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Wanjuschka

Ein Vater brachte seinen Sohn Wanjuschka in die Lehre. Unterwegs ?berraschte sie ein Unwetter. Es regnete, und sie verirrten sich. Unversehens kamen sie zu einem Haus. „Wir wollen uns an den Zaun stellen, Vater, dann wird uns der Regen nicht so peitschen.» In diesem Hause aber wohnt ein alter Mann, der ist f?nfhundert Jahre alt. Der h?rte diese Worte: „Wer ist da an meinem Haus?» — „Ich und mein Sohn.» — „Aha!», sagte der Alte. „Kommt herein!» Er lie? sie ein und fragte: „Wohin wollt ihr?» — „Meinen Sohn in die Lehre ge¬ben!» — „La? ihn f?r drei Jahre bei mir, ich will ihn lehren, was schlecht und was gut ist.» Der Vater war’s einverstanden. Die Nacht ?ber blieben sie dort. Der freundliche Alte lehrte ihn, den Samowar anzusetzen: Er go? Wasser ein und legte gl?-hende Kohlen auf. „Wanjuschka, bring aus dem Zimmer, was dort auf dem Tisch ist!» Da brachte er ihnen von allem: Gesottenes und Gebratenes. „Das ist wirklich ein guter Herr, er hat uns gut bewirtet. Gehorche ihm in allem!» Er begleitete den Vater ein St?ck auf dem Heimweg und gab ihm Brot und was sonst noch n?tig ist als Wegzehrung mit.
Der Sohn bleibt bei dem Alten, lebt ein Jahr dort, lebt auch ein zweites und vom dritten die
H?lfte. „Warum lehrst du mich kein Handwerk? So kann ich es auch zu Hause haben. Wenn du mich nichts lehrst, gehe ich nach Hause, lehrst du mich aber etwas, bleibe ich.»
Der Alte vertraute ihm von sieben Zimmern die Schl?ssel an: „Nun, Wanjuschka, zu welchem Handwerk du Lust hast, das lerne auch!»
Als der Alte fort war, ging Wanjuschka durch die Zimmer. Er kam ins erste Zimmer: da lag ein gro?er Haufen Kupfergeld. Wanjuschka trottete ins zweite Zimmer: da lag gleichfalls ein Haufen, Silber, und nicht weniger als vom Kupfer. „Was ist der Alte reich!» Er ging ins dritte Zimmer: dort lagen ganze Berge von Silber. Wie er ins vierte Zimmer kam, lagen dort Stapel von Papiergeld. „Wozu brauche ich ein Handwerk! Wenn mir der Alte einen Arm voll Geld gibt, kann mir jedes Handwerk gestohlen bleiben!» Er kam ins f?nfte Zimmer: da waren Teppiche ausgebreitet, mit Edelsteinen besetzt, und an den W?nden hingen Geigen und Gitarren. „Was f?r ein komischer Kauz doch der Alte ist!» Er ging ins sechste Zimmer — da waren alle Arten von V?geln gefangen, die sangen mit den verschiedensten Stimmen. Wanjuschka verwunderte sich: „Die wollen gefangen sein!»
Wanjuschka geht einen Tag und einen zweiten durch diese Zimmer. Der Alte sagt: „Wie ist’s, Wanjuschka, welches Handwerk lernst du?» — „Was soll mir denn ein Handwerk, Gro?v?terchen! Wenn du mir ein ordentliches B?ndel Geld zu¬rechtmachst, brauche ich ?berhaupt kein Hand¬werk», erwiderte Wanjuschka. „Lerne irgend etwas, irgendein Handwerk!» — „Na sch?n!»
Der Alte zog auf die Jagd, Wanjuschka aber nahm die Schl?ssel und ging durch die Zimmer. Schlie?lich kam er zum siebenten Zimmer. „Ei, was f?r eine feste T?r!» Dieses Zimmer hatte der Alte Wanjuschka verboten, aber da war wohl ge¬rade das Beste drin. Wie er hinsieht, ist in der T?r ein Ast. Er nahm einen h?lzernen Schl?gel und schlug den Ast heraus. Da sieht er im Zimmer drei Jungfrauen sitzen und Teppiche mit Edelsteinen besticken.
Wanjuschka stie? einen Seufzer aus. Die Jungfrauen sagten: „Wanjuschka, warum kommst du uns nicht besuchen?» — „Ich bin noch zu jung, zu eurem Zimmer gibt mir das Gro?v?terchen den Schl?ssel nicht.» — „Nun, da k?nnen wir dir einen Rat geben.» — „Ratet mir!» — „Wenn der Alte am Abend heimkommt, gib ihm ein Gl?schen Wein, auch zwei, sogar drei — dem Alten!..»
Abends kommt der Alte heim. „Ach, Gro?v?terchen, jeden Tag gehst du fort, sicher bist du sehr m?de?» — „Nat?rlich, Wanjuschka, wie sollte ich nicht m?de sein?» Wanjuschka gab ihm ein Gl?schen, auch ein zweites, und sogar ein drittes. „Ach, hast du mich gelabt. Sch?ttle mir das wei¬che Federbett auf und die Daunenkissen und deck mich mit der Zobeldecke zu!» — „Schon gut. Gro?-v?terchen, leg dich nur hin!» Und er richtete ihm alles. Der Alte legte sich auf die linke Seite. Wan- juschka beobachtet ihn und schl?ft nicht. Der Alte dreht sich auf die rechte Seite: da hing an seinem linken Ohr der Schl?ssel zu dem Zimmer. Wanjuschka sah’s, nahm behutsam den Schl?ssel und ging zum Zimmer der M?dchen.
Er kommt hin, schlie?t auf, steht da und spricht kein Wort zu ihnen: hat die Sprache verloren und steht da. Die Jungfrauen sagten: „Wie ist’s, Wanjuschka, sind wir sch?n?» — „Soviel sch?ne Dinge das Gro?v?terchen auch in seinen Zimmern hat, ihr erscheint mir noch sch?ner!» — „Nun, Wanjuschka, geh doch einmal in jenes Zimmer! Darin ist eine Kommode, in dieser Kommode eine Schatulle. Oben auf dem Wandbrett mu? der Schl?ssel liegen. Schlie? die Schatulle auf: darin sind unsere edelsteinbesetzten Kleider; die bring her!» Wanjuschka brachte die Kleider angeschleppt und gibt sie ihnen. Sie zogen die Kleider an, fa?ten ihn unter die Arme und tanzten eine Quadrille. „Wanjuschka, sag — sind wir sch?n?» — „Ich wage nicht einmal, euch anzusehen, so sch?n seid ihr!» — „Wenn wir auch sch?n sind, so hast du uns doch zum letztenmal gesehen!» Sie lie?en sich zu Boden fallen und verwandelten sich in Bienen. Wanjuschka hatte sie verloren. Er setzte sich auf die Bank, fuchtelte mit den Armen, strampelte mit den Beinen, kurz, geb?rdete sich ganz n?rrisch. Etwas Dummes hatte er da angerichtet! Er ?ffnete die T?r, da flogen sie davon, aus dem Haus hinaus.
Der Alte erwachte, griff sich ans linke Ohr — der Schl?ssel war weg. Er sah Wanjuschka an: „Du Hundesohn! Wer hat dir erlaubt, den Schl?ssel von meinem Ohr zu nehmen?» — „Was hei?t, wer hat’s erlaubt! Ich habe dich gestern mit Wein be¬trunken gemacht, dich ?berlistet! Wer hat’s erlaubt! Die Biester selber waren’s, die mich’s gelehrt haben!» — „Was hast du angerichtet! Ich brauche jetzt drei Jahre, bis ich sie wieder zusammen habe!» — „Was macht’s — such sie nur immer zusammen!» — „Du hast jetzt drei Jahre bei mir gelebt, nun sollst du noch drei Jahre bleiben.»
Der Alte machte sich auf den Weg und lie? Wanjuschka f?r drei Jahre allein. Wie er heimkommt — nach drei Jahren -, bringt er alle drei Jungfrauen wieder mit. „Sechs Jahre hast du nun bei mir gelebt, Wanjuschka. Jetzt bist du erwachsen, und ich will dich verheiraten. Welche von ihnen willst du nehmen?» — „Ach, irgendeine!» — „Nein, sag welche!» — „Nun, meinetwegen nehme ich die da!» — „Nein, nimm nicht diese, nimm lieber diese!» Er wies ihm ein eigenes Haus zu. Alles war reichlich im Hause vorhanden: „F?r ewig werdet ihr hier nicht wohnen», sagt er. Gab ihm die Schatulle und sprach: „Mach sie nicht auf, zieh ihr nicht das Kleid an.»
Eine Woche hatten sie so verbracht, da wollte sie zur Messe gehen. Sie zog ein Trauerkleid an und h?llte sich in einen schwarzen Schal aus Daunenfedern. „Angezogen bin ich jetzt wie eine richtige Nonne! H?tte ich einen guten Mann, dann g?¬be er mir mein edelsteinbesetztes Kleid! Da w?rden die Leute Augen machen: Nein, w?rden sie sagen, hat der Wanjuschka eine sch?ne Frau!» Wanjuschka verga? nicht, was ihn das Gro?v?terchen gehei?en hatte; er gab ihr eine Maulschelle, da? sie sich gleich hinsetzte. „Nun sch?n! Mir soll’s recht sein, m?gen die Leute nur reden!»
Als eine Woche herum ist, kommt der Alte sie besuchen. „Nun, Wanjuschka, wie geht’s?» — „Danke, Gro?v?terchen, es geht mir gut.» — „Jetzt aber m??t ihr mich einmal besuchen: ich bekom¬me G?ste.» Wanjuschka bedankte sich und sagte zu seiner Frau: „Mach dich fertig!» — „Auf einmal habt ihr’s eilig: G?ste sind da!» Sie zog das Trauerkleid an, h?llte sich in den schwarzen Schal aus Daunenfedern. „Zum Gro?vater kommen nur G?ste aus Zarengeschlechtern! Ja, ein guter Mann z?ge mir jetzt mein edelsteinbesetztes Kleid an!.»
Wanjuschka verga?, nahm den Schl?ssel aus der Tasche und holte aus der Schatulle das Kleid hervor. Sie zog das Kleid schnell an; als sie’s anhatte, k??te sie ihn. „Jetzt wollen wir gehen.» Sie traten auf die Stra?e, da lie? sie sich zu Boden fallen, verwandelte sich in eine Taube und flog davon. Das war dir schon ein Eheweib!
Er ging ins Zimmer zur?ck, setzte sich auf die Bank, fuchtelte mit den Armen, strampelte mit den Beinen. Fuchtle nur, soviel du willst, es wird dich niemand daran hindern! Wanjuschka ging auf den Hof hinaus, sammelte einen Armvoll Stroh und stopfte damit den ganzen Ofen voll. Stopfte ihn voll und brannte’s an. Dann brach er sich Brotst?cke zurecht, legte sie in seinen Ranzen und machte sich auf, sein Weib zu suchen. „Allein gehe ich nicht den Alten zu besuchen.» Er ging den ganzen Tag; als es Abend wurde, geriet er in ein tiefes Moor und versank bis zu den Knien. Danach kam er in ein Tal, setzte sich auf einen Erdh?gel und nahm ein St?ck Brot aus dem Ranzen: sitzt da und i?t vor lauter Kummer. „Jetzt warte nur, Vater, dein Wanjuschka hat ausgelernt! Wei? selbst nicht, wie ich hier wieder herauskommen soll. Wei? nicht einmal, wo ich bin!» Und Wanjuschka begann zu weinen.
Schlie?lich sprang er auf und blickte nach allen Seiten — da sah er in der einen Richtung ein Licht. „Gewi? wohnen dort Leute!» Er ging auf das Licht zu, kommt hin und sieht: Eine H?tte steht da und dreht sich auf einem H?hnerbein. „Nun, H?tte, steh wie fr?her, wie die Mutter dich gestellt hat: zum Wald mit der Hinterseit’, zu mir mit der Vor- derseit’!» Er ging in die H?tte hinein, zog Schuhe und Kleider aus, legte sich auf den Ofen und f?hlt sich wie zu Hause.
Da kommt, keiner wei? woher, eine Baba-Jaga, eine Hexe: sie rennt durch den Wald, da? es dr?hnt und schallt. Wie sie in die H?tte kommt, rei?t sie ihr Maul auf; die Baba-Jaga will Wanja fressen. Der sagte: „Was f?llt dir ein, altes Biest? Machen es in den anderen D?rfern die alten Weiber etwa ebenso? Du sollst das Bad anheizen, mich baden und waschen und fragen: Wo hast du bisher gelebt?»
Die Alte ?berlegte es sich anders: Sie heizte das Bad an, badete ihn und gab ihm zu essen. „Wo hast du denn bisher gelebt?» — „Ich habe sechs Jahre beim Gro?v?terchen als Lehrling gelebt: er hat mich mit seiner j?ngsten Tochter ver¬heiratet.» — „Ach, du Dummkopf! Du hast ja bei meinem Bruder gelebt und meine Nichte genommen. Und die war gestern zu einem Plauderst?ndchen bei mir. Wozu hast du ihr das edelsteinbe¬setzte Kleid angezogen? Sie lebte noch bei dir, h?tt’st du’s nicht getan!» — „Unterweise mich lieber, wie ich zu ihr gelangen kann. Tantchen!» — „Geh weiter, ich habe noch eine Schwester, von der aus ist es n?her; sie wird dich unterweisen!»
Dabei gab sie ihm einen Fladen zum Geschenk: „Wenn sie dir zu nahe kommt und dich fressen will, dann fahr ihr zwischen die Z?hne, mit diesem Fladen hier!» Sie gab ihm noch einen Rabenknochen dazu, den steckte er in die Tasche. Dann machte er sich wieder auf den Weg.
Er ging den ganzen Tag bis zum Abend und geriet zur Nacht in ein tiefes Moor. Er sank bis zu den Knien im Sumpf ein, kam in ein Tal, setzte sich auf einen Erdh?gel, holte ein St?ck Brot heraus, sitzt und i?t. Schlie?lich sprang er auf die F??e und sah wieder ein Licht brennen. „Gewi? wohnt dort meine Tante!» Damit ging er auf das Licht zu. Eine H?tte steht da auf Ziegenbeinen und Hammelh?rnern und dreht sich im Kreise. „H?tte, genug jetzt herumgehinkt: ‘s ist Zeit f?r Wanjuschka hineinzugehn!» Er ging in die H?tte, zog Schuhe und Kleider aus, legte sich auf den Ofen und f?hlt sich wie zu Hause.
Da kommt, keiner wei? woher, eine Baba-Jaga: rennt durch den Wald, da? es dr?hnt und schallt. Sie betritt ihre H?tte, kommt in die Stube und will ihn fressen. „Ach, du Alte! Machen sie’s in den anderen D?rfern etwa ebenso? Willst du dich wohl freundlich auff?hren!» Und Wanjuschka f?hrt ihr mit dem Fladen zwischen die Z?hne. „Da hast du etwas zu tun! Du sollst das Bad anheizen, mich baden, mir zu essen geben und mich fragen, wohin mein Weg mich f?hrt und wo ich bisher gelebt habe.»
Die Alte ?berlegte es sich anders. „Na gut, hast von der Schwester was mitgebracht, einen Fladen.» Sie heizte das Bad, badete ihn und gab ihm zu essen. „Und wo hast du bisher gelebt, mein Lieber?» — „Ich habe sechs Jahre beim Gro?v?terchen als Lehrling gelebt, und er hat mich auch mit seiner j?ngsten Tochter verheiratet.» — „Was bist du f?r ein Dummkopf! Du hast ja bei meinem Bruder gelebt und meine Nichte genommen. Gestern war sie zu einem Plauderst?ndchen bei mir. H?tt’st du ihr nicht das edelsteinbesetzte Kleid angezogen, sie w?r dir nicht davongelaufen!» — „Kann ich nicht durch dich zu ihr gelangen. Tantchen?» Sie gab ihm einen Knochen vom Feuervogel zum Geschenk. „Da ist noch meine ?lteste Schwester, die wird dir alles sagen; sie wohnt ganz in ihrer N?he. Das ist aber eine sehr B?se; ich will dir noch ein Handtuch mitgeben; kommt sie dir zu nahe, schlag sie damit ?ber die Augen!»
Er machte sich auf den Weg, lief den ganzen Tag, bis es Nacht wurde, geriet in ein tiefes Moor und versank bis zu den Knien. Dann kam er in ein Tal, setzte sich auf einen Erdh?gel, holte ein St?ck Brot heraus (er hatte Hunger), sitzt und i?t. Als er das St?ck Brot aufgegessen hatte, stand er auf, blickte sich nach allen Seiten um, sah in der einen Richtung ein Licht und ging darauf los. Eine H?tte steht da auf Ziegenh?rnern und Hammelbeinen, die dreht sich. „H?tte, steh wie fr?her, wie die Mutter dich gestellt hat: zum Wald mit der Hinterseit’, zu uns mit der Vorderseit’!» Er geht hinein, aber niemand ist drin, nur ein Kerzendocht brennt.
Da kommt, keiner wei? woher, eine Baba-Jaga: rennt durch den Wald, da? es dr?hnt und schallt; kommt hereingerannt und will ihn fressen. Er schl?gt ihr das Handtuch ?ber die Augen: „Was f?llt dir ein, altes Biest!? Du sollst fragen: Woher kommst du, und wohin willst du? So machen’s die alten Weiber in den anderen D?rfern. Heize das Bad f?r mich und bade mich!.» — „Na gut, hast von der Schwester das Handtuch mitgebracht, ich sehe, du bist ein Bekannter.» Sie heizte das Bad, badete ihn und gab ihm zu essen. „Wo hast du denn bisher gelebt, mein Lieber?» — „Beim Gro?v?terchen habe ich sechs Jahre als Lehrling gelebt, er hat mich auch mit seiner j?ngsten Tochter verheiratet. Die ist fortgeflogen!» — „Du Dumm¬kopf, ach, du Dummkopf! Gestern war sie zu ei-nem Plauderst?ndchen bei mir. H?tt’st du ihr nicht das edelsteinbesetzte Kleid angezogen, sie w?re dir nicht davongelaufen!» — „Unterweise mich, Tantchen, wie ich zu ihr kommen kann!» — „Nun gut, komm mit, ich will dir ihr Haus zeigen!»
Sie f?hrte ihn auf einen Berg. „Siehst du dort in dieser Richtung ein Feuer, hell wie die Sonne?» — „Ja», sagt er. „Das ist kein Feuer, hell wie die Sonne, sondern ihr Haus: es ist ganz aus Gold.
Dorthin hast du dreihundert Werst zu laufen, zu diesem Haus. Komm jetzt zu mir, ich will dich lehren, wie du in ihr Haus gelangst. Da nimm, ich gebe dir einen Fladen: an ihrem Tor sind drei L?wen angebunden, die lassen dich so nicht durch. Brich den Fladen in drei Teile und wirf sie ihnen vor. Sie werden den Fladen fressen, du aber spring unterdessen durch den Zaun vors Schlo?. Dort stehen drei W?chter an der Schlo?treppe, die werden dich nicht durchlassen. Mach dir nichts draus: gib dem einen eine Maulschelle, da? er sich hinsetzt, dann wird auch der andere zu Boden gerissen, und der dritte wird sagen: ,Geh nur immer durch, geh nur immer durch!’ Da geh hinein. Du kommst ins erste Zimmer, dann ins zweite. Im dritten Zimmer sitzt sie in so einem sch?nen Sessel. Nenne sie aber nicht Weib, nenne sie Herrin: sie ist doch eine Zarin, kein einfaches Weib. Falle vor ihr auf die Knie und sage: ,Herrin, erlaube, da? ich mich dreimal verstecke; wenn ich nicht dreimal vor dir verborgen bleibe, kannst du mit mir machen, was du willst!
Sie gab ihm noch einen Hechtsknochen und begleitete ihn ein St?ck. Wanjuschka f?hrte alles aus, was ihm aufgetragen worden war. Er kam zur Zarin ins Schlo?, fiel auf die Knie und bittet sie: „Herrin, erlaube, da? ich mich dreimal verstecke; wenn ich nicht dreimal vor dir verborgen bleibe, kannst du mit mir machen, was du willst!»
„Ach, Wanjuschka», sagte sie. „Wo willst du dich verstecken? Ich werde dich ?berall finden!» — „Erlaubt mir trotzdem, Herrin, mich zu verstekken!» Sie erlaubte es. Er trat auf die Wiese hinaus. „Wo soll ich mich verstecken? Setze ich mich unter den Strauch, findet sie mich!» Er fuhr mit der Hand in die Tasche, da geriet ihm zuerst der Rabenknochen in die Finger, der von der ersten Tante. Er warf diesen Rabenknochen auf die Wiese, da erschien, keiner wei? woher, ein riesiger Rabe, fa?te ihn unter den Achseln bei den Armen und trug ihn in ein tiefes Moor; nur der Kopf sah noch heraus. Der Rabe setzte sich ihm auf den Kopf und verdeckte ihn — so war Wanjuschka verborgen.
„Diener, gebt mir mein Wahrsagebuch und meine Spiegel: ich will Wanja suchen!» Sie suchte ihn ?berall — in S?mpfen und W?ldern, auf Wiesen und auf dem Meeresgrund: nirgends war er zu sehen. Da fand sie ihn im tiefen Moor: der Rabe sitzt auf seinem Kopf. „Rabe, zieh Wanjuschka heraus, ich will ihn hier haben!» Der Rabe zog ihn aus dem Sumpf, brachte ihn ans Meer, tauchte ihn hinein, wusch ihn und brachte ihn ans Ufer auf die Wiese. Wanja geht hinein. „Nun, Wanjuschka, hast dich das erste Mal versteckt?» — „Ja!» — „Nun, geh, versteck dich noch einmal!»
Wanjuschka machte sich auf den Weg, trat auf die Wiese und holte den Knochen des Feuervogels heraus, den von der zweiten Tante. Da erschien, keiner wei? woher, der Feuervogel, packte ihn unter den Achseln und entf?hrte ihn zum Himmel, dort versteckte er ihn hinter einer Wolke. Wie es soweit war, sagte sie: „Diener, gebt mir mein Wahrsagebuch und meine Spiegel: ich will Wanja suchen!» Sie richtete die Spiegel auf die Meere, auf die W?lder und Wiesen: nirgends war er zu sehen. Sie richtete ihn gegen den Himmel und sah ihn hinter der Wolke. „Feuervogel, hol ihn herunter, tu ihm aber keinen Schaden.» Der Feuervogel holte ihn herunter und setzte ihn unversehrt auf der Wiese ab. Er geht zu ihr hinein. „Geh, versteck dich zum drittenmal!»
Wanjuschka machte sich das dritte Mal auf den Weg. Trat hinaus, lief in die N?he des Meeres, griff in die Tasche, da geriet ihm der Hechtsknochen in die Finger. Er warf ihn auf die Wiese. Da erschien, keiner wei? woher, ein m?chtiger Hecht; der packte und verschluckte ihn und entf?hrte ihn ins Meer, wo es am tiefsten ist. Dort machte er halt und kroch unter einen Stein. Sie gaben ihr das Wahrsagebuch und die Spiegel, und sie begann Wanjuschka zu suchen: auf den hohen Himmel richtete sie ihre Spiegel, auf W?lder, Wiesen und Seen, aufs Meer, wo es am tiefsten ist, und unter den Stein. Nur eine Zehe an dem einen Bein hatte der Hecht nicht mit hinuntergeschluckt: die Zehe war zu sehen. Um ein geringes war Wanjuschka nicht verborgen. „Diener, kommt einmal her: seht euch das an, wo Wan-juschka sich versteckt hat!» Die Diener kamen herbeigelaufen und lachten. „Hecht, schaff ihn mir ans trockene Ufer!» Da steckte der Hecht sei¬nen Kopf aus dem Meer, spuckte ihn aus ans trockene Ufer und hatte ihn ganz zerdr?ckt.
Wanjuschka kam ins Schlo? und fing an zu weinen; das sah eine Dienerin und hatte Mitleid mit ihm. „Warte, Wanjuschka, warte ein wenig und sprich mit mir! Ich will dich unterweisen. Bitte sie flehentlich, sie soll dir noch einmal erlauben, dich zu verstecken. Ich werde dir ein Versteck weisen, wo sie dich in alle Ewigkeit nicht findet. Wenn sie dir erlaubt, dich noch einmal zu verstecken, dann sperr die T?r zu und geh ins zweite Zimmer, dort sind die Spiegel: leg dich zwischen die Spiegel und verhalte dich ruhig!» Er ging zu ihr und fiel auf die Knie. „Nun, wie ist’s, Wanjuschka, welchen Tod w?nschst du dir jetzt? Soll ich dich am Galgen aufh?ngen oder dich lebendig begraben lassen?» Er brach in Tr?nen aus und sagt: „Herrin, erlaube mir wenigstens noch ein einziges Mal, mich zu verstecken!» — „Wo willst du dich verstecken? Ich finde dich ?berall!» Den Dienern und Gener?len aber tat er leid: „Herrin, hab Mitleid mit ihm: erlaub ihm noch einmal sich zu verstecken!» Sie war’s einverstanden.
Wanjuschka verlie? sie, sperrte die T?re zu, ging ins zweite Zimmer, lie? sich zwischen die Spiegel fallen und bleibt ruhig liegen. Wie es soweit war, begann sie, ihn ?berall zu suchen — im Meer und auf dem Meeresgrund, in den W?ldern und Seen, auf den Wiesen und am hohen Himmel. Nirgends konnte sie ihn finden. „Ihr Schurken, ihr habt mich dazu verleitet! Habt ihn gehei?en, sich zu verstecken!» Sie warf ihre B?cher auf den Boden, lief hin und her durch alle Zimmer, setzte sich dann auf einen Stuhl und lie? den Kopf h?ngen. „Wanjuschka!» rief sie auf einmal, „wo bist du? Komm her, wir wollen von jetzt an zusammen leben!» Und wieder nahm sie ihre B?cher und Spiegel, suchte und suchte. und konnte ihn nirgends finden (den einen Spiegel auf den anderen richten, das konnte sie nicht!). Wieder rannte sie hin und her durch alle Zimmer. „H?re, lieber Wanjuschka, wo bist du? Komm, ich will nicht mehr streiten mit dir, will von nun an mit dir zu¬sammen leben!»
Von da an lebte er mit ihr zusammen. Nach einem Monat schickte er seinem Vater einen Brief: „Ich wohne jetzt in dem und dem Reich und bin Zar. Wenn du Lust hast, zieh zu mir!» Der Vater hatte Lust, zu ihm zu ziehen.

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