht ihn und fragt: „Wo bist du gewesen, Gro?vater?» — „Beim Zaren, R?tsel raten.» — „Das sind mir Helden: der Zar sitzt auf dem Zarenthron und kann ein R?tsel nicht erraten! Ich h?tte es l?ngst erraten!» sagt Nikita. Der Alte meldete dem Zaren, da? „bei dir einer in der S?ule sitzt und sagt: Ich h?tte es l?ngst erraten.» Der Zar ahnte, da? das Nikita ist, und schickt einen Diener nach ihm. Der Diener kam und sagt: „Nikita, komm mit zum Zaren, ein R?tsel raten!» — „Wer nach jemandem schickt, der kann auch selber kommen», sagt der.
Der Zar stieg in seine Kutsche, kommt an, setzt Nikita neben sich und f?hrt mit ihm los. Als sie ankamen, nahm Nikita der Herumtreiber — der neugekaufte Diener, ein Beil, schlug ein Eisloch in den Flu? und warf den Stamm ins Wasser; der drehte sich mit dem Unterteil nach oben und mit dem Oberteil nach unten. Da machten sie Zeichen, was unten und was oben ist. Und schickten ihn der K?nigstochter. Die K?nigstochter bekam ihn und sagt: „Das hat er nicht von selber erra¬ten, sondern ein anderer.» Nikita kehrte wieder an seinen Platz zur?ck.
Nach einer Weile schickt die K?nigstocher das zweite R?tsel. Hundertf?nfzig Hengste schickte sie — von zwei und anderthalb Jahren, alle mit gleichem Fell und gleich gro?. Wie viele Leute auch kamen, um zu raten, niemand konnte es erraten. Schlie?lich kommt der Alte ?ber den Hof gegangen. Nikita sah ihn und fragt: „Wo bist du gewesen, Gro?vater?» — „Beim Zaren, R?tsel raten.» — „Das sind mir Helden: der Zar sitzt auf dem Zarenthron und kann ein R?tsel nicht erraten! Ich h?tte es l?ngst erraten!» Der Alte ging und meldete das dem Zaren. Der Zar schickte einen Diener nach ihm. Der Diener kam und sagt: „Nikita, komm mit, ein R?tsel raten.» — „Wer nach jemandem schickt, der kann auch selber kommen.» Der Zar setzte sich in seine Kutsche und kommt hin: „Nun, Nikita, komm mit, ein R?tsel raten!» Sie setzten sich in die Kutsche und fuhren los.
Sie kommen an den Flu?, er schlug ein gro?es Eisloch und lie? alle heran, um zu trinken, die Hengste. Das Ufer war steil. Die zweij?hrigen k?nnen das Wasser nicht erreichen und gehen auf die Knie, die einj?hrigen aber kommen so heran. Da brannten sie ihnen Zeichen ein. Schickten sie der K?nigstocher.
Seitdem lief Nikita der Herumtreiber — der neugekaufte Diener, frei herum: der Zar hatte ihn freigelassen. Einmal kommt er zum Zaren und sagt: „Eure Kaiserliche Majest?t, schickt mich in das K?nigreich, wo Euer Sohn Iwan ist. Ich habe im Traum gesehen, als ob er arge Sehnsucht nach mir hat.» Der Zar sagt: „Warum nicht, geh!» — „Nur folgendes, Majest?t, gib mir drei?ig Soldaten und suche sie so aus, da? sie alle so gro? sind wie ich, und die Haare wie bei mir, und da? sie mir von Gesicht alle ?hnlich sind!» Man holte von allen Regimentern Soldaten zusammen und w?hlte drei?ig Mann aus, die Nikita dem Herumtreiber ?hnlich sahen. Als sie dann aufgestellt waren, konnte nicht einmal der Zar selber erkennen, welcher Nikita der Herumtreiber war. (Kleidung hatten sie die gleiche an — alle Soldatenkleidung.) Und Nikita begab sich mit seinen Soldaten zu dem K?nig, wo Iwanuschkas Braut war.
Sie gingen eine Weile. Da stehen drei Br?der und teilen eine Tarnkappe. „Was macht ihr hier?» sagte Nikita. „Wir teilen die Kappe hier.» — „Gebt her, ich werde sie euch teilen.» Nikita legte einen Pfeil auf seinen Bogen (fr?her gab es noch Bogen) und scho? ihn ab: „Wer zuerst hinkommt, dem geh?rt die Kappe.» Alle drei Br?der rannten davon. Nikita der Herumtreiber nahm die Kappe, setzte sie auf den Kopf, und von allen drei?ig war nichts mehr zu sehen.
Sie gingen weiter und weiter, da teilen drei Br?der ein perlenbesticktes Tischtuch und einen Krug mit vierzig Schneppen: aus jeder Schneppe flie?en verschiedene Getr?nke und S??igkeiten. Nikita der Herumtreiber sagt: „Was macht ihr da?» — „Wir teilen den Krug hier.» — „Gebt her, ich werde ihn teilen!» — „Wie willst du ihn teilen?» — „Ich werde einen Pfeil von meinem Bogen schie?en: wer zuerst hinkommt, dem geh?rt der Krug.»
Die Br?der rannten los, Nikita nahm den Krug, setzte die Tarnkappe auf — und es war nichts mehr von ihnen zu sehen.
Sie gingen ein wenig weiter und sahen: drei Br?der teilen einen fliegenden Teppich. „Was macht ihr da?» — „Wir teilen den fliegenden Teppich hier.» — „Gebt her, ich teile ihn!» — „Wie willst du ihn teilen?» — „Ich werde einen Pfeil von meinem Bogen schie?en: wer zuerst hinkommt, dem geh?rt der fliegende Teppich.» Die Br?der rannten los, Nikita aber setzte die Tarnkappe auf, trat auf den Teppich, stampfte mit dem Fu?, der Teppich l?ste sich und flog davon, und alle Soldaten mit.
Als sie in das K?nigreich geflogen kamen, wo sich die Braut Iwanuschkas und Iwanuschka selbst befanden, war nicht weit von der Stadt ein riesiger Eichenhain. Der Teppich lie? sich auf zw?lf riesigen Eichen nieder (er war schon ganz sch?n gro?, wie man sieht). Nikita der Herumtreiber — der neugekaufte Diener, lie? seine Gef?hrten auf dem Teppich zur?ck und ging in die Stadt, Iwanuschka zu suchen. Geht durch die Stadt, da begegnet ihm Iwanuschka. „Guten Tag, Iwanuschka!» — „Guten Tag, Nikita-Herumtreiber.» — „Ich bin gekommen, dir zu helfen.» Iwan dachte nur: „Welche Hilfe kann von dir Dummkopf kommen?» Aber er sagte nichts.
„Nun, wird eure Hochzeit bald sein?» fragt Nikita. „Wer kann’s wissen? Heute gehen sie Stoff f?r das Kleid kaufen: wenn ich besseren kaufe, kommt sie mit mir, wenn der K?nig besseren kauft, mu? ich bei ihr bleiben.» — „Wo werden sie denn den Stoff f?rs Kleid kaufen?» — „Hier in diesem Gesch?ft», zeigte Iwanuschka. Und Nikita der Herumtreiber verabschiedete sich von Iwanuschka und ging fort.
Als der K?nig mit seiner Tochter und Iwanuschka in das Gesch?ft kamen, wartete Nikita schon auf sie in seiner Tarnkappe. Die sch?nsten Stoffe, wie viele es nur in dem Gesch?ft gab, kaufte der Zar seiner Tochter f?r ihr Kleid. Solche gab es in der ganzen Stadt nicht mehr. Der K?nig verlie? das Gesch?ft und begab sich mit seiner Tochter ins Schlo?, Nikita der Herumtreiber aber, und Iwanuschka mit ihm, — zum Teppich.
Als die Nacht gekommen war, setzte Nikita die Tarnkappe auf und begab sich zum K?nig. Beim K?nig n?hten ein Schneider und eine Schneiderin das Kleid f?r die Tochter, und Nikita sitzt mit ihnen am Tisch — sie sehen ihn nicht. Als sie das ganze Kleid fertig hatten, legten sie es auf ein Pr?sentierbrett, und Schneider und Schneiderin gingen schlafen; Nikita aber nahm das Kleid und begab sich auf seinen Teppich. Er kommt an: „Da nimm, Iwanuschka, dieses Kleid hier!» (Iwanuschka war noch bei ihm zu Gast, er hat ja genug anzubieten).
Der Schneider und die Schneiderin wurden fr?h am Morgen munter, sehen hin — das Kleid ist nicht da. „Was sollen wir jetzt machen, Schneider?» — „Ich wei? nicht, Schneiderin, was wir machen sollen!» — .Wir wollen schnell eines aus Flicken n?hen!» Sie schnitten’s recht und schlecht zu, flick- ten’s mit groben Stichen zusammen und legten’s an die gleiche Stelle.
Am anderen Tag wurde der K?nig munter, da war Iwanuschka schon bei ihm. Der K?nig bringt der Tochter das Kleid auf dem Pr?sentierbrett, Iwanuschka tr?gt sein Kleid auf seinem Pr?sentierbrett. Die K?nigstochter ging zu ihrem Vater, nahm das Kleid und versuchte es anzuziehen, konnte es aber nicht anbekommen (aus Flicken zusammengen?ht, wie sollte es anders sein). Sie warf dieses Kleid beiseite, ging zu ihrem Br?utigam, nahm’s, zog’s an, wie nach Ma? gen?ht: ak¬kurat und richtig.
Da fragt Iwanuschka: „Nun, wann wird unsere Hochzeit sein?» — „Zur Hochzeit mu? doch ein Trauring gekauft werden? Wenn du einen besseren kaufst, komme ich mit dir; wenn mein Vater einen besseren kauft, ziehst du zu mir!» Iwa¬nuschka begab sich auf den Teppich zu Nikita dem Herumtreiber und sagte ihm, da? „wer den besseren Ring kauft: wenn ich, dann mu? sie mit mir kommen, wenn ihr Vater, mu? ich zu ihr ziehen.»
Nikita der Herumtreiber setzte die Tarnkappe auf und ging los. Der K?nig kam in den Laden des Goldschmieds; welcher der sch?nste Goldring war, den kauften sie, und es gab weiter keinen solchen
Ring. Der K?nig ging nach Hause, und Nikita der Herumtreiber hinter ihm her.
Als es Abend geworden war, legte sich der K?nig schlafen, zog den Ring ab und legte ihn aufs Fensterbrett, Nikita der Herumtreiber aber nahm den Ring und legte einen aus Stroh dorthin — hatte ihn aus Stroh geflochten und legte ihn hin. Jenen aber brachte und gab er Iwanuschka. „Nun, Iwanuschka, soll der K?nig morgen seiner Tochter ein Geschenk bringen, und bring du deiner Braut ein Geschenk!»
Am anderen Tag kommt Iwanuschka mit seinem Geschenk: auf einem goldenen Teller tr?gt er einen goldenen Ring, der K?nig aber tr?gt einen aus Stroh. Die K?nigstochter trat zu ihrem Vater, nahm den Ring, er pa?t nicht an ihren Finger, sie trat zu ihrem Br?utigam, nahm den Ring, setzte ihn auf — genau, als sei er f?r sie ausgew?hlt worden.
Da fragt Iwanuschka: „Nun, wird unsere Hochzeit bald sein?» — „Ja, ich bin schlau und klug, aber du hast jemanden, der schlauer ist als ich. Du machst das doch nicht selber, Iwanuschka, sondern ein anderer. Nun, la? nur, komm morgen mit deinen Gef?hrten zu uns zu Gast, wieviele es auch sind. Danach kommen wir zu dir zu Gast. Wenn wir euch besser bewirten, ziehst du zu mir, und wenn du besser, dann komme ich zu dir.» Iwanuschka kam und er?ffnete dies Nikita dem Herumtreiber. Nikita sagt: „Nur Mut, Iwanuschka, wir werden sie schon besser bewirten. Und jetzt leg dich schlafen!»
Sie legten sich auf den Teppich schlafen. Die K?nigstochter aber dachte bei sich:
„Ich will doch mal hingehen: was ist das f?r einer», sagt sie, „der bei ihm solche St?ckchen vollbringt.» Sie kommt auf den Teppich und sieht sich alle an. Alle schlafen. Auch Nikita der Herumtreiber schl?ft, die Tarnkappe hat er unter dem Hemd. Da erriet’s die Zarentochter und sagt zu sich selbst: „Das ist er wohl, mein Widersacher!» Sie nahm ihren Ring ab und schlug ihn gegen seine Stirn. Da bildete sich bei ihm auf der Stirne ein Stern: der funkelt nur so. Und sie ging nach Hause.
Nikita der Herumtreiber wachte auf, sperrte seine Augen auf, es leuchtete wer wei? wie von ihm. „Ach, die Fliegen sollen dich fressen, jetzt sitze ich in der Patsche!» Er sprang vom Teppich auf und lief zum K?nig ins Schlo?. Er wu?te, in welchen Gem?chern sich die K?nigstochter befindet; er drang dort ein, stahl den Ring, ging wieder zu sich auf den Teppich und versah alle Soldaten auf der Stirn mit diesem Zeichen. Den Ring aber brachte er wieder fort und legte ihn auf die alte Stelle.
Am Morgen kommen Boten vom K?nig und bit¬ten Iwanuschka mit seiner Begleitung zu Gast zum K?nig. Unterwegs sagt Nikita der Herumtreiber zu seinen Gef?hrten: „Wenn wir hinkommen, wird die K?nigstochter wahrscheinlich sagen, da?, welcher der ?lteste Bruder ist, der soll sich an den Ehrenplatz setzen. Ihr wi?t, da? ich euer ?ltester Bruder bin, aber tut das nicht! Sondern jeder soll sagen: ,Ich bin der ?lteste Bruder, ich bin der ?lteste!’ und sich an den Ehrenplatz dr?ngen. Dann findet sie sich unter uns nicht zurecht.»
Als sie zum K?nig kamen, sagt die K?nigstochter: „Wer der ?lteste Bruder ist, der soll sich an den Ehrenplatz setzen!» Der eine sagt: „Ich bin der ?lteste Bruder!» Der andere: „Ich bin der ?lteste Bruder!» Und sie begannen einander vom Tisch wegzuzerren — warfen den Tisch um und stie?en alles, was darauf war, herunter. Da sagte die K?nigstochter: „Setzt euch, wie jeder will!»
Als sie sich gesetzt hatten, begann sie, jedem einen Becher Wein zu reichen. Als sie dem ersten reichte, warf sie ihm die Haare aus der Stirn und sagt: „Vater, das ist mein Widersacher!» Sie reichte dem zweiten — dasselbe; dem dritten — genau dasselbe. Da sagt sie: „Ich bin schlau und klug, aber du, Iwanuschka, hast jemanden, der noch schlauer ist als ich!»
Sie waren dort eine Weile zu Gast und gingen dann zu Iwanuschka auf den Teppich zu Gast. Als sie hinkamen, breitete Iwanuschka das perlenbestickte Tischtuch aus und stellte den Krug mit den vierzig Schneppen darauf — aus jeder Schneppe kamen alle m?glichen Getr?nke geflossen. Die Bewirtung war besser als beim K?nig.
Nun, da fragt Iwanuschka: „Ist es jetzt soweit, da? wir heiraten?» — „Es ist jetzt soweit!» sagt sie. „Mehr wei? ich nicht, nur pa?t auf, wohin ihr noch fahren m??t: es ist hier ein Meer, und in diesem Meer wohnt ein Meereszar, hat einen Menschen¬blick und goldene Locken auf dem Kopf — von dem m??t ihr Locken f?r mich unter den Brautkranz erbitten!»
Der K?nig machte sich bereit und ging zum Ufer, und die K?nigstochter vertraute nicht einmal ihrem eigenen Vater und ging ihn begleiten. Der K?nig setzte sich in ein Boot, und die Zarentoch¬ter steht am Ufer und sieht zu. Nikita der Herumtreiber aber setzt sich in seiner Tarnkappe vor den K?nig ins Boot.
Der K?nig rudert, und Nikita der Herumtreiber zweimal so viel. Der K?nig sagt: „Sieh, wie mir eine g?ttliche Kraft hilft! Wie sehr ich auch rudere, das Boot schnellt zweimal schneller voran!» Er kam in die Mitte des Meeres und rief: „Meereszar mit dem Menschenblick, gib mir Locken f?r die Tochter unter den Brautkranz!» Der Meereszar steckte seinen Kopf heraus, der ganze Kopf war voll Gold und voller Locken. Und er sagt: „Zupfe immer ein Haar heraus, und zwar an den Schl?fen, die k?rzesten. Mein ganzer Kopf ist schon abgezupft und tut weh.» Der K?nig nimmt ein Haar von der Schl?fe, Nikita der Herumtreiber aber eine ganze Handvoll und vom Hinterkopf — schwupp! Der Zar br?llte auf und verschwand im Wasser. Der K?nig begann zu bitten: „La? mich wenigstens noch zwei Haare herausziehen!» Der Zar steckte wieder seinen Kopf heraus. Der K?nig nimmt ein Haar, Nikita der Herumtreiber aber wieder — schwupp, eine Handvoll. Und beim drittenmal genauso. Der Zar br?llte auf, fuhr zur?ck ins Meer und sagte: „Von heute an gebe ich in Ewigkeit niemandem mehr auch nur ein einziges
Haar!» Der K?nig kommt nach Hause und sagt zu seiner Tochter: „Nun, Tochter, bestimmt kann Iwanuschka nirgends Haare beschaffen: drei Haare habe ich erbettelt, und auch die nur mit M?he und Not, und der Zar hat geschworen, von heute an in alle Ewigkeit keine mehr zu geben.»
Am anderen Tag bringt der K?nig als Geschenk f?r seine Tochter auf einem goldenen Teller drei goldene Haare, Iwanuschka aber einen ganzen Teller voll (Nikita hatte sie f?r ihn gezupft). „Nun, Iwanuschka, ich bin schlau und klug, aber du hast jemanden, der ist schlauer als ich! Jetzt ist es Zeit f?r uns zu heiraten, mehr wei? ich nicht!»
Sie feierten Hochzeit, r?steten ein Schiff, und Iwanuschka machte sich auf den Weg in sein Zarenreich zu seinem Vater. Nikita der Herumtreiber aber fliegt mit seinen Gef?hrten auf dem fliegenden Teppich ?ber ihnen und ruft von dort: „Ach, Iwan der Zarewitsch f?hrt mit seiner Verm?hlten, wie sch?n!» Iwanuschka h?rte’s und sagt zu seiner Frau: „H?rst du, weil wir beide fahren, freuen sich die Engel ?ber uns!» (Er denkt: von oben — das m?ssen Engel sein.) Sie antwortet ihm: „Ein Teufel, aber keine Engel», sagt sie, „das ist mein Widersacher, der sich freut!» Und sie denkt bei sich: „Wenn Iwanuschka nicht w?re, w?rde ich ihn heiraten: er ist sogar sch?ner als Iwanuschka und kl?ger und schlauer.» (Sie hat sich in diesen Nikita den Herumtreiber geradezu verliebt.)
Dann sagt sie zu ihrem Mann: „H?re, Iwanuschka, wenn wir nach Hause kommen, dann sage deinem Vater: „Wozu hast du den Dummkopf zu mir geschickt? Seinetwegen w?re ich beinahe ums Leben gekommen.» Und sie denkt bei sich: „Soll er nur Nikita den Herumtreiber hinrichten! Wenn ich ihn nicht mehr sehe, wird mir leichter ums Herz sein.»
Als sie zu Hause ankamen, kam der K?nig mit seinem Gefolge heraus, den Sohn und die junge Schwiegertochter zu begr??en. Aber Nikita der Herumtreiber war schon l?ngst beim K?nig. Als sie vom Schiff kamen, sagt Iwanuschka: „Vater, wozu hast du den Dummkopf Nikita zu mir geschickt? Seinetwegen w?re ich beinah ums Leben gekommen!» Der Zar wurde b?se auf Nikita, zog seinen S?bel und wollte ihm den Kopf abschlagen.
Da setzte Nikita der Herumtreiber seine Tarnkappe auf und begann mit dem Zaren zu sprechen. „Eure Majest?t, wenn ich nicht gewesen w?re, dann w?re dein Sohn nicht nach Hause gekommen!» Und er erz?hlte ihm: „Das und das habe ich dort gemacht, und das und das habe ich gemacht!» Alles erz?hlte er ihm. Und die junge Schwiegertochter bekr?ftigte seine Worte. Da schlug der Zar im Zorn seinem Sohn den Kopf ab. Und auf Wunsch der Braut traute er sie mit Nikita dem Herumtreiber — dem neugekauften Diener.
Als er selber zu alt wurde, gab er sein Reich Ni- kita dem Herumtreiber. Da erst sagte Nikita der Herumtreiber zum Zaren: „Folgendes habe ich im Traum gesehen: ich s??e auf dem Zarenthron.» Sein Traum war in Erf?llung gegangen.
Ich war auch auf der Hochzeit hier, trank Honig und Bier. Allen G?sten wurde mit dem Sch?pfl?ffel eingeschenkt, mich haben sie mit dem Stiel getr?nkt; bei der Nase fa?ten sie mich, unter die Br?cke warfen sie mich; ich rollte fort und immer fort, war pl?tzlich hier an diesem Ort.

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